Awo startet Petition gegen hohe Pflegeheim-Preise

In Sachsen lag der Eigenanteil zu Jahresbeginn noch bei knapp 1300 Euro. Andere Bundesländer zeigen, wo der Trend hingeht.

Chemnitz.

Angesichts drastisch gestiegener Pflegeheim-Preise hat die Arbeiterwohlfahrt (Awo) auf Initiative aus Sachsen eine bundesweite Petition zur Begrenzung der Eigenanteile in der stationären Pflege auf den Weg gebracht. In den Sozialeinrichtungen des Wohlfahrtsverbandes werden ab Montag die Listen zur Unterschrift bereitliegen. Das teilte der Awo-Landesverband mit.

Zur Begründung verwies die Awo auf einen "Fehler im Pflegesystem". So sind die Pflegeheime gesetzlich verpflichtet, mehr Personal einzustellen und dieses besser zu bezahlen. Doch die zusätzlichen Kosten tragen allein die Bewohner, denn die Festbeträge, die aus der Pflegeversicherung an die Heimbetreiber fließen, blieben unverändert. In Sachsen hatten viele Pflegeheime zum Jahresbeginn höhere Preisvereinbarungen mit der Pflegekasse abgeschlossen. Eine steigende Anzahl von Pflegeheim-Bewohnern und ihren Angehörigen sind damit nicht mehr in der Lage, die Eigenanteile zu bezahlen. "Es ist nicht zumutbar, wenn Pflegende, die den Wohlstand unserer Gesellschaft mit aufgebaut haben, nun dazu gezwungen werden, Sozialhilfe in Anspruch zu nehmen", kritisierte Sachsens Awo-Landesvorsitzende Margit Weihnert.

Die bundesweite Awo-Petition, die durch Initiative der Awo Oberlausitz und des Landesverbands Sachsen entstand, richtet sich an den Gesetzgeber mit dem Ziel, das finanzielle Risiko für Pflegebedürftige verlässlich abzusichern. Eigenanteile für Heimplätze müssten in der Höhe begrenzt und über die gesamte Dauer der stationären Pflege planbar sein. Steigende Kosten in der Pflege, so die Forderung, sollten aus Mitteln der Pflegeversicherung getragen werden.

Damit die Petition im Petitionsausschuss des Bundestages behandelt wird, braucht sie bundesweit mindestens 50.000 Unterschriften. Mit der Veröffentlichung, die laut Awo Sachsen voraussichtlich Mitte Februar erfolgen wird, ist auch eine Online-Teilnahme möglich.

In Sachsen lag der durchschnittliche Eigenanteil eines Bewohners für den Pflegeheimplatz nach Angaben des Verbandes der Ersatzkassen Anfang 2019 bei 1279 Euro im Monat und damit im Bundesvergleich noch sehr niedrig. Doch im Freistaat ist der Druck auf die Betreiber zugleich besonders groß, die hier deutlich niedrigen Gehälter weiter zu erhöhen. Damit dürften die Belastungen für die sächsischen Pflegebedürftigen künftig auch überproportional wachsen. Im Bundesdurchschnitt beträgt der Eigenanteil bei einem Pflegeheimplatz rund 1830 Euro, in Nordrhein-Westfalen und im Saarland bereits über 2200 Euro.

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