Wie eine 56-Jährige zum neuen Job findet

Dank eines neuen Vermittlungsmodells konnte eine arbeitslose Hartmannsdorferin eine Stelle antreten. Wie wichtig solche Konzepte sind, zeigen Zahlen ihres Arbeitgebers.

Hartmannsdorf.

Drei, vier, vielleicht fünf Minuten. Mehr hatte Gudrun Schöneich am 8. September nicht, um von einem Mitarbeiter der Komsa etwas über den Telekommunikationsdienstleister zu erfahren - und um von sich zu erzählen. Und doch ist dieser Tag ein sehr guter für sie gewesen: Das Speeddating zwischen Arbeitssuchenden und Arbeitgebern der Region war der Startpunkt für einen neuen Job, den die Hartmannsdorferin nun bei der Komsa angetreten hat.

Die 56-Jährige hat Zootechnikerin gelernt und rund 15 Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Danach sei sie bis vergangenes Jahr in der Gastronomie tätig gewesen, unter anderem in der Caféteria einer Reha-Klinik, berichtet Schöneich. Dann wurde sie arbeitslos. Es folgten zahlreiche Bewerbungen meist auf Jobs in der Produktion, Inserate auf Jobbörsen und Kontakte zu Zeitarbeitsvermittlern. "Es hat aber alles nicht gepasst", berichtet Schöneich.

Vor rund drei Monaten wurde sie eingeladen, an einem von der Arbeitsagentur und dem Jobcenter organisierten Speeddating in Hartmannsdorf teilzunehmen. Das Wort beschreibt eine Methode, Flirt- oder Beziehungspartner zu finden. Sie wird mittlerweile auch bei der Vermittlung von Jobs angewendet. Dabei haben Interessenten wenige Minuten Zeit, um mit einem Arbeitgeber zu sprechen. Danach wechseln sie zur nächsten Firma und es geht von vorne los. Schöneich sagte zu und reihte sich in die Schlange der 22 Personen ein, die am 8. September mit den zwölf Firmen ins Gespräch kommen wollten. "Ich dachte mir, schaden kann es nicht und mit einer gewissen Erwartung geht man ja auch dahin."

Am Tisch der Komsa habe man sie über das Unternehmen, die Tätigkeiten und freie Arbeitsstellen informiert. Schöneich bekundete ihr Interesse. "Ich hatte danach ein gutes Gefühl." Das sollte sich bestätigen. Eine Woche später erreichte sie ein Anruf von Komsa: Sie wurde zu einem Schnuppertag eingeladen, an den sich ein zweiwöchiges Probearbeiten anschloss. Der Lohn der Mühen: Mitte Oktober wurde Schöneich mit einem befristeten Arbeitsvertrag eingestellt. Sie arbeitet im Retourenmanagement, nimmt Pakete mit eingeschickten Geräten entgegen und bereitet sie für die Bearbeitung vor. "Ich bin froh, dass es so gekommen ist", sagt sie.

Schöneich ist eine von drei Interessenten, die von der Komsa nach dem Speeddating eingeladen wurden, sagt Sprecherin Andrea Fiedler. Die anderen beiden seien nicht auf das Angebot eingegangen. Fiedler lobt dennoch das Gesprächsmodell. "Das war eine gute Erfahrung." Ihr Unternehmen schöpfe viele Möglichkeiten aus, um Arbeitnehmer zu finden. Komsa sei auf Messen aktiv, kooperiere mit Bildungseinrichtungen. Wie wichtig das ist, zeigt eine Zahl: 60 Stellen sind bei dem Unternehmen mit 1700 Mitarbeitern derzeit unbesetzt, sagt Fiedler. "Wir müssen für uns werben und uns präsentieren."

Auch die Millfax GmbH aus Hartmannsdorf hat beim Speeddating einen neuen Mitarbeiter gefunden, so Geschäftsführer Torsten Schwaar. Die Firma ist in der Fräsbearbeitung aktiv und zählt 17 Mitarbeiter. Die Suche nach neuen Arbeitskräften gestalte sich schwierig, sagt er. Als die Anfrage zum Speeddating kam, habe er zugesagt. "Ich wollte es mir nur mal anschauen." Gesucht habe er einen Maschinenbediener. In einem der Gespräche habe er jedoch einen Metallbearbeiter kennengelernt. "Die Person hat mich überzeugt und da habe ich gesagt, probieren wir es mal." Der Mann sei nun befristet eingestellt und bearbeite gefräste Teile. "Bis jetzt bin ich sehr zufrieden", sagt Schwaar.

Insgesamt konnten im Nachgang des Speeddating in Hartmannsdorf drei von 22 Teilnehmern in einen neue Anstellung vermittelt werden, teilt die Arbeitsagentur mit. Weitere derartige Treffen fanden in der Region in Burgstädt und Penig statt. Der Geschäftsführer der zuständigen Agentur für Arbeit, Jens Burow, bezeichnet das Speeddating als "Erfolgsmodell". Die Veranstaltungsreihe werde deswegen 2017 fortgesetzt, ergänzt er.

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