Wiesn-Fieber erfasst Mittelsachsen

Das in Bayern etablierte Volksfest kopieren immer mehr Veranstalter der Region. Die Fete scheint auch nur mit Dirndl und Weißwurst zu funktionieren.

Mittweida.

Schon der Termin birgt den Widerspruch in sich: Warum soll man im September ein Oktoberfest feiern? Doch damit halten sich Veranstalter hierzulande nicht lang auf. Die Wiesn, das größte Volksfest der Welt, wird in München schließlich auch schon im September eröffnet - ursprünglich, weil das Wetter in dem Monat angenehmer ist. Und kopiert wird fast alles, was in München Tradition ist.

Vom symbolischen Startsignal "O'zapft is!", das sich auf den Plakaten auch in Mittelsachsen wieder findet über die Kleiderordnung mit Dirndl und Lederhosen bis zur Gastronomie mit Weißwurst und Oktoberfestbier. Von dem Rezept lassen sich die Neueinsteiger bei dem Veranstaltungsformat leiten. Dazu zählt nun auch der Langenstriegiser Sportverein (LSV). Am Samstag, wenn auch auf der Münchner Theresienwiese "O'zapft is", eröffnet der Sportverein sein erstes Oktoberfest. Gefeiert wird laut Vorstandsmitglied Kathleen Tenzler im LSV-Sportzentrum. Zur Unterhaltung zählen Blasmusik und Bierkrugstemmen. "Wir machen alles typisch bayrisch. Es wird auch viel über die passende Kleidung gesprochen", so Kathleen Tenzler. Die Idee für das Fest habe ein Vereinsmitglied gehabt, der das Oktoberfest in München kenne. Nun hoffe der Vorstand des 300 Mitglieder zählenden Vereins auf etwa 200 Gäste am Samstag. Dass die Fete keiner sächsischen Tradition folgt, damit habe man im Verein kein Problem. "Es wird doch jetzt überall Oktoberfest gefeiert", so Kathleen Tenzler.

Zu "überall" zählt am kommenden Wochenende auch die mittelsächsische Kreishauptstadt, wo das Oktoberfest des Freiberger Brauhauses Premiere feiert - quasi als Alternative zum in diesem Jahr nicht stattfindenden Freiberger Brauhausfest. Es könnte mit einem 1800 Sitzplätze fassenden Festzelt auf der Wiese vor der Brauerei und Schlagerstars wie DJ Ötzi im Programm zum besucherstärksten Oktoberfest in Mittelsachsen avancieren.

Von den Dimensionen ist das zweite Oktoberfest in Rochlitz zwar weit entfernt. Doch bei der Neuauflage am kommenden Samstag rechnen die Organisatoren von der in Rochlitz ansässigen Hotel-Kette Travdo mit deutlich mehr Gästen als im Vorjahr. Das Festzelt wurde auf rund 630 Plätze erweitert, nachdem die Premiere im Vorjahr mit etwa 450 Gästen ausverkauft war. Was das Erfolgsrezept ist, kann Travdo-Sprecherin Yvonne Langner nur vermuten: "Wir waren beim ersten Fest von der Resonanz überrascht." Aber offenkundig geht das Konzept, das sich nah am Original orientiert, auch fernab von Bayern auf. "Etwa 80 Prozent der Gäste kamen in Dirndl und Lederhose, die Stimmung bei Schlagermusik war ausgelassen." Und die Kartennachfrage für das zweite Fest sei erneut groß.

Die Inhaberin der Gaststätte Ritterhof in Altmittweida hat eine Erklärung für das Phänomen Oktoberfest. "Die Leute wollen Spaß und Gaudi haben, das passt", sagt Martina Rodewohl, die am 2. November das vierte Oktoberfest veranstaltet. Herkömmliche Tanzveranstaltungen funktionierten schon lange nicht mehr. Das Oktoberfest-Motto locke dagegen viele Gäste an. Hinzu komme, dass "die Mädchen sich gerne schick angezogen zeigen". Der Auftritt im Dirndl sei wirkungsvoll.

Auf echte Oktoberfest-Traditionen können die Oederaner verweisen. Zum siebenten Mal laden die Organisatoren um den Stadtmarketingverein vom 11. bis 13. Oktober zur großen Party auf den Markt ein. Bereits in den 1990er-Jahren ist in Oederan Oktoberfest gefeiert worden. Und weil das so gut ankam, wurde das Fest 2013 wiederbelebt. "Ausgelassen zu feiern und das in einem Kostüm, in dem man noch gut aussieht, das lieben unsere Gäste", sagt Marco Metzler vom Stadtmarketing. (mit ka)


Wo in Mittelsachsen der Ruf "O'zapft is" erschallt

Freiberg: Das Freiberger Brauhaus feiert sein erstes Oktoberfest vom 20. bis 22. September auf der Wiese vor der Brauerei mit großem Festzelt, Rummel und Schlemmermeile. Schlager und Partylieder gehören zum Programm, bei dem unter anderem DJ Ötzi und Antonia aus Tirol auftreten. Tickets und Programminfos: www.freiberger-oktoberfest.de

Langenstriegis: Am Samstag, 14 Uhr eröffnet der Langenstriegiser Sportverein sein erstes Oktoberfest. Gefeiert wird im Sportzentrum. Im Programm gibt es unter anderem Blasmusik und Wettbewerbe wie Bierkrugstemmen. Ab 18.30 Uhr beginnt die Party mit Live- und Diskomusik.

Rochlitz: Zum zweiten Rochlitzer Oktoberfest im Festzelt auf der Insel gibt es Live-Musik mit der Partyband Oberland Bub'n (OB live) und den Milkauer Schalmeien, moderiert von Freddy Holzapfel. Es gibt noch Karten. Einlass ab 16 Uhr, Beginn 17 Uhr.

Schweikershain: Die Zschopautaler Fanfaren sorgen am Samstag für Unterhaltung beim Oktoberfest auf dem Festplatz im Erlauer Ortsteil Schweikershain. Beginn: 15 Uhr.

Hainichen: Gleich zwei Oktoberfeste nach bayerischem Vorbild gibt es in Hainichen. Am 28. September startet eine Fete 18 Uhr im HKK-Vereinshaus, Oederanerstraße, mit Live-Musik von Major-C. Im Hainichener Ortsteil Riechberg soll dann am 5. Oktober das nächste Oktoberfest gefeiert werden.

Siebenlehn: Auf dem Gelände von Möbel Mahler in Siebenlehn findet vom 18. bis 20. Oktober das 7. Oktoberfest statt, organisiert vom Förderverein Wasserturm Siebenlehn. Cheforganisator Tino Walcha hat miterlebt, wie Besucherzahl und Größe des Festes von Jahr zu Jahr gewachsen sind. Die Festhalle biete etwa 800 bis 1000 Besuchern Platz. Zum Festprogramm gehört neben Livemusik eine Schaustellermeile mit Riesenrad und Rummelbuden. Los geht es am Freitag 18 Uhr. (jl/tür)

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