Bischof für Einebnung eines Priestergrabes nach Missbrauch

Heidenau/Dresden (dpa/sn) - Die Einebnung eines Priestergrabes im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch hat der Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, befürwortet. Betroffene könnten an solchen Gräbern retraumatisiert werden. Darum sei die Einebnung angemessen, «eine ganz selbstverständliche Konsequenz», sagte er dem Online-Nachrichtenportal Sächsische.de.

Nach 50 Jahren Liegezeit wurde die Verlängerung für die letzte Ruhestätte des Ex-Pfarrers Herbert Jungnitsch (1898-1971) in der St.-Georg-Gemeinde in Heidenau (Sächsische Schweiz) abgebrochen. Dieser hatte sich in mindestens vier Fällen der «sexualisierten und körperlichen Gewalt bis zum schweren Missbrauch von Kindern» schuldig gemacht. Schon 2010 hätten sich Betroffene an den damaligen Bischof gewandt und von schwerstem Missbrauch aus den 1960er Jahren berichtet, an dem mindestens sechs weitere Männer beteiligt gewesen sein sollen.

Es dürfe primär nicht mehr um den Schutz der Institution Kirche gehen, betonte Timmerevers in dem Bericht wenige Tage vor Beginn der Frühjahrstagung der Deutschen Bischofskonferenz. «Wir müssen wirklich die Perspektive der Betroffenen einnehmen. Das hat jetzt absolut Priorität.» Dieser Lernprozess bedeute für die Kirche eine Reinigung. Das Entfernen eines Grabsteins sei im Aufarbeitungsprozess ein starkes Symbol.

Bei einer Veranstaltung im Juni sollen zudem die Fakten zu dem Fall in der Gemeinde öffentlich gemacht und «alle auf denselben Kenntnisstand» gebracht werden. Dies sei ein Pilotprojekt, welches auch für andere Gemeinden umsetzbar sein könnte, erläuterte der Bischof.

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