Wo das Handwerk noch eine Zukunft hat

Ausnahmezustand am Sonntag in Riechberg: Was mit traditioneller Technik gefertigt wird, begeistert Tausende Besucher.

Riechberg.

Ein Mal im Jahr schwitzt das gesamte Schneemannland. Unter diesem Namen kennt man die Drechslerei von Volkmar Wagner, die sich alljährlich am Tag des traditionellen Handwerks im Erzgebirge beteiligt und dann regelrecht überrannt wird. "3000 bis 4000 Leute werden es auch dieses Mal, mindestens", sagt Birgit Wagner, die Frau des Chefs. Es war die 20. Auflage des Aktionstages, der in Riechberg nicht nur der Drechslerei ein Podium bot. Rund um das Firmengelände gab es viel zu entdecken.

Schnitzen, Klöppeln Sticken und Bleigießen wurden vorgeführt. Imker, Keramiker, Floristen lockten mit ihren Angeboten. Beim Landschaftsbau Dirk Kunze wurde gesägt und gehobelt, es durften kleine und große Kinder selbst mal einen Mini-Bagger steuern. Sehr gefragt war auch die Pilzberatung. "Toll, was man hier alles sehen kann", zeigte sich Dietmar Palm, Chef des Heimatvereins Frankenberg, begeistert. Er führte in den Vorjahren am Handwerkstag im Museum Rittergut in Frankenberg immer das Drehen von Zigarren vor. "Nun setzen wir mal aus, weil wir mit der Landesgartenschau so viel zu tun hatten", sagte Palm. 2020 sollen Zigarren schon im neuen Museum gedreht werden.

Der Drechsler: Dennis Crowder stand an der Fußdrechselbank mit Rückholfeder. Die hat mal Reiner Hofmann nachgebaut, ein inzwischen verstorbener Riechberger. "Bis zum Zweiten Weltkrieg haben im Erzgebirge damit noch etliche Leute gearbeitet", erläutert Volkmar Wagner. Crowder arbeitet im vor 30 Jahren gegründeten Familienunternehmen mit aktuell 18 Leuten natürlich an einer moderner Drechselbank. Er stammt aus Denver (Colorado) und lebt seit einiger Zeit in Chursdorf bei Penig. Um handwerklichen Nachwuchs kümmert sich die Drechslerei schon sehr intensiv, zwei Söhne arbeiten auch im Unternehmen.

Die Eier-Kratzer: Ehrentraut und Günter Spiller aus Erlau zeigten nicht ganz passend zur Jahreszeit, wie man mit Kratztechnik Eier verziert. Das Rentnerpaar macht dies schon seit Anfang der 1970-er Jahre und hat sich die durch die Sorben bekannte Technik selbst angeeignet. "Alle Eier sind Unikate, weil wir frei Hand arbeiten", sagt der 76-Jährige. "Die Eier werden gefärbt, mit einem Stahlkratzer macht man die Muster." Diese Kunst hat das Paar schon seinen Kindern vermittelt.

Die Seiler: Seit fast 20 Jahren wird die uralte Technik beim Heimatverein Marbach gepflegt. In wenigen Minuten können auch Besucher aus vier mal vier Strängen nach eigener Farbwahl ihr Seil drehen. Wie man die Fäden in die nachgebaute Anlage richtig einhängt, wissen nur noch vier Männer vom Heimatverein - der Jüngste ist 65. "Mit Nachwuchs sieht es wirklich schlecht aus", erklärt der 78-Jährige Manfred Seidel.

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