Trabi-Liebe befällt eine ganze Familie

Familie Mai aus Kralapp steht auf die "Pappe" aus Zwickau. Die Leidenschaft fließt in eine Zeitschrift ein, die sich ausschließlich Oldtimern aus dem Osten widmet.

Kralapp/Rochlitz.

Muldenwiese Rochlitz: 35 Grad im Schatten, alles klebt. Und wenn "Westwagenlenker" ihre Klimaanlage auf Hochtouren jagen, lacht Sebastian Mai nur. "Meine Klimaanlage hat Kurbeln", sagt der Familienvater aus Kralapp.

Der 39-Jährige hat sich mit Leib und Seele der DDR-Automarke Trabant verschrieben und seine Familie längst damit infiziert. Ob Alltag oder Urlaub an der Ostsee: Drei Modelle, im Schnitt bis zu 30 Jahre alt, laufen bei Mais immer. Den gebrauchten "Westwagen" hat die Familie wieder abgestoßen. Mit Trabis ließen sich alle anfallenden Transporte sehr gut bewältigen, erklärt Yvonne Mai. Sohn Oskar sei vor acht Jahren sogar mit dem Trabant aus der Geburtsklinik abgeholt worden. Und die zwölfjährige Veronika, die alle nur Vroni nennen, liebäugelt bereits mit einem der Zweitakter. "Sie soll sich nicht erwischen lassen", wirft Vater Mai mit einem Schmunzeln ein. Er versteht seine "Große" und die Leidenschaft, die ihr da wohl vererbt wurde.


Zwei der Zwickauer "Boliden" warten in Mais Garage auf ihre Wiedergeburt. Bis die wieder auf die Straße kommen, wird es dauern, denn vorerst befindet sich erst mal das alte Bauernhaus der Familie in Kralapp im Wiederaufbau. Die Komplettsanierung könne sich hinziehen, schätzt Sebastian Mai.

Und ist die Trabi-affine Familie in ihrer Freizeit nicht gerade auf Oldtimer-Treffen oder Messen unterwegs, warten auf Sebastian Mais Schreibtisch die Manuskripte für die nächste Ausgabe von "79 Oktan". Die Zeitschrift, die sich mit Fahrzeugen aus dem Osten befasst, erschien 2016 erstmalig mit einer Auflage von 5000 Stück. Und inzwischen hat die Publikation, wie Mai sagt, ordentlich Fahrt aufgenommen. Aus den über ganz Deutschland verstreuten Ehrenamtlichen, die an den Ausgaben bastelten, wurde eine Offene Handelsgesellschaft (OHG). "Der Aufwand ließ sich nebenbei einfach nicht mehr stemmen", sagt Mai. "Wir verzeichnen zwar erfreuliche Steigerungsraten, sind aber noch nicht aus dem Gröbsten raus." Was ihn erstaunt: "Viele der Abonnenten sind um die 30. Die kennen die Verhältnisse auf dem Fahrzeugsektor der damaligen DDR und dem Ostblock nur aus Erzählungen." Aber man rutsche da so rein in die Szene. Genau wie er vor zwei Jahrzehnten.

Im Frühjahr landete die OHG mit dem Buch "West-Autos in der DDR" von Autor Björn Herrmann einen weiteren Coup. Sein "Baby" ist und bleibt jedoch "Oktan 79". "Seit 1990 gab es keine eigene Oldtimer-Zeitschrift, die sich mit Fahrzeugen aus dem Osten befasst. Das mussten wir ändern, denn wir wissen, dass wir damit offene Türen einrennen", erklärt Sebastian Mai. Und Themen, die noch beleuchtet werden müssten, gebe es ohne Ende.


3,1 Millionen Trabis vom Band

Die Zeitschrift "79 Oktan" versteht sich als Illustrierte für Straßenverkehr, Motorsport und Kraftfahrzeugtechnik und erschien im Oktober 2016 erstmalig im Eigenverlag. Herausgegeben wurde sie von ehrenamtlichen Enthusiasten.

Im November 2017 gründete sich eine offene Handelsgesellschaft (OHG), die jährlich vier Ausgaben der "79 Oktan" zum Preis von insgesamt 25 Euro herausgibt. Der Versand an Abonnenten ist kostenfrei. Neben Autoren, die sich mit Simson, Jawa, Trabant, Lada, Wartburg, W 50 oder Ural befassen und zu Wort kommen, veröffentlichen die Macher Termine für Treffen und berichten darüber. Bezogen werden kann die Zeitschrift unter anderem über www.79oktan.net oder im Zeitschriftenhandel.

Der Trabant, auch Trabi genannt, wurden von 1957 bis 1991 im Volkseigenen Betrieb Automobilwerk Zwickau, später VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau, hergestellt. Nahezu 3,1 Millionen Exemplare liefen dort vom Band. (grün)

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