Nach Unfalltod: Frau muss 700 Euro zahlen

Ein Mopedfahrer verstirbt wenige Tage nach dem Zusammenprall mit einem Fahrzeug in der Klinik. Nun musste sich die Autofahrerin vor Gericht verantworten.

Döbeln/Penig.

Wegen der fahrlässigen Tötung eines Mopedfahrers im September vorigen Jahres ist jetzt eine Autofahrerin zu einer Geldstrafe in Höhe von 700 Euro verurteilt worden. "Ich habe ihn nicht gesehen", erklärte die 33 Jahre alte Angeklagte vor dem Amtsgericht Döbeln.

Am Nachmittag des 20. Septembers war die junge Frau auf der Brückenstraße in Penig unterwegs. Als sie mit ihrem Fahrzeug in den Parkplatz am Markt einbiegen wollte, übersah sie, wie es während der Verhandlung hieß, im Gegenverkehr einen 59 Jahre alten Fahrer einer Simson. Der Mopedfahrer stürzte und brach sich dabei den linken Unterschenkel. Vier Tage danach verstarb er im Krankenhaus.

Vor Gericht versicherte die Angeklagte, dass sie vor dem Abbiegen nach links und rechts geschaut hätte. Die Sonne sei jedoch ungünstig gestanden und hätte sie geblendet, fuhr sie fort. Ob das so war, ließ sich während des Prozesses nicht klären. Zeugen erinnerten sich an einen hellen Tag und sagten, die Straße sei trocken gewesen. Ob die Sonne schien und wie diese zur Unfallzeit stand, wussten sie nicht mehr. Auch, ob die Frau mit ihrem Auto angehalten hatte und ob der Mopedfahrer mit Licht gefahren war, konnte keiner der Zeugen sagen. Dafür erklärten sowohl Zeugen als auch ein Gutachter, dass beide Fahrzeuge mit geringer Geschwindigkeit unterwegs waren.

Der Gutachter ging anhand der Schadensspuren an beiden Fahrzeugen davon aus, dass der 59-Jährige mit seiner Simson frontal erfasst wurde. Er vermutete zudem, dass die Angeklagte den Mopedfahrer nicht hätte sehen können, da er hinter dem rechten Pfeiler der Frontscheibe verborgen war. Dass das Unfallopfer den Zusammenstoß hätte vermeiden können, davon ging der Gutachter nicht aus. "Er fuhr auf der Hauptstraße", sagte er. "Er musste nicht damit rechnen, dass einer losfährt."

Wenige Minuten danach machten Aussagen des Gerichtsmediziners deutlich, warum der Mopedfahrer an den Unfallfolgen in der Klinik verstarb. Der Mann sei ordnungsgemäß behandelt und operiert worden. Allerdings waren etliche Vorerkrankungen festgestellt worden, unter anderem am Herzen und an der Lunge. Zudem litt das Unfallopfer, bei dem nach dem Unfall ein Alkoholwert von 0,23 Promille festgestellt wurde, an Diabetes und einer alkoholbedingten Leberzirrhose. "Der Tod wurde durch die Vorerkrankungen begünstigt", so der Pathologe. Letzten Endes sei der Patient an Herzversagen gestorben.

"Es war das schlichte Übersehen eines Verkehrsteilnehmers", betonte Staatsanwältin Angelika Rickert und sagte, "wir können nicht ausschließen, dass die Vorerkrankungen die Todesursache waren." Sie plädierte, die Angeklagte wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 700 Euro zu verurteilen. Dem kam Richterin Marion Zöllner nach. Der Verteidiger wollte seine Mandantin indes nur wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt sehen. Mit der Geldstrafe von 70 Tagessätzen à zehn Euro gilt die junge Frau als nicht vorbestraft. Das Urteil ist rechtskräftig.

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