Wenn der Regierungschef zum Weber wird

Michael Kretschmer scheint sich ins Erzgebirge verliebt zu haben, sogar der Betriebsausflug der Staatskanzlei führte ihn jetzt hierher. Doch das war nicht der einzige Grund.

Clausnitz.

Karin Wunderlich hatte gestern keinen ruhigen Tag. Die Seniorin, die mit ihrem Mann Lothar die Heimatstube in Clausnitz mit Leben erfüllt, ging früh ans Telefon. Am anderen Ende: Ein Mann von der Staatskanzlei. Ministerpräsident Michael Kretschmer wolle vorbeikommen und spontan die Einrichtung besuchen. Überrascht habe sie das, sehr gefreut und natürlich zugesagt, sagt sie gestern.

Gegen 17.45 Uhr war es soweit. Der Regierungschef schreitet zur Tür herein. Ein fester Händedruck, ein paar Worte zur Begrüßung. Karin und Lothar Wunderlich strahlen. Vergessen, dass heute nicht einmal für ein Mittag- geschweige denn Abendessen Zeit blieb. Das Haus hat eine wechselvolle Geschichte. Mehrfach sei es umgebaut worden, nach dem Zweiten Weltkrieg war darin der Konsum, danach die Schulküche, berichtet Lothar Wunderlich. Michael Funke, Bürgermeister von Rechenberg-Bienenmühle, lacht und sagt: "Die Qualität war so lala." Ein weiterer Umbau folgte, schließlich wurde es nach 2010 erneut saniert. "Seit etwa sechs Jahren trägt es den Namen Heimathaus", erklärt Karin Wunderlich, führt dabei den Regierungschef von Raum zu Raum, vorbei an Malereien des Künstlers Gunther Langer. Historische landwirtschaftliche Geräte wie ein Butterfass sind zu sehen, jahrzehntealte Kinderwagen, Puppen, Spielzeuge, selbstredend Pyramiden. Schließlich ein wenige Quadratmeter großer Raum: Die Heuwebstube. Michael Kretschmer setzt sich an den Tisch. "Wie geht das jetzt? Von rechts nach links?" Er nimmt eine Ähre, fädelt sie durch den Rahmen. "Aber jetzt nichts verpfuschen", mahnt Karin Wunderlich. Lachen ist zu hören. "Ich bin deutschlandweit eine der wenigen, die diese Handwerkstradition noch pflegt", fährt Karin Wunderlich fort. Anerkennendes Nicken des Ministerpräsidenten. "Das ist toll, etwas Besonderes", betont Kretschmer.

Nach wenigen Minuten ist der Besuch vorbei. Ein Mitarbeiter der Staatskanzlei drängelt. Die gut 200 Menschen im Saal der Agrargenossenschaft "Bergland" warten.

Schon seit dem Morgen tourte der Ministerpräsident durch die Region. Betriebsausflug der Staatskanzlei. Das Programm, aus dem die etwa 120 Mitarbeiter wählen können - Skiwanderung, Abfahrtsfahren am Skihang Holzhau und Führung durch die Rechenberger Brauerei. Die Region sei so schön, das sollten seine Mitarbeiter sehen, so Michael Kretschmer. Danach folgte ein Gespräch mit Bürgermeistern der Region und Gemeinderäten des gut 1850 Einwohner zählenden Rechenberg-Bienenmühle.

Einen Bericht zum Bürgergespräch lesen Sie auf Seite 2.

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