Ornamente im Ratssaal strahlen in neuem Glanz

Die Sanierung des im Jugendstil gehaltenen Deckengemäldes im Geringswalder Rathaus ist fast abgeschlossen. Die opulenten Verzierungen konnten gerettet werden.

Geringswalde.

Wenn alles so läuft wie geplant, können Stadtratssitzungen in Geringswalde ab Juni wieder im Ratssaal abgehalten werden. Die waren seit Februar in den einstigen Ratskeller verlegt worden. Grund war eine umfangreiche Restaurierung des Ratssaales, den ein reich bebildertes Deckengemälde ziert. Zudem erhalten derzeit die Wände einen neuen Anstrich.

Unter drei Probeanstrichen wählte das Landesamt für Denkmalpflege gemeinsam mit Restauratoren und der Stadtverwaltung als Bauherren einen Farbton in ultramarin aus. Der findet sich auch in den gekachelten, tragenden Säulen im Saal wieder. "Und die Buntglasfenster werden künftig von einem neutralen Grau eingefasst, weil sich keine überzeugenden Anhaltspunkte für eine andere Farbgebung finden ließen", erklärt Restaurator Thomas Höhne, der, wenn alles fertig ist, mit seinem Geschäftspartner Mathias Steude rund 500 Stunden gereinigt, getupft, fixiert und gepinselt hat. Durch die frischen Anstriche von Konsolen und Wänden profitiere das Deckengemälde von mehr Tiefe, beschreibt Steude den auch für Laien sichtbaren Effekt. Beide Fachleute begrüßen die Entscheidung der Stadtverwaltung, den Saal komplett behandeln zu lassen.


Derzeit sitzen die Leisniger Restauratoren auf ihrem extra angefertigten Gerüst in luftiger Höhe und geben in der sogenannten Kalotte, einer Ausbuchtung im Mauerwerk, der dominierenden weiblichen Gestalt im blauen Gewand den letzten Schliff. "Es geht quadratzentimeterweise vorwärts", beschreibt Höhne das Filigrane ihrer Arbeit. Wenn es dann zum Abschluss an den Anstrich der Wände ginge, packe man auch die Pinsel aus, die etliche Nummern größer ausfielen als die beim Deckengemälde eingesetzten.

Dass Figuren und Ornamente dem Ratssaal mit seiner unverwechselbaren Atmosphäre erhalten geblieben sind, war alles andere als selbstverständlich. So hatten sich durch Feuchtigkeit beispielsweise Salze abgelagert, die zu Abspaltungen in den Farbschichten führten und manch eine Putte gesichtslos hatte werden lassen. Als Putten bezeichnet man Kindergestalten in Skulptur und Malerei. Beide Fachleute arbeiteten eng mit dem Dresdener Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen, kurz IDK, zusammen.

Nach einer mit viel Gefühl durchgeführten Grobreinigung mittels Radierschwämmen und feuchten Wattebäuschen ging es zunächst ans Fixieren von Farbbereichen, die sich im Laufe der Jahrzehnte gelockert hatten.

Die Kosten für die Arbeiten belaufen sich auf rund 30.000 Euro, die zu 80 Prozent durch Fördermittel bezuschusst wurden, die von der Europäischen Union kommen.

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