Rochlitzer Schloßaue wird Herberge

Einen Käufer für die idyllisch gelegene Gaststätte sucht die Stadt seit Jahren vergeblich. Doch Oberbürgermeister Frank Dehne sieht Potential und will das Haus privat erwerben.

Rochlitz.

Eine Lösung für die Schloßaue zeichnet sich ab. Das Gebäude am Sörnziger Weg in Rochlitz soll eine Herberge mit bis zu 30 Betten werden - zumindest wenn es nach den Wünschen des Oberbürgermeisters geht. "Der Standort ist absolut idyllisch an der Mulde gelegen", schwärmt Frank Dehne von den Vorzügen. Gerade Touristen, die mit Fahrrad oder mit Motorrad in der hiesigen Region unterwegs sind und hier übernachten wollen, sieht er als Zielgruppe. Auch Kletterer oder Pilger nimmt er unter anderem als potentielle Gäste ins Visier. Nicht zuletzt könnten im Außengelände mehrere Stellplätze für Camper geschaffen werden.

"Es gibt in Rochlitz einfach keine ausreichenden Übernachtungsmöglichkeiten", erklärt der parteilose Politiker. Da die Stadt jedoch künftig verstärkt auf Touristen setzen will, muss diese Lücke geschlossen werden. Daraus macht Dehne keinerlei Hehl. "Eine Herberge ist Notwendigkeit." In Konkurrenz zu dem geplanten Hotel im Zentrum soll die Einrichtung aber nicht treten, wie er betont. Die Preise sollen moderat sein. Außerdem ist ein Betrieb lediglich von April bis Oktober vorgesehen. Die Vorteile liegen für ihn auf der Hand: Das Haus müsste nicht aufwendig gedämmt werden; zudem werden Heizkosten eingespart. Im Zuge dessen werden auch Arbeitsplätze geschaffen - ein Mitarbeiter soll fest beschäftigt werden und je nach Bedarf bis zu drei Saisonkräfte.

Diese Pläne für die kommunale Immobilie stellte Dehne jüngst im Stadtrat vor. Die Besonderheit: Der parteilose Politiker tritt privat als Käufer in Erscheinung. Noch in der Sitzung Ende Oktober sollen die Stadträte über einen möglichen Verkauf an Dehne entscheiden. Stimmen sie dem Beschlussvorschlag zu, ist die Kommune eines ihrer Sorgenkinder los. Schließlich versucht die Stadt seit 2009, das um etwa 1860 erbaute Fachwerkhaus mit seinem großzügigen Grundstück zu veräußern -bis dato aber vergeblich (siehe unten stehenden Artikel). Neben einem Investitionsstau in sechsstelliger Höhe dürfte die Lage der ehemaligen Gaststätte die bisherigen Interessenten abgeschreckt haben. Zwar ist sie malerisch - noch heute äußern sich manche Rochlitzer über ihre Ausflüge dorthin begeistert und sprechen von dem herrlichsten Biergarten der Stadt. Doch die Mulde ist nicht nur ein Segen, sondern auch ein Fluch. Die Schloßaue liegt mitten im Überflutungsgebiet. 2013 stand das Haus unter Wasser. Längst hat ein Gutachter den Wert der Immobilie korrigiert. 2009 war es noch 160.000 Euro wert, seit 2014 nur mehr 20.000 Euro.

Frank Dehne ist sich der Gefahr bewusst. In ein Schutzsystem will er daher investieren. "Das ist handhabbar", gibt er sich zuversichtlich.


Rochlitz will seit 2009 die stadteigene Schloßaue verkaufen

Die Immobilie am Sörnziger Weg 5 wird durch die Stadt Rochlitz im Herbst 2009 erstmals ausgeschrieben. Damals beherbergte das fast 500 Quadratmeter große Gebäude eine Gaststätte, die über einen circa 100 Quadratmeter großen Saal und über weitere 130 Quadratmeter umfassende Gasträume verfügte. Das Obergeschoss nutzten die Muldentaler Jugendhäuser.

Ende Januar 2010 lief der Pachtvertrag mit dem Wirt aus. Im Januar 2012 zogen schließlich die Muldentaler Jugendhäuser mit ihrem Freizeitzentrum aus. Weil das Bürgerhaus modernisiert wurde, war ab August 2012 der Karneval Club Rochlitz am Sörnziger Weg untergebracht. Nach der Flut im Juni 2013 räumte dieser jedoch die Immobilie. Einen Monat später schlug der Verein für Ausdauersport, kurz VfA, sein vorübergehendes Domizil darin auf, da sein nur wenige hundert Meter entferntes Gelände samt Gebäude durch das Hochwasser komplett zerstört wurde. Wenn nächsten Monat der VfA in den Anbau des BSC am Stadion zieht, steht die Schloßaue leer.

Mehrere Interessenten meldeten sich zwar im Laufe der Zeit, letztlich scheiterte aber stets ein Verkauf. Kurzzeitig war 2010 sogar ein Makler eingeschaltet. Vor der Flut 2013 lag ein Wertgutachten in Höhe von 160.000 Euro vor; 2014 folgte ein neues. Der Verkehrswert liegt seither bei 20.000 Euro. Nach der erneuten Ausschreibung in diesem Sommer gab als einziger Oberbürgermeister Frank Dehne ein Angebot ab. (acr)

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