Wie "Frau Luna" die Seebühne erobert

Mit opulenter Ausstattung, witzigen Regie-Einfällen und Gassenhauern hat Paul Linckes Operette das Zeug zum Sommerkracher. Doch dafür müssen die Akteure schwitzen.

Kriebstein.

Auf dem Mond ist es ganz und gar nicht langweilig. Davon erzählt "Frau Luna" auf der Seebühne Kriebstein. Am Samstag, 20Uhr, hat Paul Linckes Operette Premiere. "Freie Presse" hat am Dienstagabend eine Probe besucht.

19.30 Uhr: Der Mond schaut freundlich und wissend von der Seebühne - als alles überragende Kulisse. Die Sonne brennt, die Luft scheint zu stehen, am Himmel ziehen Wolken. Selbst ohne große Bewegung rinnt der Schweiß. Die ProbeläuftseitanderthalbStunden.


19.40 Uhr: Die Darsteller kommen unter ihren ausgefallenen Kopfbedeckungen in ihren wunderschönen, oft glitzernden Kostümen kräftig ins Schwitzen. Aber das lassen sie sich beim Singen und Tanzen, so bei "Das macht die Berliner Luft", nicht anmerken. Die großen Auftritte mit rund 65 Solisten, Chorsängern, Tänzern und Statisten sitzen schon erstaunlich gut. Und das Orchester mit dem musikalischen Leiter Juheon Han zieht voll mit. Anders als in früheren Jahren spielen die Musiker nicht mehr mit auf der Seebühne, sondern auf der rechten Seite der "Landbühne". Das hat den Vorteil, dass im hinteren, für die Zuschauer nicht sichtbaren Teil der Seebühne Maske und Kostümabteilung untergebracht sind, erklärt Regisseur Jürgen Mai ("Die Olsenbande dreht durch"), der in der ersten Reihe unter einem kleinen Partyzelt sitzt. Und: Im Vergleich zum umjubelten Saisonauftakt auf der Seebühne mit der Mittelsächsischen Philharmonie und den Firebirds am vorigen Samstag sind die 32 Musiker deutlich besser zu sehen. Doch kühler ist das neue Domizil leider nicht, sagt in der Pause eine Musikerin, die noch vom Auftritt mit den "Feuervögeln" schwärmt: "Rock 'n' Roll ist einfach mal eine schöne Abwechslung."

19.50 Uhr: Regisseur Mai diktiert seiner Assistentin, worauf noch geachtet werden muss. Mal hapert es an den Übergängen, mal sitzt der Text nicht richtig, mal stimmt die Aussprache nicht. Insgesamt wirkt Mai aber entspannt. Der 81-jährige Eckhardt Primm aus Großschirma rollt mit seinem hochpolierten Ford T, Baujahr 1925, auf die (Festland)-Bühne. "30 Minuten Pause", schallt es über den Lautsprecher.

20Uhr: Rossitza Stojanowa dirigiert Darsteller auf einem Tretboot. "Hier müsst ihr ankommen", so die einstige Balletttänzerin, die auch die Tanzszenen mit dem Extraballett vorbereitet hat. Stefanie Goyal tupft sich die Schweißperlen von der Stirn. Ihr extravagantes Kostüm gefällt ihr durchaus. "Aber warm ist es schon", so die Chorsängerin. Was sie gegen die Hitze macht? "Viel trinken."

20.15 Uhr: Regisseur Mai streicht sich über seine weißen Locken. "Freiluft ist eine ganz besondere Nummer. Die Kollegen müssen extrem hart arbeiten", so Mai. Der 68-Jährige weiß, wovon er spricht. Als Schauspieler stand er auch mit Gojko Mitic in Bad Segeberg auf der Freilichtbühne.

19.25 Uhr: Nach der Pause brillieren Peggy Steiner als Frau Luna und Lisa Schneydar als Chefin des Hofstaates. Susanne Engelhardt, Johannes Pietzonka, Sergio Raonic Lukovic und Frank Unger ("Schwache Stunden sind meine Stärke") beweisen ihr komödiantisches Talent. Witzig die Vorstellung der Sternbilder: Jaromir Sedlmajer springt als lebensfreudiger und herrschsüchtiger Löwe in großen Sätzen auf der Bühne herum. Bei einer Hebefigur, bei der Frau Luna mit ihrem voluminösen Reifrock aus fast zwei Metern Höhe singt, halten viele die Luft an. Dann Aufatmen: Es klappt auchmitdemRiesen-Rock.

20.47 Uhr: Lautes Donnern am Himmel, Regen. Bühnenmeister Johannes Berger bricht die Probe ab. Im Trockenen wertet der Regisseur aus, was anders werden soll. Draußen gewittert es. Übrigens hat Mai einen Bungalow an der Talsperre gemietet. Bis nach Dresden muss er an diesem Abend nicht mehr fahren.

"Frau Luna" Karten für die Premiere am Samstag, 20 Uhr, und für die weiteren Vorstellungen gibt es in den "Freie Presse"-Shops. www.mittelsaechsisches- theater.de

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