Trockener Sommer: Orgeln bleiben stumm

Die Luftfeuchtigkeit in den Kirchen ist durch die Hitze gesunken, Holz hat sich zusammengezogen. Manches Instrument gab nicht mehr die gewohnten Töne von sich - bei einigen steht eine Reparatur bevor.

Rochlitz/Penig.

Nicht nur zu Ernteausfällen und trockenen Flussbetten hat die Hitze des vergangenen Sommers geführt. Auch auf die Kirchenmusik hat sie sich ausgewirkt - durch die trockene Luft waren Orgeln nicht mehr bespielbar. "9unserer 13 Orgeln im Kirchspiel sind beeinträchtigt gewesen. Jetzt sind alle wieder spielbar", berichtet Klaus Tietze, Pfarramtsleiter im Kirchspiel Waldheim-Geringswalde.

Holzteile seien ausgetrocknet gewesen. "Der Wind pfiff an der falschen Stelle heraus, ehe er überhaupt zu den Pfeifen gelangen konnte", so Tietze weiter. Die Instrumente in der Martin-Luther-Kirche in Geringswalde und in der Kirche in Grünlichtenberg habe ein Orgelbauer aus Moritzburg reparieren müssen. Mit der Reparatur der Orgel in der Tanneberger Kirche wurde ein Fachmann aus Zittau beauftragt. "Kühle, Feuchtigkeit und die Zeit hätten an diesen Orgeln nicht alle Wunden geheilt", so Tietze.

Unter anderem wurden Dichtungen erneuert, abgefallene Kleinteile neu angeklebt, undichte Stellen am Blasebalg neu mit Leder repariert. Die Rechnungen lägen noch nicht vor. Es werde sich um niedrige dreistellige Beträge handeln. Im Kirchspiel waren auch die Orgeln in Zettlitz, Otzdorf, Beerwalde, Waldheim, Knobelsdorf und der Friedhofskapelle Geringswalde zeitweise nicht oder nur eingeschränkt spielbar, teils kleinere Reparaturen nötig.

"Wir hatten am 31. August einen Gottesdienst mit Goldener Hochzeit, ein Organist aus Prag hat gespielt. Während des Musizierens sind im Pedal zwei Tasten abgebrochen", sagt Michael Kreskowsky, Vorsitzender des Kirchenvorstandes in Grünlichtenberg. Daraufhin habe man beschlossen, alle Tasten noch einmal abbrechen und neu verleimen zu lassen. Auch wurde Kreskowsky selbst tätig: "Ich habe gießkannenweise Wasser auf die Empore gegossen. Sonst wäre es vielleicht noch schlimmer gekommen." So hat er versucht, die Luftfeuchtigkeit im Kirchenraum zu erhöhen. Erst 2017 war die Orgel für 90.000 Euro restauriert worden. Um für künftige trockene Sommer gerüstet zu sein, habe man beschlossen, ein Befeuchtungsgerät zu kaufen.

Zu Problemen hat die Trockenheit auch in der Kirche im Lunzenauer Ortsteil Oberelsdorf geführt - dort kommt derzeit ein Keyboard zum Einsatz. Durch die gesunkene Luftfeuchte ziehe sich das Holz zusammen, es entstehen undichte Stellen, sagt auch Thomas Bochmann. "Wenn ich einen Ton drücke, kommen Nachbartöne mit", so der Orgelbauer aus Kohren-Sahlis. Er ist damit betraut, Schäden zu reparieren, die am Instrument durch den Holzwurm entstanden sind. Nun muss ein Sachverständiger sich die Schäden durch die Trockenheit anschauen und entscheiden, was darüber hinaus zu tun ist.

Zahlreiche Anfragen sind bei Bochmann im Sommer eingegangen - und gehen weiter ein. "Manche Gemeinden haben nur alle sechs Wochen einen Gottesdienst und merken das erst jetzt." So extrem sei es zuletzt 2003 gewesen.

Auch die Orgel der Kunigundenkirche in Rochlitz ist betroffen und derzeit nur eingeschränkt bespielbar, sagt Kantor Jens Petzl. "An den Windladen sind Risse entstanden. Der Wind kommt an Orte, wo er nicht hingehört. Ich gehe davon aus, dass eine Reparatur ansteht".

Andernorts waren die Auswirkungen weniger drastisch. Mittweida sei nicht betroffen: Da steht die Generalsanierung der Orgel vor dem Abschluss, das Instrument wird am Buß- und Bettag eingeweiht, so Kantorin Christiane Sander. Ein Pedal, das in Ringethal nicht so gut spielfähig war, sei kürzlich vor einem Konzert in Ordnung gebracht worden. Die Orgel der Kirche "Unser Lieben Frauen auf dem Berge" in Penig habe nicht gelitten, sagt Kirchenvorstandsvorsitzender Jürgen Höfler. "Wir hatten schon andere Sommer, in denen wir feuchte Tücher aufhängen mussten."

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