Wenn die Eltern wieder in die Kita gehen

Anja Hübler ist seit einem Jahr im "Springbrunnen" als Koordinatorin tätig. Sie vernetzt nicht nur alle Einrichtungen der Stadt, sondern spannt auch Mamas und Papas mit ein.

Hainichen.

Drei Kindertagesstätten gibt es in der Stadt. Die kleinste davon - die christliche Kita "Springbrunnen" - bietet nun seit einem Jahr eine Besonderheit, von der künftig nicht nur die Hainichener Einrichtungen profitieren sollen. Bereits im Mai 2016 war der "Springbrunnen" als einer von insgesamt 31 Standorten in Sachsen für ein Modellprojekt Eltern-Kind-Zentrum (EKiZ) der Sächsischen Landesregierung ausgewählt worden. Nachdem es zunächst Hilfe eines Instituts aus Dresden gab, bringt nun seit einem Jahr mit Anja Hübler eine Mitarbeiterin das Projekt vor Ort voran.

Hainichen ist der einzige Standort eines EKiZ in Mittelsachsen, insgesamt bestehen im Freistaat jetzt 14 solcher Zentren. "Die von der Stadt Hainichen und dem Freistaat geförderte Personalstelle ist auch ein Ergebnis der Arbeit einer Themengruppe" erklärt der Projektleiter Joachim Fänder. Die Gruppe habe damit das Vorhaben "Hainichen auf dem Weg zur familienfreundlichen Kommune" gestärkt. Durch die neue Koordinatorin für Familienbildung sei das Zusammenkommen aller Elternbeiräte der Hainichener Kitas als Stadtelternrat auch erst möglich geworden.

Hübler wohnt in Lichtenstein, ist Erzieherin und Kommunikationstrainerin. Sie hat bereits in Kitas und im Hort gearbeitet. "Die meiste Erfahrung bringe ich jedoch als Mama mit", sagt die Mutter von drei Mädchen und drei Jungs. Auf die Stelle in Hainichen war sie durch frühere Kontakte zum Trägerverein Jugend mit einer Mission (JMEM) aufmerksam geworden. "Familie stärken" stand damals in der Stellenbeschreibung. "Das ist genau das, was ich will, dass die Familie wieder mehr Wert geschätzt wird", sagt Hübler. "Mich hat das gleich angesprochen, überrascht war ich schon, dass die Initiative vom Freistaat kommt."

Zwar hätten viele andere EKiZ auch christliche Träger, die Religion bleibe aber bei den Angeboten außen vor. "Wir beten nicht zusammen", erklärt Hübler. "Wir machen das zwar als Christen, sind aber von der Konfession völlig unabhängig und stehen für Glaubensfreiheit. Wir wollen und müssen niemand überzeugen, oberstes Ziel bleibt die Stärkung der Familie."

Im "Springbrunnen" zeige sich schon gut, was mit dem EKiZ erreicht wurde. Wenn die Eltern morgens ihr Kind bringen, spielen sie auch mal mit, lesen vor und begegnen anderen Eltern und Kindern. "Natürlich wurde das durch Corona auch erst mal gestoppt", berichtet die Koordinatorin. "Inzwischen sind Begegnungen wieder möglich, zunächst noch mit Mund-Nasen-Schutz. Während der Zeit der strengen Einschränkungen gab es Tipps und Hinweise von uns aber weiter über das Internet."

Etabliert wurden die Treffen mit den anderen Kitas der Stadt. "Wir sind mit etwa 50 Kindern zwar die kleinste Einrichtung, haben aber dank des 2016 eingeweihten Neubaus entsprechend große Räume", so Hübler. "Eltern und Vertreter anderer Kitas kommen deshalb zu uns. Ich wiederum gehe auch zu den Elternräten in die anderen Kindergärten." Acht verschiedene Angebote hat das EKiZ schon aufgebaut, die beim Babyführerschein für werdende Eltern beginnen. Es gibt ein wöchentliches Begegnungscafé, das im Durchschnitt von etwa 20 Leuten besucht wird. Gut die Hälfte davon gehört zum "Springbrunnen", die meisten Eltern würden sich laut Hübler schon untereinander kennen.

Eine Krabbelgruppe trifft sich unabhängig von der Kita, dazu kommen noch Themenreihen mit verschiedenen Referenten. Dass es dabei nicht nur im den Nachwuchs im Kindergartenalter geht, zeigte am Donnerstag ein Abend, bei dem es um die Schüler ging. Unter dem Titel "Zielsicher und glücklich Lernen" erklärte Janett Neumeister, wie Eltern ihre Kinder beim Lernen begleiten können. Die Referentin arbeitet als Schulsozialarbeiterin an der Friedrich-Gottlob-Keller-Oberschule in Hainichen und ist integrative Lerntherapeutin. "Es waren rund 20 Leute da, viele Eltern aber auch pädagogische Fachkräfte", sagte Neumeister, die sich weitere Veranstaltungen gut vorstellen kann.

Kostenpflichtig sind im EKiZ der Kunstkurs und die Beratungen. Für letztere Hilfe gibt es laut Hübler sogar schon eine Warteliste. Eine ihrer Ideen ist eine Papa-Kind-Übernachtung, die für den Herbst angedacht ist. Die soll auf dem Gelände des Trägervereins angeboten werden.

Joachim Fänder sieht das EKiZ auf einem guten Weg: "Es gibt nach der Coronasperre zum Glück nun wieder Gesprächsangebote für Familien. Der Bedarf ist auf jeden Fall da, nicht nur in Hainichen." In vielen Fällen müsse nach der langen Pause leider fast wieder bei Null begonnen werden. Was trotz der Kontaktbeschränkungen Bestand habe, sei das gute Miteinander aller Kindergärten der Stadt. Andre Kommunen könnten von diesen Erfahrungen natürlich profitieren.


Angebote und Termine

In der Werkstatt Familie im Eltern-Kind-Zentrum in der Berthelsdorfer Straße 7 in Hainichen sind in der "Springtime" immer freitags von 9 bis 10.30 Uhr Eltern mit ihren Kindern im Alter bis zu drei Jahren eingeladen.

Jeden ersten Mittwoch im Monat gibt es von 15 bis 17 Uhr das Begegnungscafé mit Betreuung für Kinder.

Die Vater-Sohn-Übernachtung gibt es vom 25. zum 26. September. Die Teilnahme ist wegen der Coronabeschränkungen nur für den Kindergarten "Springbrunnen" möglich.

Die nächste Fortbildung für Fachkräfte gibt es am 1. Oktober zum Thema Trennung und Trauer bei Kindern.

Einen Themenabend zum Thema "Eltern sein - Paar bleiben" gibt es am 5. November ab 19.30 Uhr. Die Veranstaltung steht allen offen.

Einen Workshop zum Thema "Zielsicher und glücklich Lernen" ist in Vorbereitung, Interessenten können sich dazu im Zentrum anmelden. (fa)

www.werkstatt-familie.de

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