Wo früher der Rohrstock regierte: Erinnerung in Schwarz-Weiß

Im Projektunterricht und bei Festveranstaltungen dreht sich an der Schule bis zum Samstag alles um die Geschichte der Einrichtung. Dabei spielt auch die Kirche eine Rolle.

Grünlichtenberg.

In der Grundschule in Grünlichtenberg sind die strengen Blicke der Lehrerinnen in dieser Woche oft nur gespielt. Sie erkunden mit den 100 Mädchen und Jungen der Klassenstufen eins bis vier, wie Schule früher war. 120 Jahre reicht die Geschichte der Bildungseinrichtung in dem Kriebsteiner Ortsteil zurück. Die Schüler tauchen in einer Projektwoche in verschiedene Epochen ein.

"Historische Aufnahmen zeigen, wie das Schulhaus einst aussah", sagt Schulleiterin Elke Schlieder. In der Turnhalle ist Mobiliar eines einstigen Klassenzimmers aufgestellt. Die Schüler hören, was einst in der Schulordnung stand und welche Strafen bei Ungehorsam oder mangelhaften Leistungen drohten. "Wir zeigen auch einen Rohrstock", so Schlieder. In den Projektgruppen wird der Historie zudem spielerisch in Kostümen, mit den Liedern und Lehrbüchern früherer Schülergenerationen nachgespürt. Zum Tag der offenen Tür am Samstag von 9 bis 11 Uhr wollen Schüler dann selbst die Schulgeschichte für die Gäste lebendig werden lassen. Ein Teil des Programms werde zeigen, wie es früher im Schulhaus zuging, so die Schulleiterin. Um Aktuelles gehe es in einem Musical, das Schüler der vierten Klasse aufführen.

Helfer und Unterstützer, zu denen die Kirchgemeindevertretung mit Michael Kreskowsky an der Spitze und die Gemeindeverwaltung gehören, haben außerdem eine Festschrift zusammengestellt und drucken lassen. Gäste können sie zum Preis von sechs Euro kaufen. Die Grundschüler bekommen die Broschüre mit wichtigen Fakten zur Schulentwicklung sowie eine Postkarte mit Ansichten des früheren und des heutigen Schulgebäudes geschenkt. Die Aufnahmen zeigten eindrucksvoll, welche Veränderungen das Haus erlebt hat, so Schlieder.

Anfangs habe es nur zwei Klassenzimmern gegeben, später sei die Schule erweitert und modernisiert worden. Doch man erkenne, dass "sanft saniert" wurde. Kennzeichnend für die Schule seien bis heute auch die freie Lage sowie viel Raum für Spiel- und Sportanlagen. "Wir haben hier ein richtiges Kinderland", sagt Schlieder, die seit zwölf Jahren das Haus leitet. In dieser Zeit gab es nach ihren Angaben immer etwa 80 bis 100 Schüler. Aktuell kommen diese aus dem Gemeindegebiet von Kriebstein sowie aus den Rossauer Ortsteilen Greifendorf, Moosheim und Oberrossau. Aus Archivmaterial weiß Schlieder, dass die erste Klasse, die 1898 im neu erbauten Schulhaus gegenüber der Kirche eingeschult wurde, 60 Schüler hatte. In der DDR-Zeit wurden zehn Klassenstufen der Polytechnischen Oberschule im Haus unterrichtet. Heute nutzen Grundschule und Hort die Räume.

Ein bedeutendes Novum bietet das Fest zum Jubiläum laut Kreskowsky: "Zum ersten Mal seit der Trennung von Schule und Kirche vor 100 Jahren gibt es eine große Feier, die an die frühere Tradition anknüpft", sagt der Hobby-Historiker und Gästeführer, der auch im museumspädagogischen Bereich tätig ist. Denn ursprünglich sei die Schule auf Kirchenland erbaut worden und habe der Kirche gehört. Zum Schuljubiläum finden heute am Vormittag ein Vortrag für die Kinder sowie am Abend eine Festveranstaltung mit rund 300 Ehrengästen und einem öffentlichen Teil ab 19.30 Uhr in der Kirche statt. Morgen wird ab 18 Uhr zu einem öffentlichen Festkonzert in die Dorfkirche eingeladen. "Dargeboten wird eine Schulmeisterkantate aus dem 18. Jahrhundert, ein humorvolles Stück", so Kreskowsky. Ein Jahr Vorbereitung war nach seinen Angaben nötig, um die Höhepunkte des Festes zu gestalten. Die Arbeit habe Freude gemacht, so der 39-Jährige, der selbst sechs Jahre in Grünlichtenberg zur Schule gegangen ist. In der Kirche wird bis 4. November eine Ausstellung zur Schulgeschichte gezeigt.

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