Eine musikalische Reise durch die Zeit

Viel Beifall erhielt die Operngala zur Premiere im Freiberger Theater. Aus gutem Grund.

Freiberg.

An den 3. Mai 1206 erinnert die Operngala "Zeitreise". An jenem Tag erhielt Elisabeth die Nachricht, dass ihr geliebter Tannhäuser auf die Wartburg zurückkehren wird. Er wird am "Sängerkrieg" teilnehmen. Das erzählte Schauspieler Andreas Pannach als Moderator der Operngala, die jüngst ihre Premiere im Freiberger Theater hatte. Mit einem verschmitzten Lächeln fügte Pannach hinzu: "Gemeinsam mit Elisabeth begrüßen natürlich alle Mitarbeiter des Mittelsächsischen Theaters diese ,teure Halle', in der endlich wieder gesungen werden darf."

Dann schmetterte Patricia Bänsch mit glasklarer Stimme "Dich, teure Halle grüß ich wieder" aus Richard Wagners Oper "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg". Diese Arie hatte sich der neue Generalmusikdirektor Jörg Pitschmann als musikalischer Leiter der Gala gewünscht. Die Sopranistin, die für die erkrankte Leonora Weiß-del Rio einsprang, stand im roten Kleid auf der Bühne vor der über fünf Meter hohen Uhr mit den roten Zeigern. Ihr merkte man - wie allen anderen Sängerinnen und Sängern - die große Freude darüber an, wieder vor dem Publikum singen zu können. Niki Liogka und Hui Won Lee begleiteten sie an zwei Flügeln. Denn der Orchestergraben kann derzeit nicht genutzt werden.

Intendant Ralf-Peter Schulze und Oberspielleiterin Judica Semler haben die anderthalbstündige Zeitreise in Szene gesetzt. Originelle Idee: Die meisten Arien werden mit Ort, (teils fiktivem) Datum und Uhrzeit angesagt. Ein weiteres Beispiel: "Wien, 12. Mai 1753: Um 12.07 Uhr bleibt die Marschallin nach einer Nacht mit ihrem jungen Geliebten Octavian allein zurück. Die Autoren sehen sie als Frau von etwa 35 Jahren, was in der Barockzeit schon als alt galt. Die Zeit lässt sich nicht anhalten." Es folgen Ausschnitte aus Strauss' Oper "Der Rosenkavalier". Als Patricia Bänsch die Partie der Marschallin singt, dreht Moderator Andreas Pannach die Zeiger der überdimensionalen Uhr im Hintergrund. Ein schöner Einfall. Überhaupt ist das Bühnenbild sehr ausgeklügelt. Links und rechts auf der Bühne steht jeweils eine kurze Sitzreihe mit drei Plätzen - wohl als Erinnerung daran gedacht, dass es ja derzeit coronabedingt keine richtigen Zuschauerreihen, sondern kleine Tische im Parkett gibt. Ganze Arbeit leistete Beleuchter Sven Zimmermann, der Künstler und Bühne in stimmungsvolle Farben tauchte.

Bei der Gala konnten die Sänger zeigen, was sie drauf haben. Johannes Pietzonka bot theatralisch dahinschmelzend den Monolog des Loge aus Wagners "Rheingold" dar. Sopranistin Lindsay Funchal und Mezzosopranistin Dimitra Kalaitzi-Tilikidou (zurückgekehrt als Vertretung für Barbora Fritscher, die ihr zweites Kind erwartet) bezauberten mit dem Schlussduett aus Monteverdis "L'incoronazione di Poppea". Die beiden sangen knieend, denn wegen der Hygieneregeln dürfen sie sich nicht zu nahe kommen. Sergio Raonic Lukovic begeisterte mit einer Arie aus Webers "Freischütz". Frank Unger schmachtete bei einer Arie aus Puccinis "Turandot", begleitet vom Opernchor und vom Chorsolisten Sang Tea Lee, und beim Duett aus Verdis "Don Carlo" mit dem glänzend aufgelegten Bariton Elias Han. Han wiederum sang noch eine Arie aus Giordanos "Andrea Chénier" - Bravorufe aus dem Publikum. Zu den Glanzlichtern des Abends gehörte ebenso "Aurora Borealis" von Henning Sommerro (Jahrgang 1952). Dabei waren die Sängerinnen und Sänger des Opernchors auf Bühne und zweitem Rang verteilt. Zu ihrem eindrucksvollen Gesang (Chorleiter: Peter Kubisch) spielte Anja Bachmann auf dem Saxophon. Bewegend auch Susanne Engelhardts "Nur ein Blick" aus Webbers "Sunset Boulevard", ebenfalls begleitet von Anja Bachmann.

Am Ende sagte Andreas Pannach: "18. September, 20.55 Uhr im Mittelsächsischen Theater: Das Solistenensemble des Musiktheaters mit Unterstützung von Rea Alaburic sang und spielte als Zugabe das Schmugglerquartett aus Bizets Carmen." Wohlverdienter langer Applaus. Die zweite Premierenvorstellung am Samstag fiel aus - Lindsay Funchal war erkrankt.

Nächste Vorstellungen der Operngala am Freitag und Samstag, 19.30 Uhr.

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