Neues Trio mit neuen Plänen für Hartmannsdorfer Krankenhaus

Der Betreiber will die Klinik wettbewerbsfähiger machen. Deshalb leiten jetzt Kaufleute die Einrichtung. Es geht auch um besondere Therapien.

Hartmannsdorf.

Vor reichlich 20 Jahren ist das Diakomed-Krankenhaus auf der grünen Wiese in Hartmannsdorf eröffnet worden. Die Stadtmission Chemnitz hält 90 Prozent der Geschäftsanteile. Von Anfang an hat die Klinik mit Wohnortnähe und familiärer Atmosphäre für ihre Einrichtung geworben.

Trotzdem haben es kleine Krankenhäuser der Regel- und Grundversorgung schwer, im Wettbewerb zu bestehen. Der Erhalt kostet nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) jährlich mindestens fünf Milliarden Euro zusätzlich. Auch in Mittelsachsen sind die Bedingungen schwieriger geworden. Die Häuser in Frankenberg und Rochlitz mussten schließen. Für das kreiseigene Haus in Mittweida gibt es Pläne für eine Umstrukturierung. Die Klinik soll vergrößert und in Rochlitz ein ambulantes Zentrum eingerichtet werden.

Doch vor allem ältere Patienten wünschen sich eine wohnortnahe Versorgung. 88 Prozent bewerten die Qualität der medizinischen Versorgung da als gut oder sehr gut - das geht aus einer von der DKG in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage hervor. DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum sagt, "dass die Menschen in Deutschland nicht nur die Nähe der Krankenhäuser schätzen, sondern auch die Versorgungsqualität in den Kliniken". Erfreulich sei, dass sich 89 Prozent der Befragten zufrieden mit ihrem letzten Krankenhausaufenthalt gezeigt hätten.

In Hartmannsdorf ist die Anzahl der Betten von anfangs 285 auf 210 reduziert worden, Stationen wurden zusammengelegt, Mitarbeiter entlassen. Jüngster Einschnitt ist die Schließung der Geburtenstation. Um schwarze Zahlen zu schreiben, gab es in der Vergangenheit mehrere Einschnitte. Der bisherige medizinisch-technische Krankenhaus-Geschäftsführer Stephan Lazarides war im Sommer 2018 ausgeschieden und arbeitet jetzt als kaufmännischer Leiter der Stadtmission Zwickau. Die Krankenhaus-Leitung in Hartmannsdorf hat sich verjüngt und neue Konzepte vorgestellt. Umsatzzahlen nennen die Verantwortlichen nicht. Jährlich werden 10.000 Patienten stationär aufgenommen.

Seit vorigem Jahr haben Marc Sterzel als Kaufmännischer Geschäftsführer und Johannes Härtel als Geschäftsführer für Strategie und Personal die Leitung übernommen. Sterzel ist Bankkaufmann und Betriebswirt. Bisher war der 44-Jährige in der Sparkasse Chemnitz beschäftigt. Härtel ist als Diplomkaufmann Mitglied der Geschäftsleitung der Stadtmission Chemnitz. "Diese Aufgabe habe ich weiterhin", so der 38-Jährige. Doch als Klinik-Geschäftsführer wolle er dafür sorgen, dass die Stadtmission stärker eingebunden werde. "Wir wollen die Synergien nutzen." Die Stadtmission hat 1000 Mitarbeiter, das Diakoniekrankenhaus 480 Beschäftigte.

Zur Vernetzung mit der Stadtmission zähle die Ausbildung. Azubis könnten stärker im Krankenhaus praktisch eingesetzt werden, so Härtel. Das sei mit der Pflegereform ab dem Jahr 2020 möglich. Derzeit sind knapp 30 Azubis beschäftigt.

Neue Wege will das Krankenhaus in der Pflege gehen. "Deshalb haben wir Frau Kuphal mit ins Boot geholt", sagt Geschäftsführer Härtel. Andrea Kuphal ist gelernte Krankenschwester und Diplompflegewirtin. "Zuletzt war ich in der Geriatrie des Krankenhauses Radeburg", sagt die 46-Jährige. Die Altersheilkunde, wie die Geriatrie bezeichnet wird, soll stärker im Diakoniekrankenhaus Einzug halten. Wichtig sei eine hochwertig qualitative Versorgung in Wohnortnähe. "Da läuft vieles sehr gut in Hartmannsdorf", so Kuphal. Aber das soziale Umfeld müsse stärker beleuchtet werden.

Auch künftig setze das Krankenhaus auf die bekannten Leuchttürme, sagt Sterzel. Dazu zählt er neben der Abteilung Inneres mit der Schlaganfallstation (Stroke Unit) vor allem den Bereich der Orthopädie und Unfallchirurgie mit dem Endoprothetikzentrum. Im Vergleich zum Vorjahr seien 2018 ein Drittel mehr an künstlichen Hüft- und Kniegelenken eingesetzt worden. "Jährlich erhalten etwa 650 Patienten mit Arthrosen - also Gelenkverschleiß - einen Gelenkersatz", fügt Sterzel hinzu.

Um weiter wettbewerbsfähig zu sein, sollen unter anderem in die Modernisierung von Operationssälen eine Million Euro investiert werden. Um wirtschaftlich zu sein, hat die Krankenhausleitung noch andere Bereiche untersucht. "Wir stocken unser Küchenteam auf", sagt Härtel. Ziel sei es, die Küchenkapazitäten des Hauses voll auszuschöpfen. Ab Juli könnte die Krankenhaus-Küche andere Einrichtungen der Stadtmission wie beispielsweise Kitas beliefern.


Stadtmission Chemnitz feiert 150-jähriges Bestehen

Mitarbeiter der Diakonie in Chemnitz kümmern sich seit 150 Jahren um Pflegebedürftige, Menschen in verschiedenen Konfliktsituationen, Jugendliche ohne Hoffnung auf Zukunft, Menschen in Einsamkeit oder ohne Arbeit, behinderte, psychisch kranke oder wohnungslose Menschen. Als Verein wurde die Stadtmission 1991 neu gegründet. Der Verein ist Mitglied im Diakonischen Werk der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche.

Beschäftigt sind 1000 Mitarbeiter in stationären und ambulanten Diensten, Partner-Werkstätten, Wohnstätten, Pflege-, sozialen und Fahrdiensten, Kindereinrichtungen, Jugendsozialarbeit sowie Beratungsstellen.

Beteiligt ist der Verein zu 90 Prozent am Diakoniekrankenhaus Hartmannsdorf. Die restlichen zehn Prozent der Geschäftsanteile gehören Limbach-Oberfrohna und Burgstädt. (bj)

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