Auch Gräfin Wilhelmine hat jetzt wieder einen Baum

Die Schönburg-Eichen in Wechselburg, die an die Kinder der gräflichen Familie erinnern, sind jetzt wieder komplett. Ein Prinz würdigt mit einer Neupflanzung seine Großmutter.

Wechselburg.

Eine fünf Meter hohe Eiche ist bei einer feierlichen Zeremonie am Samstag von Pater Maurus, Prior des Wechselburger Klosters, geweiht worden. Mit der Neupflanzung ist die Allee der Schönburg-Eichen am Eingang des Schlossparkes nun wieder komplettiert.

Wie Heimatforscher Günter Kunzmann gegenüber der "Freien Presse" erklärte, ließ Joachim Graf von Schönburg (1873 bis 1943) für acht seiner neun Kinder - eines verstarb bereits nach zwei Tagen - eine Eiche pflanzen. Die Bäume sind beschildert mit den Namen der Kinder. Die Eiche, die an Tochter Wilhelmine (1902 bis 1964) erinnerte, existiert seit geraumer Zeit nicht mehr. Ob sie abgestorben oder gefällt wurde, ist laut Kunzmann unklar.


"Als im März in der Basilika eine Messe für die verstorbene Maya Felicitas Gräfin von Schönburg-Glauchau stattfand, waren Mitglieder der Familie beziehungsweise deren Nachkommen in Wechselburg", erzählt Kunzmann. Bei einem Spaziergang durch den Wechselburger Schlosspark sei Maximilian Prinz zu Fürstenberg aufgefallen, dass für Wilhelmine Gräfin von Schönburg keine Eiche steht. "Meine Großmutter hat keinen Baum!", habe der Prinz laut Kunzmann ausgerufen. Auch habe er sofort den Wunsch geäußert, das zu ändern. Gespendet von ihm, ist so bereits Ende vergangener Woche der schon stattlich gewachsene Baum eingepflanzt worden.

Schon früher hatten Schilder an den Bäumen darauf hingewiesen, wem sie gewidmet sind. Zu DDR-Zeiten wurden sie entfernt. Nach der Wende stellten Mitglieder der evangelischen Kirche wieder Schilder an den gräflichen Eichen auf. Erst im vergangenen Jahr hatten Kunzmann und der Wechselburger Dietmar Petzold die nahe den Bäumen aufgestellte Ahnentafel der Schönburger erneuert.


Eichen für acht Kinder

Octavia Gräfin von Schönburg gebar ihrem Mann Joachim Graf von Schönburg neun Kinder. Als Dank ließ dieser Bäume pflanzen für:

Carl: geboren 1899, gefallen 1945 im Zweiten Weltkrieg in Breslau.

Adelheid: geboren 1900, gestorben im Jahr 1987.

Wilhelmine: geboren 1902, gestorben im Jahr 1964.

Maria Immaculata: geboren 1904, gestorben 1999.

Elisabeth: geboren 1905, gestorben im Jahr 1999.

Franziska Sophie: geboren 1907, gestorben 1965. Sie hatte auf der Autobahn bei Dresden einen schweren Autounfall, bei dem sie ums Leben kam.

Ernst Heinrich: geboren 1910, gestorben 1939. Er wurde am 5. September 1939 in Polen erschossen und war der erste gefallene Soldat des Zweiten Weltkrieges aus Wechselburg.

Maria Agnes: geboren 1912, gestorben im Jahr 1994.

Sohn Wolfgang wurde am 3. Oktober 1901 geboren, er starb am 5. Oktober 1901. Offenbar weil er nur zwei Tage lebte, erhielt er keinen Baum. (bp)

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