Umweltschützer und Stadt streiten um Kröte und Eidechse

Die Peniger Gartenanlage "Frohsinn" soll ein Eigenheimgebiet werden. Naturschützer fordern den Erhalt der Parzellen. Dabei geht es auch um kleine Tiere.

Penig.

Die 32 Gärten der Peniger Kleingartenanlage "Frohsinn" sollen weg. Auf der Fläche ist ein Eigenheimgebiet mit 15 Parzellen und Parkplätzen geplant. Der Stadtrat hat bereits den Entwurf des Bebauungsplanes gebilligt und den Grundstücksverkauf beschlossen. Doch nun gibt es erneut Protest.

"Die seit beinahe 100 Jahren gepflegte Anlage ist ein ökologisches Refugium", hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Sachsen (BUND) jetzt in einer Pressemitteilung erklärt und eine fehlende Umweltüberprüfung bemängelt. "Weder wurde das Vorkommen der besonders geschützten Erdkröte und Zauneidechse in Betracht gezogen, noch der wieder angesiedelte Schwalbenschwanz - eine vom Aussterben bedrohte Schmetterlingsart", heißt es darin. Auch sei vorgesehen, alte Bäume ersatzlos zu fällen. Würden diese Pläne umgesetzt, ginge das vielfältige Nahrungsangebot für Insekten ohne Ausgleich verloren, befürchtet der BUND.

Der Fall "Frohsinn" in Penig sei in Sachsen kein Einzelfall. Innerstädtisches Bauland werde knapp. "Immer häufiger veräußern Gemeinden, was eine Stadt lebenswert macht: die grüne Lunge Stadtgarten", so der Verband. Die Gemeinden würden ökologisch wertvolle Flächen versiegeln und dafür mit einem Verlust an Lebensqualität bezahlen.

"In Zeiten, in denen allerorten vom Insektensterben die Rede ist, zeugt so ein Vorgehen von großer Kurzsichtigkeit", kritisiert Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen. "Kleingärten liefern einen wichtigen Beitrag zum gesunden Stadtklima. Gartenanlagen wie in Penig erhöhen die Widerstandskraft von Städten gegen die Folgen des Klimawandels, sie bieten Rückzugsflächen für geschützte und durch extensive Landwirtschaft vom Aussterben bedrohte Arten. Sie sind Orte der Erholung und Umweltbildung für den Menschen", so Ekardt. Penigs Stadtsprecherin Manuela Tschök-Engelhardt kontert: "Die einseitigen Darstellungen und Unterstellungen des BUND sind populistisch und enttäuschend." Die betroffenen 32 Kleingärten würden zehn Prozent des Bestandes des Kleingartenvereins "Frohsinn" darstellen, der wiederum insgesamt bereits einen Leerstand von 70 Kleingärten zu beklagen habe. Im Stadtgebiet stünden mehr als 20 Prozent der 784 Kleingärten leer. Nachpächter seien schwer zu finden. "Mit Umwandlung in Bauland wird also dem Leerstand in den Kleingartenvereinen entgegengewirkt." Für eine Entwicklung der Kleingartenanlagen stehe die Stadtverwaltung mit den Vorständen der Kleingartenvereine im Austausch und suche gemeinsam nach Lösungen, sagt sie.

Die Vorwürfe, dass keine "Umweltüberprüfung" stattgefunden habe, weist sie zurück und verweist auf einen Artenschutzfachbeitrag, der nach 16 Begehungen erarbeitet worden sei. Er enthalte alle Maßnahmen, die die Projektentwickler einhalten müssten. Zum Beispiel dürfe es keine Tiefbauarbeiten während der Brutpflege der Zauneidechse geben. Zudem entstehe noch bevor die Kleingartenanlage in Bauland umgewandelt wird auf einem städtischen Grundstück ein Zufluchtsort für die Zauneidechse.

Zu den Gegnern des Wohngebietes gehört auch der Wolkenburger Enrico Fitzner, der seit Monaten Briefe an Behörden schreibt. Er schlägt vor, aus den ungenutzten Flächen eine Streuobstwiese zu machen und das Areal gemeinsam mit den Imkern zu nutzen. Wenn der Gartenbedarf wieder steige, könne dorthin zurückgekehrt werden.


"Es wäre eine einfache Sache gewesen, sich mal an einen Tisch zu setzen"

Enrico Fitzner (Foto) aus Wolkenburg kämpft für den Erhalt der Kleingartenanlage "Frohsinn". Seit Monaten schreibt er deshalb an Behörden.

"Freie Presse": Herr Fitzner, Sie sind Stadtrat in Limbach-Oberfrohna, sind Kreisrat in Zwickau und wohnen in Wolkenburg. Warum machen Sie sich für den Erhalt der Peniger Kleingartenanlage stark?

Enrico Fitzner: Das rührt daher, weil Silke Hartig, die eine der Betroffenen ist, in unserer Firma arbeitet. Daher kenne ich die Anlage seit zehn Jahren. Vor drei Jahren hieß es, hier wird gebaut. Der Bürgermeister hatte mir zuvor versichert, ich müsse mir keine Gedanken machen, es werde nichts gebaut. Und außerdem gebe es einen gültigen Flächennutzungsplan. Und dann wurde begonnen, den Kleingartenverein unter Druck zu setzen. Da ich ein Freund der Landnutzer bin, hatte es mich gepackt, weil ich mir sagte: So kann man nicht agieren. Denn nicht die Kleingärtner sind die Hauptpächter, sondern der Regionalverband. Mir liegt auch ein Protokoll der damaligen Bauamtsleiterin vor. Da steht sinngemäß drin: Wenn ein Kleingärtner das nicht will, dann wird sich die Stadt niemals getrauen, diese Kleingartenanlage platt zu machen.

Welches Ziel verfolgen Sie?

Dass die Anlage so erhalten bleibt, wie sie ist. Es gibt sicher einen gewissen Leerstand. Aber es wäre eine einfache Sache gewesen, sich mal an einen Tisch zu setzen und zu beraten, was man gemeinsam tun kann. ule

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...