"Wir befinden uns im Aufbruch"

Der Umzug der Leitstelle nach Chemnitz und das Fehlen eines Kreisbrandmeisters bewegen die Wehren

Rochlitz.

Anders, effizienter und zielgerichteter - das soll laut dem Chef des Kreisfeuerwehrbands, Michael Tatz, das Motto seiner Organisation sein. Welche Veränderungen seine Arbeit prägen, erklärte er im Gespräch mit Christof Heyden.

Freie Presse: Der Kreisfeuerwehrverband will stärker für sich und seine Ziele werben. Das geschieht auch mit "Status 3". Was verbirgt sich dahinter?

Michael Tatz: Es ist die Erstausgabe eines nun regelmäßig erscheinenden Mitgliederjournals. Wir werden aus der Verbandsarbeit und dem Geschehen der Mitgliedswehren berichten, aber auch unsere Partner zu Wort kommen lassen. Dabei haben wir mit 'Status 3' einen Titel gewählt, der auf eines der Signale im automatisierten Funkverkehr der Feuerwehren anspielt. Der Signalcode weist darauf hin, dass das Feuerwehrfahrzeug auf dem Weg zum Einsatzort ist. Dieses Bild passt zum Verband: Wir befinden uns im Aufbruch, sind auf dem Weg, die Ausbildung zu verbessern, aber auch Netzwerke auszubauen. Und wir setzen vor allem auf die Gewinnung von Nachwuchs in unseren Kinder- und Jugendfeuerwehren.

Die Diskussion um den holprigen Einsatz moderner Funkmeldeempfänger bewegte im Vorjahr die Öffentlichkeit.

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Mittlerweile sind die Wogen weitestgehend geglättet. So wurden Probleme im Einsatz der Technik beispielsweise durch ein entsprechendes Softwareupdate behoben. Und die Kameraden sind an der Technik umfassend geschult worden.

Stirnrunzeln löste auch die Umstrukturierung des Rettungsdienstes und insbesondere die Arbeitsaufnahme der neuen Leitstelle in Chemnitz aus. Wie steht es um diese Zusammenarbeit?

Gerade im Hinblick der Dauer und nicht reibungslosen Einführung des Digitalfunks war zu befürchten, dass Probleme bei der Inbetriebnahme der zentralen Leitstellen auftreten. Darauf haben wir vehement hingewiesen. Diese waren in erster Linie organisatorischer Natur. So mussten beispielsweise die sogenannten Alarm- und Ausrückeordnungen der neuen Situation angepasst werden. Und das Netzwerk musste sich samt Ansprechpartnern einspielen, so galt es etwa spezifische Ortskenntnisse zu vermitteln. Dennoch: Alles in allem funktioniert die Zusammenarbeit zwischen unseren mittelsächsischen Feuerwehren und der Leitstelle in Chemnitz recht gut.

Bezüglich dieser Zusammenarbeit wurde vor allem wegen Großschadensereignissen aber auch Wetterkatastrophen der Entschluss gefasst, ortsfeste Befehlsstellen aufzubauen.

Die derzeit heißdiskutierten Klimaänderungen oder Wetterphänomene haben damit nichts zu tun. Ortsfeste Befehlsstellen kommen zum Einsatz, wenn sich ein größerer Einsatz entwickelt, der jedoch unterhalb der Katastrophenschwelle liegt. Sie übernimmt dann die Einsatzführung. In unserer Feuerwehrdienstvorschrift ist das seit 1999 klar geregelt. Die Wehren waren bisher aber weitgehend auf sich gestellt, wenn es um deren Einrichtung und Ausstattung geht. Das betrifft etwa Absperreinrichtungen, Informationstafeln, Transportkisten und Rollcontainer; auch Kommunikationstechnik zählt dazu. Diese Beschaffung und Koordinierung gilt es durch den Kreisbrandmeister als staatlichem Partner mit unserer Unterstützung zu realisieren.

Wie sehr schmerzt den Verband die Tatsache, dass die Stelle des Kreisbrandmeisters, Ihres wichtigsten Ansprechpartners im Landratsamt, seit über einem halben Jahr nicht besetzt ist?

Dieser Umstand ist schmerzlich, aber weniger für den KFV als vielmehr für unsere Feuerwehren. Es fehlt uns der fachliche Ansprechpartner auf Kreisebene. Aber ab April soll es einen neuen, frisch ausgebildeten Kreisbrandmeister geben. Der KFV wird mit seinen Fachbereichen und Fachleute dem Kreisbrandmeister bei Bedarf unterstützend zur Seite stehen. Dazu zählen erfahrene Führungskräfte, wie IT-Spezialisten oder Fachleute auf dem Gebiet des Katastrophenschutzes.

Inwieweit hat das Vorjahr dem neuen Arbeitsplan 2020 Impulse gegeben?

Wir haben 2019 eine Mitgliederbefragung durchgeführt. Das Ergebnis stimmt uns positiv. Insbesondere die Einführung der Facharbeit im Verband wird begrüßt. So wurde im Fachbereich Ausbildung ein erstes Seminar im November 2019 zum Thema "Einsätze mit alternativen Antrieben" initiiert, das sehr gut besucht und inhaltlich stark aufgebaut war. Am 27. Januar gab es ein Gespräch mit der Führungsspitze des Kreissportbundes. Gemeinsam wollen wir ausloten, wo eine Zusammenarbeit sinnvoll und für beide Seiten gewinnbringend ist. Eines muss man auch deutlich sagen: wir alle machen das im Ehrenamt und zumeist zusätzlich zu bestehenden Aufgaben innerhalb unserer Feuerwehren. Höher, schneller, weiter wird nicht unser Motto werden, sondern nur anders, effizienter, zielgerichteter. hy


Chef von rund 9000 engagierten Feuerwehrleuten

Michael Tatz ist seit 2018 Chef des Kreisfeuerwehrverbandes. Der 47-jährige Freiberger engagiert sich seit 1988 bei der Feuerwehr und leitete unter anderem die Ortswehr seiner Heimatstadt. 2002 wechselte er zum Landesfeuerwehrverband Sachsen, wo er ehrenamtlich als Referatsleiter Sozialwesen tätig ist. In dieser Funktion vertritt Tatz die sozialen Interessen der Feuerwehrangehörigen auch im Deutschen Feuerwehrverband. Der Oberbrandmeister ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Als diplomierter Krankenkassenfachwirt arbeitet er als Vertriebscenterleiter bei der AOK.

Der Kreisfeuerwehrverband ist

Interessensvertretung und Sprachrohr aller mittelsächsischen Feuerwehren. Ihm gehören 214 Ortswehren zwischen Rochlitz bis Neuhausen an.

Aktuell sind mehr als 5100 aktive

Einsatzkräfte sowie mehr als

1600 Kinder und Jugendliche in den 93 Jugendfeuerwehren im Verband organisiert. Etwa 2300 Frauen und Männer zählen zu den Alters- und

Ehrenabteilungen. Der mittelsächsische Verband schätzt ein, dass er mit seinen rund 9000 Mitgliedern sachsenweit zu den größten Kreisfeuerwehrverbänden zählt. (hy)

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