Wo aus kleinen Metallscheiben nützliche Alltagsdinge werden

Sie stehen in fast jedem Badezimmer - Deos, Rasierschaum und andere Spraydosen. Hergestellt wird ein Teil davon in Mittelsachsen: in der Frankenberger Firma Nussbaum.

Frankenberg.

Das Ausgangsmaterial ist ein kleiner, fast unscheinbarer runder Aluminium-Rohling. Die Frankenberger Firma Nussbaum presst daraus täglich durchschnittlich 350.000 Aerosol-Aluminium-Dosen. Seit zehn Jahren ist der Betrieb, der zu einem Schweizer Familienunternehmen gehört, im Dittersbacher Gewerbegebiet ansässig. Laut Prokurist Andreas Klepin wurden in den vergangenen drei Jahren 2,3 Millionen Euro am Frankenberger Standort investiert, davon allein in diesem Jahr bereits 450.000 Euro in Gebäudetechnik, wie Zuluft- und Abluftanlagen. Und die Firma mit derzeit 99 Mitarbeitern will weiter wachsen. In den nächsten ein bis drei Jahren sollen weitere 8 bis 10 Millionen Euro in eine neue, moderne Produktionsanlage investiert werden. Die Zahl der Arbeitskräfte soll um 14 steigen.

"Unsere momentane Auslastung ist sehr gut", erklärt Klepin. Der Betrieb käme an seine Kapazitätsgrenzen. Die neue zwischen 65 und 70 Meter lange Anlage könne künftig zusätzlich 30 Millionen Dosen im Jahr produzieren. Hauptabnehmer sei die Kosmetikindustrie. "Wir produzieren die Klassiker wie zum Beispiel Deo-Spray oder Rasierschaum für Drogerie- und Supermärkte, aber auch für höherpreisige Artikel in den Friseurgeschäften", berichtet Klepin. Auch für die Industrie stellt Nussbaum die recycelbaren Verpackungen her. So zum Beispiel für Automobilzubehör, wie Schlossenteiser. Neben geringen Mengen für die Lebensmittelindustrie produziert das Frankenberger Unternehmen zudem für die Pharmazie. "In diesem Bereich planen wir eine Erweiterung", sagt der Prokurist. Denn interessant sei die hoch anspruchsvolle Pharma-Industrie vor allem als langjähriger Kunde, bei dem Produkt und Design nicht so oft wechseln, wie in der Kosmetikindustrie. "Das ist für uns ein zusätzliches stabiles Standbein, um breit aufgestellt zu sein", begründet Klepin.

Viele Arbeitsschritte sind nötig, um aus einem Rohling eine Spray-dose zu machen. Die Aluminium-Scheibe wird zunächst über einen Stempel gezogen. "Durch den hohen Druck fließt das Material über den Stempel", erklärt Klepin. Der Hohlkörper, der schon das Endprodukt erahnen lässt, kommt dann in die Waschanlage. Anschließend wird er von innen lackiert. In einem Trockenofen brennt der Lack ein. Erst danach folgt die Außenlackierung und die Farbgrundierung. Schließlich erhält die Dose in einer Druckmaschine die Dekoration und Schrift, anschließend noch einen Schutzlack. "Der letzte Schritt ist die Formgebung zur typischen Spray-dose", sagt Klepin. Nach der Endkontrolle können die Dosen verpackt werden. Ventil und Verschluss bekommen sie beim Abfüller.

Die Abnehmer kommen hauptsächlich aus Deutschland, aber auch aus Tschechien. Kleinere Mengen gehen nach Griechenland und Frankreich. Mit zunehmender Kritik an der Vermüllung der Meere durch Plastik, steige die Nachfrage nach dem recycelbaren Aluminium, weiß der Prokurist. Das Unternehmen scheint also auch für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Laut Klepin lag der Umsatz 2017 bei 23,5 Millionen Euro, Ende 2018 soll er auf 25 Millionen Euro klettern.


Nussbaum startet 2008 in Frankenberg mit 85 Mitarbeitern

1963 gründet Eugen Nussbaum mit Hans Ulrich Guhl das Unternehmen Nussbaum & Guhl.

Hauptsitz der heutigen Nussbaum Matzingen AG ist Matzingen in der Schweiz. Weitere Standorte gibt es in Kesswil (Schweiz), Rielasingen (Baden-Württemberg) und Frankenberg.

1990 kaufte Nussbaum das ehemalige Aerosol-Automat-Stammwerk in Oberlichtenau.

2008 wurde im Frankenberger Ortsteil Dittersbach ein neues Werk gebaut. Die Nussbaum Lichtenau GmbH zog in das Industriegebiet. Mit 85 Mitarbeitern wurde begonnen.

Heute arbeiten dort 99 Mitarbeiter. Aktuell gibt es zudem 10 Auszubildende, allein 5 davon wurden laut Prokurist Andreas Klepin dieses Jahre eingestellt. "Darauf sind wir sehr stolz", sagt er. Bisher seien alle Lehrlinge übernommen worden. Ausgebildet würde ausschließlich für den Eigenbedarf. (ug)

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