Warum "Der Tanz auf dem Vulkan" immer beliebter wird

Nicht nur Wanderer, sondern auch immer mehr Bergsteiger ziehen die roten Felswände auf dem Rochlitzer Berg an. Ein Buch fasst nun viele Routen zusammen.

Rochlitz.

An schönen Tagen ist der Rochlitzer Berg gut besucht. Aber nicht nur Ausflügler sind hier unterwegs, der Steinbruch auf dem Berg ist in den vergangenen Jahren zu einem Eldorado für Kletterer geworden.

Seit September 2018 ist das Areal als Kletterpark ausgewiesen und wird vom Sächsischen Bergsteigerbund (SBB) gepflegt und in Stand gehalten, so Lutz Zybell, inzwischen Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen des Deutschen Alpenvereins (DAV). Zybell hatte die konzeptionelle Aufbereitung des Klettergebietes vor gut vier Jahren federführend für den SBB vorangetrieben und zeigt sich mit der Entwicklung sehr zufrieden: "Wenn das Wetter schön ist, sind im Steinbruch zwischen 80 und 100 Leute unterwegs, das ist schon allerhand. Dadurch, dass sich viele Freizeitmöglichkeiten auf einer Fläche konzentrieren, trifft man auch Familien an, die zuschauen, mitklettern oder wandern gehen." Das Gestein mache den Rochlitzer Berg so einzigartig, da die Felswände auch bei wechselhaftem Wetter nicht zu feucht werden oder aber sehr schnell trocknen. "Anders als beispielsweise in der Sächsischen Schweiz", so Zybell.

Von der Einzigartigkeit des Areals ist auch Gerald Krug fasziniert. Der 49-jährige Bergsteiger hatte in der Funktion als ehrenamtliches Mitglied des DAV 2016 für das Anlegen des Kletterparks Gespräche mit der zuständigen Naturschutzbehörde geführt. "Themen wie felsbrütende Vögel, die in der Brutperiode zu schützen sind, oder seltene Pflanzenarten haben wir ausgearbeitet und weisen mit Schildern darauf hin", erklärt Krug. Der begeisterte Kletterer führt seit 2003 in Halle einen kleinen Verlag, bei dem bereits rund 25 Bücher rund um das Thema erschienen sind, wie er sagt. Seit April 2019 zählt zum Repertoire des Verlages auch der Kletter- und Wanderführer "Der sächsische Vulkan", der Routen sowohl in der Steinbruchlandschaft als auch in der Umgebung beschreibt.

Neben dem geschichtlichen Hintergrund zum Klettersport in der Region sind auch Hinweise zum Naturschutz und empfohlene Verhaltensregeln im Buch aufgeführt. Beispielsweise ist beschrieben, wo beispielsweise geparkt werden darf oder in welchen Zeiträumen das Gelände nicht betreten werden sollte.

Das 96 Seiten starke Buch erklärt auf Deutsch und Englisch über 85 Kletterrouten, geteilt in zwei Bereiche: den Seidelbruch und den Gleisbergbruch, wobei am Gleisbergbruch überwiegend mittel- bis sehr schwere Routen verortet sind. Die Kletterwege tragen Namen wie "Arbeitseinsatz", "Tanz auf dem Vulkan" oder "Jagdausflug" und sind mit verschiedenen Schwierigkeitsskalen versehen: mit dem sächsischen und dem mitteleuropäischen Bewertungssystem. Routen sind in nahezu allen Schwierigkeitsstufen vorhanden, geeignet für Kinder bis hin zum Bergsteiger im Vollzeittraining. Zusätzlich sind die Kletterwege auf Fotos der Felswände eingezeichnet und mit kurzen Erklärungen versehen. Auch für Nicht-Kletterer hat das kleinen Buch einiges zu bieten. Es enthält Wanderwege rund um Rochlitz mit Ausflugszielen.

Die Idee zum Buch sei schon mit dem Plan entstanden, das Areal herzurichten, erklärt Gerald Krug. Größtenteils vertreibt der gebürtige Zwickauer Literatur über das Klettern in Norddeutschland, aber auch internationale Kletterregionen, etwa in Indien oder Iran, decke er ab.

"Aber der Porphyrtuff auf dem Rochlitzer Berg ist schon etwas ganz seltenes", schwärmt der Bergsteiger. "Man klettert auf verfestigter Asche, die einmal mit bis zu 1000 Stundenkilometer aus dem Vulkan geschossen ist", sagt Gerald Krug.

Dass Touristen die seltenen Felswände zunehmend für sich entdecken, bemerkt auch Jana Uhlmann, Geschäftsführerin des des Heimat- und Verkehrsvereins "Rochlitzer Muldental" (HVV). Das Klientel, das Klettern geht, sei eine gut vernetzte Szene. Die informiere sich zwar weitestgehend selbstständig im Internet, aber zwischen April und Oktober "kommen viele, die sich bei uns Erstinformationen abholen", so die Geschäftsführerin. "Bis zu zwölf Anfragen haben wir dann pro Woche." Viele reisen aus Chemnitz, Dresden oder Leipzig an. "Für die dortigen Kletterszenen ist das günstig, über die Autobahnen ist man schnell hier", erklärt Uhlmann.

Das Buch "Der Sächsische Vulkan" ist über den Verlag Geoquest in Halle erhältlich. Einen Klettertest der "Freien Presse" können Sie unter folgendem Link nachlesen: www.freiepresse.de/fels


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