Ersthelferin stirbt an der Unfallstelle

Etwa 100 Retter und 30 Fahrzeuge wurden zur Autobahn bei Penig gerufen, um Unfallopfern zu helfen. Der Feuerwehrchef der Muldestadt ist empört, wie sich viele Autofahrer verhalten.

Penig.

Derart kritische Situationen wie am Donnerstagabend erleben auch gestandene Feuerwehrleute nicht alle Tage. In Fahrzeugen eingeklemmte Unfallopfer, zahlreiche Trümmerteile auf der Fahrbahn - und zwischen dem Horrorszenario der fließende Autobahnverkehr. "Vor allem für die ersten Kameraden, die an der Unfallstelle eintrafen, war es äußerst gefährlich und eine große Herausforderung", erinnert sich Penigs Gemeindewehrleiter Thomas Cramer an den schweren Unfall, bei dem auf der A 72 bei Penig nahe der Muldebrücke eine Frau ums Leben kam und zwei weitere Frauen schwer verletzt wurden.

Was war passiert? Ein 68-jähriger BMW-Fahrer, der gegen 19 Uhr in Richtung Hof unterwegs war, kollidierte mit der Mittelschutzplanke und kam entgegengesetzt der Fahrtrichtung auf dem linken Fahrstreifen zum Stehen, informiert Polizeisprecher Andrzej Rydzik. Der BMW-Fahrer blieb unverletzt. Die 25-jährige Fahrerin eines VW, die die Situation rechtzeitig erkannte, hielt hinter dem BMW an und sicherte so die Unfallstelle. Mit ihr im Auto saßen zwei weitere Frauen, 26 und 61 Jahre alt. Wenige Augenblicke später wurde ihnen dies zum Verhängnis. Denn ein ebenfalls auf dem linken Fahrstreifen in Richtung Hof fahrender Mercedes fuhr in den stehenden VW. Durch die Wucht des Aufpralls wurde der VW nach rechts weggeschleudert. Anschließend fuhr der Mercedes auch in den BMW. Die drei Frauen wurden im VW eingeklemmt. Einsatzkräfte der Feuerwehr mussten sie befreien.

"Zuerst waren nur die Feuerwehren aus Penig und Oberhain alarmiert worden", sagt Cramer. Für die ersten Kameraden, die an der Unfallstelle eintrafen, sei die Situation äußerst kritisch gewesen. Denn zwischen den verunglückten Fahrzeugen rollte der Verkehr fast ungemindert weiter. "Es gibt viele uneinsichtige Kraftfahrer", weiß Cramer. Denn viele hätten nur kurz gebremst, die Fahrzeugteile umfahren und dann gleich wieder Gas gegeben. "Die drängeln sich durch - auf Biegen und Brechen. Es ist der Egoismus vor dem Herrn", schimpft Cramer. Für die ersten Rettungskräfte, die eintrafen, sei dies eine große Herausforderung gewesen, da noch keine Polizei vor Ort war. Erst als durch die Rettungsleitstelle noch weitere Wehren nachgeordert worden und genügend Feuerwehrautos vor Ort waren, konnte die Unfallstelle abgesperrt werden. "Man muss sich doch auch mal in die Lage der Unfallopfer versetzen. Die sind im Auto eingeschlossen und hoffen, dass es nicht noch mal kracht."

Die Retter arbeiteten an zwei Fahrzeugen gleichzeitig, um die eingeklemmten Personen zu befreien. Immer mehr Notarztwagen, Rettungswagen und Feuerwehren kamen hinzu. Laut Cramer waren etwa 100 Einsatzkräfte mit 30 Fahrzeugen im Einsatz.

Für die 61-jährige VW-Insassin kam jede Hilfe zu spät. Sie erlag im Rettungswagen ihren schweren Verletzungen. Die beiden jüngeren Frauen kamen schwer verletzt in ein Krankenhaus. Der 75-jährige Mercedes-Fahrer und seine 74-jährige Beifahrerin erlitten leichte Verletzungen. Die Autobahn war für mehrere Stunden gesperrt. Die letzten Feuerwehrleute traten gegen 23.30 Uhr die Rückfahrt an. Den Sachschaden beziffert die Polizei auf mindestens 55.000 Euro.

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    1
    Lesemuffel
    05.10.2019

    In gewisser Weise ist das, was sich auf unseren Straßen, Autobahnen abspielt ein kleines Spiegelbild der Gesellschaft, insbesondere der "Solidarität" und der Nutzung des Ellenbogen. Wie konnte sich diese Gesellschaft binnen 30 Jahren so deformieren?

  • 7
    6
    HHCL
    05.10.2019

    "Es gibt viele uneinsichtige Kraftfahrer", weiß Cramer. Denn viele hätten nur kurz gebremst, die Fahrzeugteile umfahren und dann gleich wieder Gas gegeben."

    Es ist mir unerklärlich, warum solche Leute alle einen Führerschein haben. PKW-Fahren ist nicht lebensnotwendig. Wer die charakterliche Reife nicht zeigt, läuft oder fährt zukünftig Bus.

    Dass man hier nicht durchgreift scheint mir auch an einer gewissen Lobby zu liegen, die sich auch gegen neue Formen der Mobilität stemmt und durch Betrugsskandale aufgefallen ist.



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