Warum Karate und die Polsterei gut zusammenpassen

In einer Sonderausstellung werden ab 2. Februar auf der Rochsburg Produkte gezeigt, die im Landkreis hergestellt werden. Die Palette reicht von A wie Aqua-Peeling bis Z wie Zelte. Die "Freie Presse" stellt die Macher hinter den regionalen Stücken vor. Heute: die Firma Hinkelmann in Schweikershain.

Schweikershain.

Konzentriert schaut Jasmin Bär auf die Nähmaschine und zieht eine saubere Naht durch den Stoff. Mit diesem wird einmal eine Couch, ein Sessel, Hocker oder Stuhl bezogen. Die 18-Jährige ist Lehrling im dritten Ausbildungsjahr in der Firma W. Hinkelmann Polstermöbel im Erlauer Ortsteil Schweikershain. Das Handwerk hat es ihr angetan, sie möchte nach Abschluss ihrer Lehre gern in dem Betrieb weiterarbeiten und hat nach Aussagen ihrer Chefin, Geschäftsführerin Julia Hinkelmann, auch beste Chancen, übernommen zu werden.

"Jasmin ist ruhig, immer voll bei der Sache, lernt gut und schnell und arbeitet sehr gewissenhaft. Durch ihre ausgeglichene Art wird sie nicht nur fachlich, sondern auch menschlich eine Bereicherung für unsere Firma sein", lobt Julia Hinkelmann, die die Leitung des seit 125Jahren bestehenden Familienbetriebes 2018 von ihrem Vater Bernd übernommen hat.

Jasmins Wesen kommt nicht von ungefähr. In ihrer Freizeit betreibt die junge Frau Karate. "Auch dort kommt es darauf an, sich zu konzentrieren. Und man wird ruhiger davon", sagt sie. Genau diese Ruhe wiederum komme ihr auf Arbeit zu Gute. Denn bei der Fertigung von Bezugshüllen näht man zum Beispiel vieles auf links - also andersherum, als es dann über Sessel oder Hocker gezogen wird. Entsprechend ist eben jene ruhige, konzentrierte Art gefragt, mit der man sich bildlich vorstellen kann, was einmal aus den verschiedenen zunächst zugeschnittenen und dann vernähten Teilen entstehen wird.

Den Beruf, den sie lernt, findet Jasmin Bär "richtig gut und interessant, vor allem abwechslungsreich". Das kann Julia Hinkelmann nur bestätigen. Zwar wiederholten sich Arbeiten auch oft, erforderten wie beim Zuschneiden und Nähen ähnliche Bewegungen. Aber das, was man bearbeite, könnte unterschiedlicher kaum sein. Immerhin habe die Firma 30 Modelle mit 20 verschiedenen Funktionalitäten wie Stauraum oder Kopfstützen im Angebot. Ausgeführt werden können sie in 3500 Stoffen und Ledern. "Da kommen außerordentlich viele Kombinationen in Frage. Und bei all unserer Vielfalt ist jedes unserer Stücke ein Unikat, für das im Betrieb auch die Gestelle gefertigt werden", erklärt die Firmenchefin. Die 29-Jährige hat Wirtschaftsingenieurwesen im Fach Maschinenbau studiert. "Aber natürlich bin ich von Kindheit an durch meine Familie in den Betrieb hineingewachsen", erzählt sie. So habe sie als Kind, Jugendliche und Studierende immer wieder in den Ferien im Betrieb gearbeitet und kenne so alle Bereiche von der Näherei, Polsterei über den Gestellbau bis hin zu Bürotätigkeiten.

Was sie unter anderem am Betrieb überzeugt, ist, dass vom Gestell bis zum fertigen Polstermöbel alles aus einem Haus kommt. "Was uns ausmacht, ist die Fertigung auf Wunsch nach den räumlichen Gegebenheiten der Kunden", sagt sie. So könne man jeden Geschmack bedienen. Zur Ausstellung auf der Rochsburg wolle man ein Sofa und einen passenden Sessel präsentieren. "Wir freuen uns sehr auf die Produktschau. Zur Eröffnung werde ich wahrscheinlich dabei sein und habe, so hoffe ich, dann auch die Möglichkeit, den Besuchern etwas über unsere Arbeit und unsere Firma zu erzählen", sagt Julia Hinkelmann.

Inzwischen hat Jasmin Bär ihre Arbeit an der Nähmaschine beendet. Sie selbst und ihr Umfeld findet es nicht ungewöhnlich, dass ihr beruflicher Weg ins Handwerk führt. "Mein Bruder ist im Orgelbau, ich habe Freunde, die als Raumausstatter arbeiten", erzählt sie. Sie habe sich bereits in anderen Gewerken zum Beispiel als Konditorin, Tischlerin und Bühnenmalerin ausprobiert - bis sie ein Praktikum in die Polsterei führte. "Es ist schön, etwas mit den eigenen Händen zu machen und dann zu sehen, was man geschaffen hat. Es ist eine Freude, dann den fertigen Hocker oder das neue Sofa zu sehen", sagt sie. Nach der Arbeit geht es zum Training. Dort, beim Karate, sind es auch oft gleiche Bewegungen, Abläufe, die man sich einprägt und exakt ausführt. Ein gutes Gefühl, sie zu beherrschen - so wie beim Polstern und Nähen.

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