Tauziehen um Schulleiter ist beendet

Eric Kaltschmidt wird dauerhaft die Grundschule in Hainichen leiten. Das hat das Landesschulamt entschieden. Auch für die Erlauer Schule gibt es eine Lösung. Doch nach dem Streit der vergangenen Monate werden Forderungen an Sachsens Politik laut.

Erlau/Hainichen.

Nach monatelanger Ungewissheit ist eine Entscheidung gefallen: Lehrer Eric Kaltschmidt wird in Hainichen bleiben und dauerhaft die Eduard-Feldner-Schule leiten. Die Erlauer Grundschule, wo er vor seiner Versetzung nach Hainichen Schulleiter war, wird künftig von Silke Behrnd geführt. Sie war bislang stellvertretende Chefin der Mittweidaer Bernhard-Schmidt-Grundschule. Mit der Entscheidung des Landesamtes für Schule und Bildung endet das Ringen zwischen Erlau und Hainichen um den Pädagogen.

"Es gab von allen Seiten immer wieder Nachfragen, aber ich konnte nichts sagen, weil die Personalplanung noch nicht endgültig geklärt war", so Kaltschmidt. Er begrüße es, dass die Entscheidung nun getroffen wurde, sein Berufsweg klar ist und auch alle anderen Beteiligten Gewissheit haben. In Erlau hat er zwei Jahre als Schulleiter gearbeitet. "Ich habe dort mit Lehrern, Eltern, Schülern und der Gemeindeverwaltung stets in einem sehr guten persönlichen und vertrauensvollen Verhältnis zusammengearbeitet. Dafür bin ich sehr dankbar", so Kaltschmidt.


Das Schulamt hatte den 38-Jährigen im Sommer 2018 an die Hainichener Grundschule versetzt, um einen personellen Engpass auszugleichen. Da die Erlauer Stelle zunächst unbesetzt blieb, war Grit Eichner, Chefin der der Mittweidaer Pestalozzi-Grundschule, in diesem Schuljahr mit für die Erlauer zuständig.

Um den Schulleiter zurückzubekommen, hatten der Erlauer Elternrat und die Gemeindeverwaltung rund 480 Unterschriften von Eltern gesammelt und ans Landesschulamt geschickt. Danach haben in Hainichen Elternrat und Stadtverwaltung reichlich 700 Unterschrift gesammelt und mit der Forderung, dass Kaltschmidt in Hainichen bleibt, an die Behörde gegeben.

In Hainichen freut man sich nun, ihn als Schulleiter behalten zu dürfen. Doch es bleibt ein fader Beigeschmack. "Ich verstehe, dass die Erlauer traurig sind. Es ist schade, dass es so gekommen ist, dass sich zwei Orte um einen Schulleiter streiten", sagte Tobias Daum, Chef des Elternrates der Hainichener Grundschule. Die Situation zeige, dass in das Bildungssystem des Freistaates investiert werden müsse.

Hainichens Bürgermeister Dieter Greysinger ist ebenfalls froh, dass der Schulleiterposten an der Grundschule in seiner Stadt dauerhaft besetzt ist. "Wir sind eine der größten Grundschulen im Landkreis. Es war eine Entscheidung mit Weitsicht." Auch der SPD-Politiker sieht Handlungsbedarf in Sachen Bildung im Freistaat. "Ein Schulleiterposten muss finanziell attraktiver sein", sagte er. Auch bräuchten ländliche Regionen mehr Kontinuität. "Die Schulschließungen vor einigen Jahren waren ein Fehler." Die Landesregierung sei zwar auf einem guten Weg, Fehler im Bildungssystem zu korrigieren. "Aber das ist ein langer Prozess", so Greysinger.

Erlaus Bürgermeister Peter Ahnert (parteilos) hofft, dass die Grundschule eine Direktorin mit Weitblick bekommt, wie er im Gespräch mit der "Freien Presse" sagte. Denn um die Schule weiterzuentwickeln, brauche die Gemeinde feste Ansprechpartner. Die Situation der vergangenen Monate sieht auch er als Folge des Fachkräfte- und damit einhergehenden Lehrermangels.


Kommentar: Das Gehalt muss stimmen

Ein Schulleiter, zwei Städte, die um ihn ringen, und Eltern, die Unterschriften sammeln, um das Schulamt dazu zu bewegen, den Pädagogen als Direktor an der Schule ihres Kindes einzusetzen - monatelang wurde an Eric Kaltschmidt regelrecht gezerrt. Eine Situation, die zeigt, wie gravierend der Lehrermangel in Sachsen ist. Dass das Landesschulamt Eric Kaltschmidt nach Hainichen schickte, weil in der Schule dort mehr Kinder unterrichtet werden als in Erlau, ist für den Moment vernünftig gewesen. Kleine Schulen auf dem Land dauerhaft hinten anzustellen, wäre fatal. Denn nur durch eine funktionierende Infrastruktur - da zähle ich Schulen dazu - kann Abwanderung vom Land in die Städte gestoppt werden. Doch viele junge Lehrer wollen lieber in den Städten arbeiten als in ländlichen Regionen. Ein Ansatz, um gegenzusteuern, ist die Verbeamtung. Einem Beamten kann der Freistaat den Arbeitsort innerhalb eines festgelegten rechtlichen Rahmens zuweisen. Damit die jungen Lehrer diese, für manche sicher bittere Pille schlucken, muss aber das Gehalt stimmen.

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