Weiter Knatsch um geplanten Sportplatzbau

Der Landkreis treibt sein Projekt auf dem Areal des Rochlitzer Gymnasiums voran. Da bei den Planungen Wünsche von Stadt, Räten und Schülern nicht berücksichtigt wurden, fühlen sie sich düpiert.

Rochlitz.

Die Kritik von Bettina Schlegel fällt deutlich aus. "Wir haben unsere Argumente vorgebracht. Diese wurden einfach vom Tisch gewischt. Ich bin entsetzt", erklärt die Linkenpolitikerin am Dienstagabend im Rochlitzer Stadtrat. Mehrere Minuten lang lässt sie kein gutes Haar am Landratsamt. Worte wie "unverfroren" fallen, auch Sätze, dass Entscheidungen "weit entfernt am grünen Tisch getroffen werden" oder sie ein ganz anderes Verständnis von Demokratie habe.

Der Stein des Anstoßes: Die Details zum geplanten Sportplatzbau auf dem Areal des Mathesius-Gymnasiums. Der Landkreis will als Träger der Einrichtung 900.000 Euro in den Neubau investieren, der bis Ende 2022 fertig sein soll. Erst vor wenigen Tagen wurden dafür auf dem nordwestlichen Gelände der Schule fünf stattliche Kastanien gefällt. Hauptkritikpunkte: Durch das sechs Meter hohen Ballfangnetz wird nicht nur die Sichtachse auf die historische Fassade zerstört, künftig fällt auch ein Großteil der Pausenfläche weg. Außerdem ist nur ein dreieinhalb Meter breiter Grünstreifen vorgesehen, der nach Meinung der Kritiker nicht ausreicht, um dort Bäume zu pflanzen. Einzig allein hier gab es laut OB Frank Dehne (parteilos) ein Entgegenkommen des Landkreises. Denn ursprünglich war ein drei Meter breiter Streifen angedacht.

Auch Marcel Berger, Fraktionschef der Initiative Rochlitz gemeinsam gestalten (RGG), macht seinem Ärger an diesem Abend Luft, wenn auch etwas diplomatischer formuliert. "Wie kann es sein, dass das Landratsamt nicht auf unsere Bedenken eingeht?", fragt er. "Das ist schade, dass sie unsere Wünsche nicht ernst nehmen", ergänzt Berger später gegenüber der "Freien Presse". OB Dehne macht keinen Hehl daraus, dass er vom Vorgehen des Landratsamtes genauso enttäuscht ist. "Unsere Wünsche waren nicht überzogen. Wir müssen nun schauen, ob wir im Rahmen der Ausführung Anpassungen erreichen können." Er hofft auf konstruktive Gespräch mit den Verantwortlichen des Kreises.

Kritik hagelt es auch aus den Reihen der Gymnasiasten. Attila Grafe, einer der Schülersprecher, betont gegenüber der "Freien Presse": "Auf dem List-Gelände eine Turnhalle zu bauen, wäre unterm Strich besser gewesen." Eine solche könnte zu jeder Jahreszeit genutzt werden. Der Bedarf sei noch dazu mit sieben Schulen in der Stadt vorhanden. Da der Sportplatz im Sommer von bis zu drei Klassen zeitgleich benutzt werden soll, verweist er ebenfalls auf Lärm, der dann in die Klassenzimmer dringt. "Was ist denn, wenn eine Matheklausur geschrieben wird. Das ist keinem Schüler zuzumuten", sagt Grafe, der ebenfalls davon spricht, dass fortan "nicht mehr ausreichend Pausenfläche" für die rund 600 Schüler zur Verfügung steht. Außerdem stören sich laut Grafe viele Schüler an der Optik, die durch das Ballfangnetz entsteht. "Wir gucken schon mit Stolz auf unsere Schule." Nun leide die historische Ansicht. Zum Schluss sagt er: "Wir werden weiterkämpfen."


Kommentar: Kompromiss nötig

Mittelsachsen ist ein Kunstgebilde, zu groß, um den Interessen aller gerecht zu werden. Es ist ein Konstrukt, dass für die Menschen der Region bisher oft nur Nachteile gebracht hat. Das Aus der Klinik schmerzt noch heute. Künftig sollen die Landwirte in Freiberg ausgebildet werden und nicht mehr in Rochlitz. Zwei Beispiele, die für viele ein Beleg sind, dass die Gegend abgehängt wird und es den Verantwortlichen in Freiberg oder im noch ferneren Dresden egal ist. Und nun der Sportplatzbau. Eigentlich ein gutes, ein sinnvolles Vorhaben. Aber auch hier sind die Dissonanzen zu spüren. Entschieden wird woanders und offenbar ohne wichtige Akteure vor Ort einzubinden. Das ist enttäuschend, unnötig und einmal mehr ein Beleg für das Agieren der Landkreisbehörde mit Landrat Matthias Damm an der Spitze.

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