Stromlieferanten erhöhen Preise

Je nach Anbieter müssen die Mittelsachsen ab 2020 etwa 5 Prozent mehr für Elektroenergie zahlen. Das sind oft 30 Euro und mehr.

Freiberg.

Für viele Mittelsachsen wird der Strom ab Januar teurer. Die großen Energieversorger der Region haben Preiserhöhungen angekündigt. Auch überregionale Anbieter - die Kunden können ihren Lieferanten bundesweit wählen - verlangen ab 2020 häufig etwa 5 Prozent mehr für die Lieferung von Elektroenergie. Zur Begründung wird auf gestiegene Kosten verwiesen.

So erhöht die Freiberger Stromversorgung GmbH als Tochterunternehmen der Stadtwerke Freiberg AG zum 1. Januar die Strompreise für Privat- und Gewerbekunden in der Grundversorgung und einigen Sonderprodukten um 2,26 Cent je Kilowattstunde. "Der Strompreis setzt sich aus den Beschaffungskosten, Kosten für Netznutzung sowie insgesamt acht verschiedenen Steuern, Abgaben und Umlagen zusammen", sagt Geschäftsführer Axel Schneegans, der zugleich Vorstandschef der Freiberger Stadtwerke ist.

Auf die Höhe der Steuern, Abgaben und Umlagen habe die Freiberger Stromversorgung keinen Einfluss, so Schneegans. Nächstes Jahr steige zum Beispiel die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gegenüber dem Vorjahr um netto 0,35 Cent pro Kilowattstunde. Auch die Preise an den Beschaffungsmärkten hätten seit 2016 stark angezogen, so Schneegans. "Strom um etwa 100 Prozent und Kohlendioxid sogar um das Fünffache."

Neben dem Arbeitspreis werde auch der Grundpreis um 2,38 Euro im Jahr angehoben, teilt die Freiberger Stromversorgung weiter mit. Diese Erhöhung begründe sich vorrangig durch gestiegene Verwaltungskosten, insbesondere für eine zukunftssichere IT-Landschaft. "Die immer weiter steigenden Anforderungen des Gesetzgebers zwingen die Versorger, in immer kürzeren Abständen die Software zu aktualisieren", so Schneegans.

Für einen Privatkunden in der Grundversorgung mit einem beispielhaften Jahresverbrauch von 1500 Kilowattstunden erhöhten sich die Stromkosten im Jahr somit von 541,45 Euro auf 577,88 Euro rechnet der Geschäftsführer vor. Zugleich führe die Freiberger Stromversorgung auch die bisher getrennten Tarife für Haushalt und Gewerbe in der Grund- und Ersatzversorgung zusammen. Künftig werde es nur noch einen Grundversorgungstarif geben. Ein Gewerbekunde mit einem Stromverbrauch von beispielsweise 3000 Kilowattstunden im Jahr zahle in der Grundversorgung 2020 25,89 Euro mehr als in 2019.

Die Preise für Bestandsverträge aus dem Bereich Baustrom, Wärmepumpen- und Wärmespeicherstrom blieben unverändert. Auch bei den Erdgasprodukten werde die Freiberger Erdgas GmbH keine Preisanpassung vornehmen, so der Stadtwerke-Chef.

Zuvor hatte bereits der Chemnitzer Energieversorger Envia M zum Jahreswechsel höhere Strompreise für Privat- und Gewerbekunden angekündigt. Der Arbeitspreis steige für Privatkunden im Grundtarif um sechs Prozent von 27,70 auf 29,35Cent pro Kilowattstunde brutto, für Gewerbekunden von 27,87auf 29,51 Cent pro Kilowattstunde brutto. Der Grundpreis bleibt unverändert. Bei einem Jahresverbrauch von 2000 Kilowattstunden müssten Privatkunden pro Jahr 33 Euro mehr zahlen, heißt es aus Chemnitz. Die Preise steigen auch für Kunden mit Wärmestrom-Produkten (plus 1,56 Cent pro Kilowattstunde brutto) und auslaufender Preisgarantie (abhängig von Lieferbeginn und Netzgebiet).

Auch die Stadtwerke Döbeln drehen an der Preisschraube. Der Veröffentlichung im Internet zufolge wird die Kilowattstunde für Haushaltskunden in der Grund- und Ersatzversorgung um 1,37 Cent teurer - je nach Tarif sind das etwa 5 bis 6Prozent Aufschlag.

Beim Chemnitzer Energieversorger Eins verteuert sich die Kilowattstunde Strom ab Januar um 2,21Cent. Zugleich hebt das Unternehmen den Grundpreis für Privatkunden in der Grundversorgung um fast 6 Euro auf 92,82 Euro an. Unterm Strich zahlen nach Berechnungen des Unternehmens Privathaushalte mit einem Jahresverbrauch von 2000 Kilowattstunden künftig gut 50 Euro mehr.


Was die Stromkunden tun können

Bei Preiserhöhungen haben Stromkunden ein Sonderkündigungsrecht. Einem Urteil des Bundesgerichtshofs zufolge spielt dabei der Grund für die Preiserhöhung keine Rolle. Die Kündigung müsse spätestens einen Tag vor Inkrafttreten der Preiserhöhung beim Anbieter eingehen, heißt es von der Verbraucherzentrale; möglichst per Einschreiben mit Rückschein. Bei der Suche nach günstigeren Anbietern helfen Vergleichsportale im Internet.

Wer die Ankündigung einer Preissteigerung verpasst hat, kann beim Versorger ein Sonderkündigungsrecht einfordern und geltend machen, die Mitteilung nicht erhalten zu haben. Gleiches gilt, wenn die Ankündigungen im Schreiben nicht direkt als solche erkennbar ist. Die Mitteilung wird mitunter in Informationsbriefen mit langen Texten versteckt, wie Verbraucherschützer kritisieren.

Die Schlichtungsstelle Energie ist eine unabhängige und neutrale Einrichtung zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Verbrauchern und Energieversorgungsunternehmen. Sie wird gemeinsam vom Bundesverband der Verbraucherzentrale und der Energiewirtschaft getragen. Das Schlichtungsverfahren ist für private Verbraucher kostenfrei. (jan)

schlichtungsstelle-energie.de

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