Radweg ganz oben auf der Wunschliste

Wahlen 2019: Zwischen Geringswalde, Rochlitz und Seelitz gab es keine Probleme, Menschen zu finden, die über ihre Heimat reden wollen. Sie alle verbindet ein Thema.

Geringswalde/Seelitz.

Als ich meine Wahlwanderung morgens am Markt in Geringswalde beginne, liegt die Kleinstadt ruhig da. Auf den ersten Kilometern begegne ich kaum jemandem. Seit Sonntag bin ich zu Fuß in Mittelsachsen unterwegs, um vor der Kommunalwahl herauszufinden, wo den Menschen im Landkreis der Schuh drückt. Meiner drückt nach 19 Kilometern, größtenteils auf Asphalt, ordentlich. Aber ich musste nicht lange warten, bis ich die erste Gesprächspartnerin finde. Wie die meisten spricht sie ein Thema an: den Radweg.

Für meine erste Etappe habe ich zufällig eine Route gewählt, die schon seit zehn Jahren als Radweg geplant ist. Langfristig soll er Waldheim und Rochlitz verbinden und dem ehemaligen Bahndamm folgen. 2018 wurden die ersten zwei Kilometer gebaut. Im Geringswalder Ortsteil Arras steige ich gerade vom Bahndamm herab, den ich als Abkürzung genutzt hatte, da treffe ich Renate Buhlmann. "Ich weiß nicht, was mit dem Radweg wird", sagt sie. Sie lebt seit 1958 hier, hat miterlebt, wie die Schule geschlossen und zum Begegnungsraum umgebaut wurde. Für Feiern sei er sehr schön. "Da ist öfter was los", sagt die 77-Jährige. Ein Enkel ist der Arbeit wegen nach Dresden gezogen, zwei leben noch in Arras. "Die brauchen mich und ich brauche sie", sagt sie. Früher sei immer der Bäcker oder der Fleischer hergekommen, heute nehmen sie die Kinder mit zum Einkaufen nach Geringswalde. Die Anbindung könnte besser sein, so die Rentnerin.

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Ich habe kaum die Allee auf dem Feldweg nach Theesdorf hinter mir gelassen, da treffe ich zwei weitere Radweg-Befürwörter. Ines Ertel (52) und Elke Schubert (66) aus Dittmannsdorf sind mit Nordic-Walking-Stöcken unterwegs. Sie freuen sich auf jede Möglichkeit, nicht auf der Straße zu laufen. "Wir haben eine schöne Gegend. Wenn es ordentliche Wege gäbe, würden vielleicht mehr Touristen kommen", sagt Ertel. Und hoffentlich wieder einen Ort zum Einkehren. In ihrem Ortsteil wünschen sie sich, dass der Bach freigelegt wird. Vor allem aber müsse mehr für die Jugend getan werden. "Damit sie nicht nur herumlungern, braucht es eine Anlaufstelle", sagt Ertel. Sie habe die Erfahrung gemacht: Fördermittel gibt es oft nicht für die Dinge, die wichtig wären.

Nach Theesdorf steige ich ab ins Mühlental am Aubach. Es ist idyllisch. Und ich sehe, was die Frauen meinen: Es gibt weder eine Bank zum Rasten noch eine Kneipe, erst in Döhlen. Die Dorfbewohner aber sorgen dafür, dass etwas los ist, versichert mir der Döhlener Gunter Däumler. "Wir haben die Feuerwehr, den Gartenverein - wir haben engagierte Leute", sagt der 52-Jährige, der gerade Büsche im Garten kürzt. Was ihm fehlt, sind öffentliche Verkehrsmittel. Auch das Gesundheitssystem bereitet ihm Sorgen: Als letztens samstags ein Nachbar umkippte, wollte der Bereitschaftsdienst nicht kommen. Die nächste Klinik ist 16 Kilometer entfernt. "Wir haben dann den Notruf gewählt."

Wenig später erreiche ich Rochlitz. Auf dem Markt sitzt Martha Petzl mit einer Freundin vor einem Café. Die 20-Jährige kann klar benennen, was ihr fehlt: "Die Jugend." Zwar gebe es viele Angebote, wie den Jugendclub Szene, aber kaum junge Leute. Nach ihrer Ausbildung will sie deshalb nach Leipzig ziehen. Sie kann sich aber vorstellen, wiederzukommen. "Für Familien ist Rochlitz perfekt", sagt sie. Schulen, Einkaufsmöglichkeiten - alles da. Auch Touristen und Ausflügler scheinen Rochlitz zu schätzen: Am Schloss und an der Bieserner Sandgrube genießen sie das Wetter. Hoffentlich bleibt es so - heute laufe ich von Seelitz nach Mittweida.


Kontakt zur Wanderin

Leser-Aufruf Wer mit Laura Kaiser noch bis zum 14. April ein Stück mitwandern, sie zu sich einladen oder mit ihr unterwegs in Kontakt kommen möchte, kann sich melden.

Bitte schreiben Sie, liebe Leser,

dafür an die "Freie Presse", Lokalredaktion Freiberg, Kirchgäßchen 1, 09599 Freiberg, oder per E-Mail an wahlwanderung@freiepresse.de.

Telefonisch erreichen Sie Laura

Kaiser unter 0151 14817299. Die Tour können Sie unter www.facebook.com/stockundstein2 verfolgen.

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