Rochlitzer Gymnasium setzt auf Videokonferenzen

Ab Montag gilt für alle wieder Distanzunterricht. Doch für etliche Schüler und Lehrer gehört das seit Wochen zum Alltag. Sie setzen in manchen Fächern auf neue Technik.

Rochlitz.

Freitag, kurz vor 8 Uhr. Ethik-Stunde am Rochlitzer Mathesius-Gymnasium. Die Siebtklässler hören ihrer Lehrerin Caroline Arndt konzentriert zu. Normaler Unterricht? Weit gefehlt: Die 29-jährige Pädagogin steht nicht am Pult, sondern unterrichtet vom heimischen Schreibtisch vom gut 50 Kilometer entfernten Markkleeberg aus. Auf einem großen Bildschirm spricht sie zu ihren Schülern, die mit Laptops zu der Videokonferenz zugeschaltet sind. Immer wenn sie online mit ihnen Schützlingen ethische Fragen diskutiert, ist eine Aufsicht im Klassenraum - entweder ein Kollege oder eine junge Frau, die ihren Bundesfreiwilligendienst macht. "Ich finde das super", wird Arndt nach der Live-Schalte über diese Form des Unterrichts sagen.

Im ersten Shutdown im Frühjahr hatten Gymnasiasten und Lehrkräfte Online-Plattformen wie Lernsax, zur Wissensvermittlung, genutzt. Aufgaben wurden hochgeladen, Emails ausgetauscht und mehr. Etwas fehlte aber. November ändert sich das. Seit Ende der Herbstferien greifen eine Handvoll Lehrkräfte zusätzlich auf Webkonferenzen zurück. "Ich bin begeistert, wenn ich was Neues ausprobieren kann", ergänzt Arndt, die aus einem anderen Grund nicht in die Schule darf. Sie ist schwanger. Da niemand weiß, wie sich eine mögliche Corona-Erkrankung auf eine Schwangerschaft auswirkt, muss sie, wie sie sagt, nach Rücksprache mit dem zuständigen Landesamt und der Schulleitung von zuhause aus arbeiten. Ein weiterer Vorteil: Ist ein Schüler in Quarantäne, aber nicht an Corona erkrankt, verpasst er durch die Live-Schalte nichts.

"Klar, eine Webkonferenz ersetzt den Präsenzunterricht nicht", bemerkt die junge Pädagogin, die neben Ethik Geografie unterrichtet. Das sieht Direktorin Carsta Drehn ähnlich. "Alles in allem funktioniert das gut. Aber es gibt Mängel", betont die Schulleiterin und verweist als Beispiel auf die in ländlichen Regionen teils schlechte Internetverbindung. Und Arndt ergänzt: "Die nonverbale Kommunikation leidet. Ich kriege die Stimmung in der Klasse nicht mit." Sie unterrichte gerne vor Ort. Über die neue, digitale Form des Unterrichts sagt sie trotzdem, sie sei dankbar, dass sie angeboten wird.

Das ist jedoch auch dem Handlungsdruck geschuldet, der vor Wochen herrschte. Denn neben der 29-Jährigen unterrichtet nur eine weitere Lehrkraft Ethik. Unterrichtsausfall drohte in Größenordnungen. Arndt spricht von einer "guten Lösung" und Drehn von einem "richtigen Schritt", den technisch maßgeblich ihr Stellvertreter Pascal Kühn vorangetrieben hatte. Kühn kümmert sich um die gut 60 Laptops, teilt sie jeweils aus und erklärt den Schülern das Programm. Arndt bildete sich fort - ebenfalls mit Webinaren im Internet. "Das war wunderbar. Ich habe viel Input erhalten."

Drehn dürften diese Worte freuen. Denn die Umstellung wegen des erneuten Distanzunterrichts dürfte am Montag den Rochlitzer Gymnasiasten und Lehrkräften leichter fallen als anderen. (acr)

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.