Tod nach Crash: Für Autofahrer bleibt es bei einer Geldstrafe

Ein tragischer Unfall bei Wiederau hat am Dienstag zum wiederholten Mal das Landgericht Chemnitz beschäftigt. Es musste den Zusammenstoß eines Autos und eines Motorrades erneut rekonstruieren.

Chemnitz/Wiederau.

Es ist ein sonniger Sonntag, dieser 22. April vorigen Jahres. Der heute 69-jährige Autofahrer und seine Frau sind gegen 12.30 Uhr auf der B 175 zwischen Wiederau und Diethensdorf mit ihrem Mercedes unterwegs. Am Abzweig zur Kreisstraße will er nach links in Richtung Stein abbiegen. Dann passiert das für ihn Unfassbare: Ein Motorradfahrer im Gegenverkehr fährt in sein Auto. Der junge Mann - gerade einmal 20 Jahre alt - stirbt am Unfallort. Die Ehefrau des Autofahrers wird schwer verletzt, muss von der Feuerwehr aus dem Fahrzeug gerettet werden. War der Motorradfahrer zu schnell unterwegs, übersah der Senior den jungen Mann? Wer hat welchen Anteil am schweren Verkehrsunfall? Um diese Fragen zu klären, stand der Autofahrer am gestrigen Dienstag zum dritten Mal vor Gericht.

Wegen fahrlässiger Tötung hatte das Amtsgericht Döbeln im Januar gegen ihn eine Geldstrafe von 4800 Euro verhängt und ihm die Kosten des Verfahrens auferlegt. Doch dieses Strafmaß war der Staatsanwaltschaft zu gering. Sie ging in Berufung - und hatte Erfolg. Im März 2019 hob das Landgericht das Döbelner Urteil auf und verhängte gegen den Autofahrer eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung - und sechs Monate Führerscheinentzug. Gegen dieses Urteil legte der Angeklagte Revision ein. Das Oberlandesgericht beschloss im Juli: Der Fall muss neu aufgerollt werden. Es dürfe nicht nur der Unfallhergang untersucht werden, sondern unter anderem auch, ob der Autofahrer geeignet sei, ein Kraftfahrzeug zu führen.

"Ich bin langsam gefahren. Als ich den Linksabbiegevorgang einleitete, habe ich kein Fahrzeug gesehen", beteuerte der 69-Jährige. Seit 1969 habe er die Fahrerlaubnis, sei als Berufskraftfahrer und privat bereits mehr als zwei Millionen Kilometer unfallfrei gefahren. "Es kam niemand, da ist er abgebogen", sagte seine Frau am Dienstag als Zeugin aus. Auch sie kann sich den Crash nicht erklären. Es habe auf einmal einen "mörderischen Knall" gegeben. Eine zweite Zeugin, die kurz vor dem Unfall von dem Motorradfahrer überholt worden war, gab zu Protokoll: "Das Motorrad ist schnell an mir vorbeigefahren."

Gutachter Viktor Ammer, der am Unfalltag vor Ort war, berechnete, dass der Motorradfahrer mit etwa 100 bei erlaubten 70 Stundenkilometern unterwegs war. Zudem sei er nicht berechtigt gewesen, dieses Motorrad zu fahren, da die Sperre für die Drosselung der Leistung außer Kraft gesetzt worden war. Aber: Von den Sichtverhältnissen her hätte der Mercedes-Fahrer ihn sehen müssen, machte der Experte deutlich. Zudem erklärte er: "Wäre der Motorradfahrer 70 km/h gefahren, dann wäre der Unfall vermeidbar gewesen." Die Staatsanwaltschaft sah zwar auch ein erhebliches Mitverschulden des Motorradfahrers. Doch sie forderte für den Autofahrer eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung. Dem folgte die Vorsitzende Richterin Karin Troxler nicht. Sie empfand die vom Amtsgericht verhängte Geldstrafe von 4800 Euro als ausreichend. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. Den Führerschein muss der 69-Jährige nicht abgeben. "Der Tatbestand der fahrlässigen Tötung steht fest. Doch wir glauben Ihnen, dass Sie den Motorradfahrer nicht wahrgenommen haben", sagte sie. Das Motorrad sei zu schnell gewesen, der junge Mann hätte es nicht fahren dürfen. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    0
    Pixelghost
    31.10.2019

    @1635769, wenn ich als Jahrgang 57 von einem Jungspund geschnitten werde, weil der keine Ahnung von rechtzeitigen Blinken vor dem Wiedereinordnen hat, komme ich definitiv schlecht damit zurecht.

    Schauen Sie sich mal die Kommentare bei FB an, wenn es um die Blitzer geht. Und dazu die Profile der Schreiber. Dann wissen Sie, WER hier die Regeln neu lernen muss.

  • 7
    0
    Einspruch
    31.10.2019

    @ 16.... deshalb bauen die neuen Mitarbeiter bei uns die meisten Unfälle, obwohl die Alten seit Jahren viel mehr Kilometer gefahren sind, ohne Unfall. Finde den Fehler.
    Vielleicht lassen die körperlichen Voraussetzungen bei älteren schleichend nach. Bei jungen Fahrern kann man dagegen fast jedem totale Selbstüberschätzung bescheinigen. Fahrphysik erledigt doch der Bordcomputer und nach einem Unfall sucht man die ResetTaste.

  • 10
    0
    Zeitungss
    31.10.2019

    @16....: So mancher Jugendliche müsste täglich seine Fahrprüfung wiederholen. Nachschulungen zur Bedienung der Blinker hätten ebenfalls Sinn, auch wenn diese ab einer bestimmten Fahrzeuggröße nicht mehr zur Ausstattung gehören. Mit der "gegenseitigen Rücksichtnahme" hat man in der heutigen Zeit eh nichts mehr im Sinn.

  • 8
    3
    osgar
    30.10.2019

    @16 was Sie schreiben und wie Sie es schreiben, ist bestimmt Satire.

  • 3
    14
    1635769
    30.10.2019

    Man sollte ihm eine Fahrprüfung wiederholen lassen. Immer wieder werden die ältern Menschen in Schutz genommen obwohl die Vielzahl der älteren Verkehrsteilnehmer nicht mehr mit dem heutigen Verkehr auf den Straßen zurechtkommen.



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