Debatte zur Feuerwehr flammt erneut auf

2021 ist ein Anbau an die Fahrzeughalle der Zschaagwitzer Wehr geplant. Veranschlagte Kosten: 140.000 Euro. Räte mahnen, sparsam zu wirtschaften.

Seelitz.

In welche Vorhaben will die Gemeinde Seelitz in den nächsten Jahren Geld stecken? Diese Frage ist jetzt beantwortet worden. Zur jüngsten Gemeinderatssitzung hatten die Räte den Entwurf des Haushaltsplans für 2021 bis 2024 auf dem Tisch. Das Schwergewicht bilden Investitionen ins Feuerwehrwesen.

Mit 140.000 Euro ohne Förderung ist im nächsten Jahr ein Anbau an die Fahrzeughalle der Zschaagwitzer Wehr kalkuliert. Er soll Toiletten bieten, die es dort noch nicht gibt, ebenso einen Aufenthaltsraum mit kleiner Küche. So viel wie möglich will die Ortswehr selbst leisten. Weitere Pläne: Die Feuerwehr Bernsdorf erhält ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug für 168.000 Euro, dafür gibt es 102.000 Euro Zuschuss. Ebenfalls 2021 soll eine Löschwasserzisterne in Großstädten angeschafft werden, mit Kosten von 112.000 Euro bei 44.000 Euro Förderung. Auch für 2022 bis 2024 ist je eine Zisterne in anderen Ortsteilen zu Kosten von je 100.000 Euro und 40.000 Euro Förderung eingeplant. Hinzu kommen 2021 Schere und Spreizer für die Wehr in Döhlen, für 34.500 Euro bei 14.000 Euro Förderung.

Die Flächengemeinde mit rund 1650 Einwohnern hat fünf Ortswehren. Diskutiert wurde im Rat zunächst über den Anbau in Zschaagwitz. "Ist geprüft worden, was es kosten würde, hier einen normgerechten Anbau zu errichten?", fragte Matthias Bartel (BB Kirche). Vielleicht müsse die Gemeinde durch dann fließende Fördermittel weniger bezahlen. "Das Vorhaben muss maßvoll bleiben, es wären Steuergelder", so Bürgermeister Thomas Oertel (parteilos). "Das Mitleid mit dem Staatshaushalt hält sich bei mir in Grenzen", sagte Dr. Helfried Richter (AfD), der sich ebenso für eine Prüfung aussprach. Diese sei möglich, so Oertel. Das könne aber den Zeitplan über den Haufen werfen. Würde der Rat entscheiden, Fördergeld zu nutzen, müsste das beantragt werden, so Oertel zur "Freien Presse". "Wann wir das umsetzen können, ist nicht vorhersehbar".

Vor dem Hintergrund, dass Seelitz in den vergangenen zehn Jahren ein Fünftel seiner Einwohner verloren habe, aber immer noch fünf Wehrstandorte unterhalte, habe man gesagt: Es soll ein einfacher Anbau sein, der auch durch den Feuerwehrverein genutzt werden kann, führte er zur Sitzung aus. "Es geht nicht darum, das auf den neuesten Stand zu bringen, sondern auf einen zeitgemäßen. Wir können uns nicht mal die Hände waschen. Wenn du junge Leute ziehen willst, musst du denen auch etwas bieten", sagte Christian Holler, Rat (BG FFw) und Feuerwehrmann, auch mit Blick auf Nachwuchs für die Feuerwehren.

Auf eine andere Debatte wies Oertel hin. Immer wieder werde er von Seelitzern angesprochen, dass zu viel Geld für die Feuerwehr ausgegeben wird. Andere Räte berichteten Ähnliches. Teils sei die Kritik allgemein, teils würden Vorhaben genannt, in die investiert werden könne, so Oertel zu "Freie Presse".

Nun werde geprüft, welche Auflagen ein geförderter Um- und Ausbau in Zschaagwitz brächte, so Oertel nach der Sitzung. 2018 hatte ein Ingenieurbüro Kosten von 186.000 Euro ermittelt, bei 44.500 Euro Förderung. Diese Einschätzung soll noch vor der Sitzung am 28. Januar als Diskussionsgrundlage aktualisiert werden. Dann steht der Beschluss des Haushaltsplans an.


Kommentar: Wehr sollte viel wert sein

Der Balken war mit Abstand der längste: Zur Vorstellung des Haushaltsplans im Seelitzer Gemeinderat wurde auch eine Grafik projiziert, welche die Ausgaben für verschiedene Bereiche darstellte. Die Investitionen für die Feuerwehr stachen heraus. Nicht zum ersten Mal wurde deshalb darüber gesprochen, wie viel Geld der Ort ins Feuerwehrwesen stecken soll - bei konkreten Projekten und allgemein.

Aber wie viel sollte die Feuerwehr dem Ort wert sein? Antwort: viel. Um, wenn es um Menschenleben geht, gut ausgerüstet und schnell vor Ort zu sein. Um gute Arbeit leisten zu können. Um Aktive zu halten und Nachwuchs zu locken. Einer Luxusausrüstung bedarf es nicht, aber eines zeitgemäßen Standards. Wie dieser aussieht und in welchem Maß er zu realisieren ist, sollte stets neu geprüft werden.

Wenn es an anderer Stelle nach Meinung von Seelitzern an wichtigen Investitionen mangelt, müssen auch diese erwogen werden. Doch die Retter in der Not sollten dafür nicht zurückstecken müssen.


Gemeinde will Geld für Straßenbau, Kindertagesstätte und Bauhof ausgeben

Zu den Vorhaben, in die Seelitz investieren will, zählen diese Projekte:

Umbau des Dorfklubs in Zschaagwitz: Dieser sollte eigentlich Ende 2020 abgeschlossen sein, realistisch ist nun Ende Januar 2021. Deshalb werden 40.000 Euro des Projektes ins neue Jahr mitgenommen. 6000 Euro fließen in die Ausstattung.

Bahnhofstraße in Steudten: Ein Teil am Ende der Straße ist noch nicht ausgebaut, sondern nur eine Schotterfläche. Für 44.000 Euro soll diese asphaltiert werden, bei einer Förderung von 39.600 Euro.

Kita "Apfelbaum" in Döhlen: An der Einrichtung in Trägerschaft des Evangelischen Schulvereins entsteht ein naturnaher Erlebnisspielplatz. 25.000 Euro fließen in Spielgeräte. 10.000 Euro erhält die Kommune als Förderung. Für 10.000 Euro soll eine Klimaanlage im Dachgeschoss eingebaut werden. Im Jahr 2023 könnte laut Haushaltsplan der Bau eines Parkplatzes an der Einrichtung für 100.000 Euro bei einem Zuschuss von 50.000 Euro angegangen werden.

Bauhof: Für 2022 steht die Anschaffung eines neuen Multicar für 95.000 Euro an, 2023 eines neuen Kleinbus mit Ladefläche für 20.000 Euro. (fmu)

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