Annaberg hofft auf Aufschwung durch Campus

Im Erzgebirge wird mit Millionenförderung vom Bund an Technologien für das Bahnfahren der Zukunft geforscht. Für das Projekt «Smart Rail Connectivity Campus» fährt ein Laborzug auf einer Teststrecke. Die Stadt Annaberg-Buchholz macht sich große Hoffnungen.

Schlettau (dpa/sn) - Im Bummelzugtempo rollt das fahrende Labor über angerostete Gleise im Erzgebirge. Auf der kurvenreichen und nur noch selten touristisch genutzten Strecke zwischen Annaberg-Buchholz und Schwarzenberg ist der Dieseltriebwagen VT 420 für die Erforschung neuer Technologien im Bahnverkehr unterwegs. «Wir arbeiten an der Zukunft», sagt Sören Claus von der Technischen Universität (TU) Chemnitz.

Er ist der Technische Leiter des Projekts «Smart Rail Connectivity Campus» (SRCC). Das Forschungszentrum soll in Annaberg-Buchholz entstehen und langfristig der führende Standort in Europa bei der Entwicklung und Erprobung für digitalisierte, vernetzte, hochautomatisierte und nachhaltige Mobilität werden.

Der Laborzug «Lucy» vom Militär- und Transportkonzerns Thales fährt am Mittwoch sowie am Tag darauf zu Forschungszwecken über die 24 Kilometer lange Strecke, auf der seit 1997 kein regulärer Zugverkehr mehr stattfindet. Mit an Bord sind mehrere Unternehmen: Vodafone testet die Versorgung entlang der Trasse die Verfügbarkeit mit LTE, das Funkwerk Kölleda aus Thüringen sammelt Daten für das Zugsicherheitssystem ECTS und Fusion Systems erfasst per Laserscanner Sensordaten für die Erkennung von Hindernissen.

Im «Smart Rail Connectivity Campus» haben sich unter der Führung der TU Chemnitz inzwischen mehr als 110 Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammengeschlossen. Darunter sind neben der Deutschen Bahn und Thales auch Technologieunternehmen wie Siemens und Nokia sowie das Fraunhofer-Institut, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und verschiedene Hochschulen.

Das Projekt wird als eine von 20 ostdeutschen Initiativen vom Bund mit bis zu 15 Millionen Euro für fünf Jahre aus dem Programm «WIR! - Wandel durch Innovation in der Region» gefördert. «Wir erwarten für die ersten zwei Jahre zwischen fünf und acht Millionen Euro», sagt Rolf Schmidt (Freie Wähler), Oberbürgermeister von Annaberg-Buchholz. «Dafür haben wir mit der TU Chemnitz jetzt zwei Jahre gekämpft», fügt er an.

Während die Technologen im dem mit Schaltschränken, Monitoren und anderer Technik ausgerüsteten Zug Daten erfassen, ist das Stadtoberhaupt in Berlin beim Bundesministerium für Bildung und Forschung, um Details für die Förderung zu erfahren. Laut Projektleiter Claus gibt es nach zwei Jahren eine Zwischenbewertung der Initiative. Bestenfalls stellt der Bund 15 Millionen Euro für fünf Jahre bereit.

Oberbürgermeister Schmidt erhofft sich vom Bau des Forschungszentrums einen Aufschwung für die gesamte Erzgebirgsregion. Es solle helfen, junge Leute für die Region zu interessieren, betonte Oberbürgermeister Rolf Schmidt am Mittwoch bei einem Medientermin in Schlettau. «Wir erhoffen uns viele Studenten und einen Technologieschub», sagte er. Er verfolgt damit überdies die Absicht, das Erzgebirge nicht nur als Region der Tradition darzustellen, sondern als eine moderne Region mit Perspektive. Man wolle das Bild ändern, das das Erzgebirge immer nur mit Nussknackern und Bergbau verbindet. «Das ist wertvoll, aber nicht die Zukunft», betonte er.

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