Wenn der Kindergarten zum Wartezimmer wird

In Frankenberg sind die Untersuchungen für die angehenden Schulanfänger verschoben worden. Der Landkreis räumt Probleme ein. Auch andere Regionen könnten betroffen sein.

Frankenberg/Mühlbach.

Anja Fischer* ist verunsichert. Am 17.August 2019 kommt ihr großer Sohn mit dann sieben Jahren in die Schule. So viel ist klar, denn die Anmeldungsfrist ist in Sachsen vom 1.August bis zum 15. September im Jahr davor. Die Schuluntersuchung, die in der Frankenberger Kindertagesstätte "Pusteblume" für Mitte September angekündigt war, ist aber auf Februar verschoben worden.

Nun ist die Mutter etwas ratlos. Denn als ihr Kind im Vorjahr erstmals untersucht wurde, bekam sie den Rat, noch ein Jahr mit der Einschulung zu warten. Dabei hätten seine Erzieherinnen in der Kita ihn schon als "schulreif" gesehen.

Nun hätte sie gern die ärztliche Bestätigung, doch die gibt es jetzt frühestens im Februar. "Für einige Eltern kann dies wirklich zum Pro-blem werden", klagt die Mutter. Und dies ist kein Einzelfall, wie das Landratsamt betätigt. "Es ist richtig, dass Termine der Einschulungsuntersuchungen aufgrund von Erkrankungen des ärztlichen Personals des Gesundheitsamtes verschoben wurden", erklärt Pressereferentin Cornelia Kluge. Eine Vertretung für die ausgefallenen Termine zu finden, sei nur bedingt möglich. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass es auch Terminverschiebungen in anderen Regionen des Kreises geben wird."

Die Planung, welches Team aus Arzt und Assistenten wann und wohin zur Untersuchung fahre, werde schon in den Sommerferien begonnen, damit bei Schuljahresanfang die ersten Untersuchungen stattfinden können. Dies geschehe in Abstimmung mit den Schulen. Angestrebt werde der Abschluss der Untersuchungen Ende Januar. "Das ist aber derzeit nicht zu schaffen", teilt die Pressesprecherin mit. "Auch im Februar finden noch Einschulungsuntersuchungen statt, was aber für die Kinder nicht nachteilig ist."

In der DRK-Kindertagesstätte "Hüttenzwerge" in Schwarzbach läuft für die drei Schulanfänger offenbar alles nach Plan. Die Untersuchungen sollen nach den Herbstferien stattfinden, so Leiterin Monique Kralapp. Anja Fischer sind aus ihrem Bekanntenkreis jedoch weitere Kindergärten bekannt, in denen die Untersuchungen ebenfalls verschoben worden seien. "Bei uns ist dies der Fall, aber zum ersten Mal", sagt Annerose Kürschner, Leiterin der Kita "Windrädchen" im Frankenberger Ortsteil Mühlbach. "Bisher hat das ja immer gut geklappt, ich sehe die Verschiebung nicht so dramatisch." Die Zahl der Schulanfänger schwanke im Dorf recht stark, von 7 bis zu 17 Kinder pro Jahrgang.

Die Grundschulen setzen natürlich auf die Planungssicherheit. Dies bestätigt Gaby Kuhn, seit Schuljahresbeginn nicht mehr nur für die Grundschule Mohsdorf, sondern auch für die Astrid-Lindgren-Grundschule in Frankenberg verantwortlich. "Drei Klassen werden es bei uns in Frankenberg auf jeden Fall wieder", erläutert die Schulleiterin, der die Terminprobleme bekannt sind. "Eigentlich sollten die Untersuchungen bei uns in diesem Jahr abgeschlossen sein, aber bislang haben wir noch keine neuen Termine bekommen. Im Januar könnte wohl wieder etwas möglich sein." Zumindest für Mohsdorf kann Gaby Kuhn nun Entwarnung geben, dort sollen die Untersuchungen kurz vor Weihnachten anstehen.

Laut Landratsamt sind in Mittelsachsen insgesamt etwa 2900 Kinder zu untersuchen. "Es sind fünf Ärzte an den Schuluntersuchungen beteiligt, die nicht nur im schulärztlichen Dienst tätig sind, sondern noch andere Aufgaben innerhalb des Gesundheitsamtes übernehmen", so die Sprecherin. Gerüchten, wonach die Untersuchung in einigen Regionen ganz ausfalle und durch eine Einschätzung der Erzieher im Kindergarten ersetzt werden könnte, entgegnet das Amt: "Die Untersuchung der Einschüler wird auf jeden Fall stattfinden, es handelt sich um eine Pflichtuntersuchung", sagt Kluge. "Die Beurteilung zur Schulfähigkeit erfolgt aus medizinischer Sicht durch den Kinder- und Jugendärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes. Beobachtungen, Hinweise und Erfahrungen von Erziehern fließen natürlich ein. Selbstverständlich werden auch die Eltern einbezogen." Die endgültige Entscheidung über die Einschulung werde immer durch die Schule getroffen. (mit fmu)

* Name von Redaktion geändert

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...