AfD bläst in Nentmannsdorf zur Jagd

Nentmannsdorf.

Im Hintergrund beginnen die Berglandmusikanten aus Olbernhau zu spielen - und der Bundestagsabgeordnete Jens Maier ist gut gelaunt. Er hat zur Feier des Tages eine Krawatte umgebunden, wie sie auch der AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland für gewöhnlich trägt: Grün mit goldenen Hunden. Das passende Motiv, findet Maier: "Heute blasen wir zur Jagd."

1200 Personen drängen sich an Biertischen in einer Halle in Nentmannsdorf, in der sonst Material für den angrenzenden Solarpark untergebracht ist. Der AfD-Kreisverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat hier zum Politischen Aschermittwoch geladen. Die Prominenz des rechtsnationalen Parteiflügels hat sich angekündigt: der sachsen-anhaltische Landesvorsitzende André Poggenburg, sein Amtskollege aus Brandenburg, Andreas Kalbitz, und Björn Höcke aus Thüringen. Höcke ist für viele der "Star" des Abends. Immerhin hat er vor einem Jahr in Dresden einen Eklat ausgelöst, als er im Zusammenhang mit dem Holocaust-Mahnmal in Berlin von einem "Denkmal der Schande" sprach. In Nentmannsdorf wird er mit "Höcke, Höcke"-Rufen begrüßt. Dagegen wird Pegida-Gründer Lutz Bachmann, der im Publikum sitzt, kaum beachtet.

Zuerst sprechen aber die anderen. Der sächsische AfD-Landesvorsitzende Jörg Urban gibt die Devise aus: "Um Merkel und Co. zu ertragen, soll das Bier fließen!" Die Menge ist aufgeputscht: "Volksverräter", ruft sie, als Altbundespräsident Joachim Gauck erwähnt wird. "Abschieben! Abschieben!", fordern die Zuschauer, als der Grünen-Politiker Cem Özdemir erwähnt wird. André Poggenburg bereitet dann den Boden für Höcke. Er verschärft den Ton an diesem Abend. In seiner Rede geht Poggenburg auf die Kritik der Türkischen Gemeinde in Deutschland am geplanten Innen- und Heimatministerium ein: "Diese Kümmelhändler haben selbst einen Völkermord von 1,5 Millionen Armeniern am Arsch." Und weiter: "Diese Kameltreiber sollen sich dahin scheren, wo sie hingehören." Die Halle tobt.

Dann kommt Höcke. Er stellt klar: "Der Patriotismus bleibt in dieser Partei immer zuhause." Er dankt Pegida: "Ihr seid manchmal der so notwendige Tritt in den Hintern der Partei." Höcke weiß auch, was seine Zuhörer erwarten. Er schimpft auf die Berliner Politiker und auf die Asylpolitik: "Wir lassen uns unseren Sozialstaat nicht kaputtmachen, wir wollen keine Einwanderung." Die "illegale Armutseinwanderung" müsse auf null gesenkt werden. Mit der AfD gebe es keine Kompromisse mit "den Altparteien". "Widerstand, Widerstand!", schallt es ihm da entgegen. Am Schluss seiner Rede wird Höcke pathetisch: "Wie 1989 streift der Mantel der Geschichte an uns vorbei. Ich sage, halten wir ihn fest und lassen ihn nicht mehr los." Der Rest ist Jubel der Anhänger.

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