Idee für neue Musikschule findet Anklang

Schlagzeug, Gitarre, Klavier - das wollen viele lernen. Königshain- Wiederauer planen nun, das Angebot zu erweitern.

Königshain-Wiederau.

"Musik verbindet und bringt gerade in den Dörfern die Menschen auf unkomplizierte Weise zusammen", sagt Daniel Ulbricht aus Königshain-Wiederau. Nur was ist, wenn immer weniger Menschen ein Instrument beherrschen oder singen können? Damit möglichst viele eine musikalische Ausbildung genießen können, hat Ulbricht mit weiteren Mitstreitern aus der Region ein Projekt angeschoben. Sie möchten eine freie Musikschule auf die Beine stellen.

"Gemeindemusikschule ist der Arbeitstitel, einen Namen werden wir noch suchen", sagt Ulbricht. Die Idee sei schon vor einigen Jahren im Kirchvorstand der Kirchgemeinde Königshain-Wiederau aufgekommen. Zum einen habe man ein ähnliches Projekt in Dresden kennengelernt. Dort gibt es die Musikschule Goldenes Lamm, einen gemeinnützigen Verein mit mehr als 40 Lehrkräften und rund 1000 Schülern.

Zum anderen sei der Bedarf da. In der Fläche, abseits großer Orte, sei das Angebot an musikalischer Ausbildung schmal. Bei der Musikschule Mittelsachsen gebe es Wartelisten. Auch in der Kirchgemeinde habe das Angebot abgenommen, unter anderem, nachdem Kantor Ernst Merkel in den Ruhestand gegangen ist. "Es gibt eine Dorfband, eine Flötengruppe, einen Chor, also einige, die sich ehrenamtlich engagieren. Wir würden uns wünschen, dass das ausgebaut wird", so Ulbricht. Die Schüler könnten auch zum Dorfleben beitragen, etwa bei Festen auftreten. Interessierte konnten sich bei der Kirchgemeinde melden. Rund 80 taten das. Gefragt sei vor allem Unterricht in Klavier, Flöte, Schlagzeug, Percussion, Gitarre, Gesang, Chor/Band und musikalische Früherziehung. Zuspruch komme auch aus umliegenden Orten.

Ziel ist es, ein Team aus Lehrern zusammenzustellen, die ihren Unterricht ortsnah und flexibel anbieten können. Vorstellbar sei auch die Kooperation mit Schulen. Intensiven Kontakt habe man bereits, etwa mit den Grundschulen in Wiederau und Seelitz. Um das Projekt zu stemmen, habe man Fördermöglichkeiten gesucht. Fündig wurde man bei der Initiative "Missionarische Aufbrüche" der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche. Unterstützt werde das Projekt im ersten Jahr mit gut 50.000 Euro. "Damit soll der Anfang ermöglicht und zunächst ein Musikschulleiter angestellt werden, bis sich das Ganze selbst trägt". Das Bewerbungsverfahren läuft.

Das Musikschulangebot richte sich an jedermann, auch an Erwachsene, und sei nicht an eine Mitgliedschaft in der Kirche gebunden. Eine Zusammenarbeit besteht mit dem Kirchspiel Geithainer Land. Dort hege man eine ähnliche Idee.

Eine Familie, die Bedarf angemeldet hat, ist die von Diakon Matthias Schnabel aus Topfseifersdorf. Fünf Kinder gehören zu ihr, da sei es aufwändig, alle zu Aktivitäten etwa nach Rochlitz und Mittweida zu bringen. Schnabel: "Die Schule wäre mit dem Rad erreichbar." Die große Tochter (14) würde gern weiter Klavierunterricht nehmen, der achtjährige Sohn Schlagzeug und die siebenjährige Tochter Flöte lernen. Musikmachen fördere das Gehirn bis ins Alter und fordere je nach Instrument Fingerfertigkeit und Lunge, so Schnabel, der im Posaunenchor spielt. Auch könnten die Musiker kirchliche Veranstaltungen begleiten. "Das finde ich gut", so Schnabel.


Bei Musikschule Mittelsachsen gibt es Wartelisten - Unterricht zuletzt nur online möglich

Musikalische Förderung ab dem frühen Kindes- bis ins Erwachsenenalter leistet neben privaten Anbietern unter anderem die Musikschule Mittelsachsen. Dabei handelt es sich um eine Einrichtung der Mittelsächsischen Kultur gGmbH in Trägerschaft des Landkreises.

Mit Stand November werden in der Musikschule 2007 Schülerinnen und Schüler durch 95 Lehrkräfte unterrichtet, teilt Julia Pikos, zuständig für Marketing bei der Mittelsächsischen Kulturgesellschaft, auf Anfrage mit. 2414 Belegungen sind registriert. Unterricht erfolgt an rund 50 Orten.

"Aktuell stehen 432 Interessenten auf der Warteliste", informiert Julia Pikos. In Döbeln sei derzeit das Schlagzeug sehr gefragt, darüber hinaus seien Klavier, Gitarre und Musikalische Früherziehung begehrte Unterrichtsformate. Dementsprechend gebe es für diese Fächer Wartelisten. Je nach Unterrichtsort, Verfügbarkeit der Lehrkräfte und Kündigungen variieren die Wartezeiten.

Wegen der Coronapandemie blieb die Musikschule wie andere Einrichtungen auch im November geschlossen. Einzelunterricht wurde aber online gegeben, so Pikos. Nach der neuen Regelung dürfen sich die Musikschüler des Freistaates ab Dezember wieder mit ihren Lehrern treffen. Das ist auch im Kreis geplant. (fmu)

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