Wie in Frankenberg die "Schlange" wächst

Etwa 40 Meter der neuen Brücke über die B 169 sind gestern am Dammplatz montiert wurden. Die Stahlbetonkolosse wurden mittels Schwerlasttransportern in der Nacht angeliefert. Dafür wurde sogar eine Straßenbaustelle geöffnet.

Frankenberg.

Morgens 8.30 Uhr in Frankenberg: Über der Baustelle neben dem Landhotel schwebt ein 22 Meter langes Brückenteil. Einige wenige Schaulustige bestaunen das Spektakel hinter dem Bauzaun. Noch ist die Wärme für die Arbeiter erträglich. Knapp 25 Tonnen wiegt das krumme Teil, das künftig ein Stück Geh- und Radweg für die neue Brücke über die B 169, die "Schlangenbrücke", bilden wird.

Wie in Zeitlupe senkt sich der Stahlkoloss, der an dicken Ketten eines Kranes mit 200 Tonnen Tragkraft hängt, auf eine blaue Hilfsbrücke und einen grauen Pfeiler. Millimetergenau passen die Arbeiter das Ende an das bereits vorhandene Brückenteil an. "Noch ein Stück rüber", hört man sie rufen. Immer wieder muss der Kranführer das Teil anheben und wieder absenken. Dann scheint es zu passen. Doch bevor die Schweißarbeiten beginnen können, die mehrere Tage dauern, müssen die Beschichtungen an den entsprechenden Stellen weggeschleift werden. Dafür hockt ein Arbeiter unter dem Brückenteil, nur geschützt durch einen Helm. Einen Fehler darf sich der Kranführer jetzt nicht erlauben.

Doch die Thüringer Firma der Vollack-Gruppe hat Erfahrung. Laut Ralf-Peter Regner, Beigeordneter der Stadt Frankenberg, hat das Unternehmen auch den Wolkenhain in Berlin gebaut. Der rund 20 Meter hohe Aussichtspfad entstand anlässlich der Internationalen Gartenausstellung 2017.

Etwa 40 Meter der später 262 Meter langen "Schlange" wurden gestern gelegt. "Schlange" deshalb, weil sich das Bauwerk vom Dammplatz bogenförmig über die B 169 zur Zschopauinsel windet. Eigentlich ist es eine Schrägseilbrücke, bei der Geh- und Fahrbahn an einem 20 Meter hohen Pylon mit schräg gespannten Seilen aufgehängt sind. Das rund vier Millionen Euro teure Bauwerk soll künftig die Innenstadt mit dem Landesgartenschauareal Zschopauaue verbinden. "Mit zwei Schwerlasttransportern wurden die 22 und 17 Meter langen Stahlteile in der Nacht über die A 4 aus Thüringen angeliefert", berichtet Regner. Damit die Fahrzeuge zur Baustelle kommen, sei der gesperrte Einmündungsbereich am Auenweg kurzfristig geöffnet worden. Abgestellt wurden die Fahrzeuge zunächst auf der Zschopauinsel. "Die Polizei hat die B169 kurzzeitig gesperrt, damit die Fahrzeuge rückwärts an den Dammplatz fahren konnten", erklärt er.

Bereits am 15. und 28. August sollen laut Regner weitere Brückenteile am Dammplatz montiert werden. Im September würden die ersten Brückenteile auf der Zschopauinsel gesetzt. Spektakulär dürfte es noch einmal werden, wenn ebenfalls im September zwei Stahlteile vom Dammplatz aus über die B 169 gesetzt werden. "Die Montage der letzten beiden Brückenteile erfolgt Anfang Oktober", berichtet Regner. Danach müsste alles verschweißt und beschichtet werden. Anschließend würde die Brücke zwischen dem Fußweg an der B 169 bis über den Mühlgraben um 50 Zentimeter angehoben. "Das ist notwendig, um den Pylon und die Tragseile zu montieren", begründet der Beigeordnete. Die endgültige Fertigstellung sei für Ende des Jahres geplant.

Der Pylon soll künftig eine Art Wahrzeichen für die Stadt werden. "Er ist weithin sichtbar und wird abends effektvoll beleuchtet", erklärt Regner. Auch der Geh- und Radweg bekomme am Geländer das richtige Licht. Dafür wolle die Stadt energiesparende LED-Lampen einsetzen. "Vom Scheitelpunkt der Brücke am Pylon ergeben sich großartige Ausblicke auf die Zschopauaue und den Stadtkern", schwärmt der Beigeordnete schon jetzt.

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