Brunnendörfer Rüx und Kralapp schöpfen erstmals Hoffnung

Sachsens Umweltministerium unterstützt ab sofort Wasserversorger, um Leitungen bis in Dörfer ohne Anschluss zu legen. Damit rückt Entspannung in greifbare Nähe.

Dresden/Kralapp/Rüx.

Kathrin Ziegner ist erleichtert über die Nachricht. Die kam dieser Tage vom sächsischen Umweltministerium und stellt mehr als 10 Millionen Euro in Aussicht, um Grundstücke ans öffentliche Trinkwassernetz anzuschließen.

Die 57-Jährige lebt mit ihrer Familie im Brunnendorf Rüx. Wasser kommt vom Brunnen auf ihrem Grundstück. Falls welches da ist. Denn schon im vergangenen Sommer qualmte die Pumpe wegen zu niedrigem Wasserstand. Die Dürreperiode überbrückte die Familie mit Wasserwagen des hiesigen Versorgers ZWA. In diesem Sommer sieht es kaum besser aus. "Wir messen täglich den Wasserstand", sagt Kathrin Ziegner. Mit auf dem Grundstück wohnen ihre Kinder. "Das bedeutet tägliche Absprachen, wer wann Waschmaschine oder Geschirrspüler benutzt."

Möglich, dass Kathrin Ziegner nicht ganz unbeteiligt ist am Durchbruch auf dem Fördermittelsektor. "Wir hatten in Dresden mehrfach nachgestoßen und unsere Lage geschildert. Denn hinzu kommen schlechte Ergebnisse bei den Wasserproben." Erst kürzlich hatten Ziegners erneut Kontakt zum Ministerium aufgenommen. "Man verwies uns an den Wasserverband. Und der wiederum delegierte unser Anliegen an die Gemeinde", registrierte sie frustriert. Und deshalb sehe sie die gute Nachricht etwas zwiespältig. "Wir warten schon so lange auf eine Lösung. Da wird die Belebung des ländlichen Raumes beschworen. Und der Breitbandausbau ist in aller Munde. Aber wenn nicht mal das Allernötigste wie Wasser anliegt, nützt auch schnelles Internet nichts."

Im benachbarten Brunnendorf Kralapp nimmt Frank Naumann die Nachricht über Fördermittel mit Freude auf. Den Anschluss ans öffentliche Trinkwassernetz hält er für dringend nötig. "Jetzt oder nie", sagt er. Und fügt an: "Hoffentlich beteiligen sich genug Eigentümer."

Für den technischen ZWA-Geschäftsleiter Ulrich Pötzsch ist die Marschrichtung klar. "Bei der Planung für Rüx verzeichnen wir einen Arbeitsstand, der uns zufriedenstellt." Zwar sei noch viel zu tun wie etwa Vermessungen, Baugrunduntersuchungen oder wasserrechtliche Genehmigungen. Als Baubeginn werde für Rüx das kommende Jahr anvisiert.

"Noch steht allerdings die Haushaltsatzung für 2020 aus", bemerkte Pötzsch. Und bis dahin werde er sich auf diesem Terrain eher vorsichtig bewegen. Mit Blick auf Kralapp kündigte er die Bedarfsermittlung für September an. Die sollte nicht unter 70 Prozent der infrage kommenden Grundstücke liegen. Würden die erreicht, könnte etwa 2021 bis 2022 die Erschließung in Angriff genommen werden.

Vom Förderprogramm profitieren laut Ministeriumsangaben rund 3600 Sachsen in den Landkreisen Bautzen, Mittelsachsen und Osterzgebirge. Die Sächsische Aufbaubank unterstützt die Wasserversorger mit bis zu 65 Prozent der Kosten.

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