Große Glocke bleibt vorerst stumm

Im Topfseifersdorfer Kirchturm müssen Reparaturarbeiten durchgeführt werden. Erst danach kann das Geläut wieder wie gewohnt drei Mal am Tag erklingen - und vielleicht eine dritte Glocke dazu.

Topfseifersdorf.

Früh, mittags und abends erklang bis vor Kurzem das Geläut der beiden Glocken in der Topfseifersdorfer Kirche. Doch jetzt herrscht seit einigen Wochen tagsüber Schweigen im Kirchturm. Nur zu Gottesdiensten und zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten oder Taufen wird noch geläutet - aber nur die kleine Glocke.

Der Grund für das Schweigen ihrer großen Schwester: Die Metallaufhängung vom Klöppel der großen Glocke ist gerissen. "Der Klöppel wird nur noch von einem Band gehalten, die Glocke ist daher nicht mehr stabil gelagert, und ein Schlagen könnte ihr außerdem Schaden zufügen", erklärt Matthias Heinig vom Kirchenvorstand.

Ende Juni habe ein Glockensachverständiger das Ganze begutachtet. "Er schlägt vor, die Glocken anders aufzuhängen", berichtet Heinig. Die Joche, also Aufhängungen, bestünden bislang aus Stahl. "Das ist 1921 so umgebaut worden", sagt Heinig. Der Sachverständige sei dafür, die Joche wie zuvor wieder aus Holz zu fertigen. "Das wäre auch besser für den Klang. Die Glocken würden dann weicher klingen, weil Holz die Schwingungen besser aufnehmen kann", sagt der Experte.

Im Kirchenvorstand sei man nun am Überlegen, wie man vorgeht und ob man bei den anstehenden Arbeiten auch gleich eine dritte Glocke anschafft. "Die könnte dann zusammen mit der jetzigen kleinen läuten und die große schonen", so Matthias Heinig.

Nicht ohne Grund, denn die große Glocke ist eine wahrhaft alte Dame. Sie stammt aus dem Jahr 1522 und ist entsprechend wertvoll - ebenso wie die kleinere aus dem Jahr 1519. "Sie dürften zu den ältesten in der Region gehören, ebenso wie der Glockenstuhl aus dem Jahr 1522", meint Heinig.

Dabei hatten die Topfseifersdorfer mit der großen Glocke schon einmal großes Glück: Im Zweiten Weltkrieg mussten alle Glocken bis Mai 1940 zur Ablieferung gemeldet werden. "Vom Landesgutachter wurde wegen des hohen Altertumswertes der Glocke zwar damals dagegen Einspruch erhoben. Trotzdem wurde sie 1942 abgenommen und abtransportiert", berichtet Heinig von der Historie. Laut Befehl hätten die 100 ältesten Glocken - die aus Topfseifersdorf gehörte dazu - allerdings nicht zerstört und eingeschmolzen werden dürfen. So bekam die Kirchgemeinde die Glocke 1948 wieder zurück. Ein Glockenspezialist aus Apolda montierte sie an alter Stelle wieder.

Weniger gut erging es der dritten Glocke aus dem Jahr 1679, die früher im Kirchturm schlug. Sie wurde bereits im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen. Laut Heinig gab es mehrere Anläufe, eine neue Glocke zu beschaffen, auch vor dem Zweiten Weltkrieg schon. "Doch alle sind bislang gescheitert. Vielleicht können wir ja jetzt eine dritte Glocke mit anschaffen", hofft der Kirchenmann.

Die Beratungen dazu im Vorstand stünden jedoch noch ganz am Anfang. "Es ist sozusagen erst das Samenkorn gelegt." Das nächste Treffen der Vorstandsmitglieder soll aber noch in diesem Monat stattfinden. Bis dahin, so wird gehofft, liegt dann auch eine grobe Kostenschätzung vor. Klar sei, dass die Kirchgemeinde Topfseifersdorf den Glockenbau nicht selbst stemmen kann. "Wir werden nach Finanzierungsmöglichkeiten suchen müssen, nach Unterstützern", so Heinig, der dabei Landeskirche, Denkmalschutz, Vereine im Ort und Privatpersonen gleichermaßen im Auge hat.

Was ihm und seinen Mitstreitern im Vorstand ebenso klar ist: Es wird dauern mit dem Bau und einer eventuell weiteren Glocke. Denn es brauche diverse Genehmigungen, und selbst wenn eine Finanzierung stehe, dauere der Bau ein halbes Jahr oder auch ein Dreivierteljahr, schätzt Heinig. Hinzu komme, dass nach dem Weggang von Gilbert Peikert die Pfarrstelle in Topfseifersdorf vakant sei. Das wiederum bedeute, dass sich nicht ein Pfarrer "hauptberuflich" mit dem Projekt befassen könne, sondern dass die Vorstandsmitglieder das neben ihrer Tätigkeit in ehrenamtlicher Arbeit erledigen. "Aber wir sind zuversichtlich, das trotzdem gut auf die Reihe zu bekommen und hoffen, dass im nächsten Sommer alles wieder in Ordnung ist", blickt Matthias Heinig voraus.


Der schiefe Kirchturm

Die Kirche von Topfseifersdorf wurde vermutlich in den Jahren 1160 bis 1180 im romanischen Stil errichtet. Der Turm als Dachreiter wurde in seiner heutigen Form im Jahr 1585 fertig gestellt. Durch Umbaumaßnahmen wurde das einstige Erscheinungsbild der Kirche 1865 stark verändert. Um im Inneren mehr Platz zu schaffen, entfernte man das Kreuzgewölbe und die Gruftanlage zusammen mit den darüber liegenden Richter- und Herrensitzen sowie die beiden früheren Altäre. Ergänzt wurde ein geschnitzter Klappaltar.

Das Gotteshaus hat eine Besonderheit: Der Turm ist schief. "Er steht nicht ganz im Lot. Das soll aber beibehalten werden, weil es aus Expertensicht unbedenklich ist für die Statik und ein Geraderücken auch ein Riesenaufwand wäre", erklärt Matthias Heinig vom Kirchenvorstand. Dabei verweist er darauf, dass die Schräg-

lage vielleicht sogar beabsichtigt war. "Manche vermuten, dass gegen die Hauptwindrichtung gebaut wurde, um so mehr Stabilität zu erreichen." Aber belegbar sei das nicht. (bp)

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