Wenn nur noch die Abrissbirne hilft

Die Stadt Hainichen hat die Häuser der früheren SED-Kreisleitung ersteigert, um sie abzureißen. Bei anderen Brachen hält der Denkmalschutz seine Hände über die Häuser.

Hainichen.

Mit der Beseitigung von Brachen hat die Stadt Hainichen schon Erfahrung - auch mit langwierigen Verhandlungen. Als Musterbeispiel führt Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) das ehemalige Saatgut an, das 2018 dem Erdboden gleich gemacht wurde. In diesem Jahr hat der Stadtrat bereits dem Kauf und Abriss der alten Lederfabrik zugestimmt. Nicht ganz so einig war sich das Gremium, als es um zwei zusammenhängende, völlig marode Häuser auf der Turnerstraße ging. Dass die Gebäude nicht zu retten sind, war unstrittig, ebenso, dass die Stadt bei der nun anstehenden Zwangsversteigerung nicht um jeden Preis mitbietet.

Am Dienstag nahm Greysinger nun selbst an der Versteigerung am Amtsgericht Chemnitz teil. Zwei Termine waren aufgerufen, weil es für die miteinander verbundenen Häuser Turnerstraße 12 und 14 zwei Hausnummern gibt. "Im Vorfeld hatten sich einige Leute nach den Häusern erkundigt", sagte Greysinger. "Mitgeboten hat aber niemand."


So erhielt die Stadt für 18.300 Euro den Zuschlag. Weil der ehemalige Eigentümer eines der Häuser seine Steuern nicht bezahlt habe, schulde er der Stadt jedoch noch Geld, so Greysinger. Dies solle verrechnet werden. "Am Ende kostet uns der Kauf so vielleicht rund 10.000 Euro", schätzt der Stadtchef.

Die Gebäude sind in Hainichen als Sitz der früheren Kreisleitung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) bekannt. Weil Hainichen zu DDR-Zeiten Kreisstadt war, wurde dort Politik gemacht.

Nach der Wende war für einige Zeit die Lokalredaktion der "Freien Presse" in das Gebäude eingezogen, auch eine Krankenkasse und mehrere Firmen waren ansässig. Aber schon seit gut 25 Jahren stehen die Häuser leer. Laut Stadtverwaltung gab es mehrere Besitzerwechsel, auch Eigentümer aus dem Ausland. Ernsthaftes Interesse an einer Sanierung bestand nach Angaben des Bürgermeisters wohl nie. "Seit zehn Jahren bemühen wir uns um eine Lösung, vor fünf Jahren hatten wir schon den Antrag auf Zwangsversteigerung gestellt", erläutert er. Vom Dach und der Fassade der Häuser waren damals Teile abgebrochen und hatten Fahrzeuge beschädigt.

Letzter Strohhalm für eine Lösung der Problemimmobilie war eine Baufirma. "Aber selbst die hat dankend abgelehnt, wollte das Objekt nicht mal geschenkt", so Greysinger, der einen kompletten Abriss als einzige Möglichkeit sieht, weitere Schäden zu verhindern. "Die Decken der Etagen sind vom Dach bis zum Keller schon durchgebrochen, man kann gar nicht mehr in das Haus hinein", warnt er.

Dass der Abriss unausweichlich ist, war im Stadtrat nicht der Grund für eine lange Diskussion. Die CDU-Fraktion mahnte jedoch mehrfach an, nicht nur über das Ende, sondern auch über die Zukunft des Areals zu befinden. Greysinger sieht den für 2020 geplanten Abriss nun realistisch - mehr als eine Schaffung von Parkplätzen sei kaum zu machen.

Bei weiteren leerstehenden Immobilien in der Stadt verkündet der Bürgermeister noch keine Lösung, zumindest aber einen neuen Stand. Für das Eckhaus Ernst-Thälmann-Straße 41 habe das Landratsamt einen möglichen Abriss in ein paar Jahren in Aussicht gestellt. Aufgrund der markanten Lage praktisch als "Eingangstor zur Innenstadt" wirkend, sei dieses Gebäude aus denkmalschutzrechtlicher Sicht erhaltenswert. "Der wahrscheinlich in Ägypten wohnende Besitzer der Immobilie hat sich um sie bislang nicht gekümmert", so Greysinger. Seine Anschrift habe man nicht ermitteln können. "Wenn wir uns als Stadt aber weiter ernsthaft bemühen, könnte es in zwei Jahren eine Genehmigung zum Abriss geben."

Das Gebäude Am Damm 1 wurde infolge einer abgelehnten Erbschaft an den Freistaat Sachsen übertragen. Die Stadt sucht dafür nun einen Kaufinteressenten. Fördergeld könnte in Aussicht gestellt werden. Ein Abriss steht laut Greysinger derzeit nicht zu Debatte.

Für das am Neumarkt gelegene Objekt Oederaner Straße 2 fehle auch noch "der Prinz, der es wachküsst". Vor gut 15 Jahren wurde mit einer Sanierung begonnen, dann ging den Investoren laut Greysinger das Geld aus. Mehrere Versteigerungstermine verliefen fruchtlos, da es keinen Kaufinteressenten gab.

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