Bundeswehr hilft Forstleuten im Kampf gegen Borkenkäfer

Das Wetter ist gerade perfekt für die Schädlinge. Dieses Jahr breitet sich bereits die dritte Generation aus - mit fatalen Folgen.

Chemnitz/Dresden.

Extreme Trockenheit und warme Witterung sorgen dafür, dass sich der Borkenkäfer immer weiter durch Sachsens Wälder frisst. Ein großes Problem, das nun ein Fall für die Bundeswehr wird - sie wird bei der Bekämpfung der Plage helfen. Wie das sächsische Umweltministerium mitteilte, sind ab Dienstag Soldaten in den Wäldern im Einsatz. Befallenes Holz soll mit ihrer Hilfe schneller entrindet und aus dem Forst gebracht werden, damit sich der Borkenkäfer nicht noch weiter ausbreiten kann.

Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) hatte in einem Schreiben an Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zuvor um schnelle Hilfe gebeten. Neben dem Freistaat Sachsen will auch Sachsen-Anhalt die Hilfe des Militärs in Anspruch nehmen.

Betroffen von der Plage sind in erster Linie Fichtenbestände - die wichtigste Baumart im Freistaat. Der Hauptschädling ist laut dem Staatsbetrieb Sachsenforst hier der Buchdrucker. Für Schäden sorge aber auch die Kupferstecher, der dünnere Fichten und die Kronen älterer Bäume befalle, sagte Sachsenforst-Sprecher Renke Coordes. Bei den Kiefern seien eine ganze Reihe unterschiedlicher Käferarten am Werk. Auch bei den Lärchen gebe es Grund zur Besorgnis - hier breite sich der Lärchenborkenkäfer aus.

Experten haben ausgerechnet, dass es Schäden an Nadelhölzern in diesem Umfang in den zurückliegenden 100 Jahren so noch nicht gegeben hat. Im zurückliegenden Borkenkäferjahr 2018/19 - es geht jeweils von Juni bis Mai - haben die Käfer demnach rund 800.000 Kubikmeter Holz zerstört. Im aktuellen Jahr sei man bereits bei rund 300.000 Kubikmetern. "Wir können davon ausgehen, dass wir bei der Größenordnung des Vorjahres landen werden, wenn nicht sogar darüber", so Coordes.

In den Lagen bis 500 Meter Höhe ist dem Sachsenforst-Sprecher zufolge schon die dritte Generation Borkenkäfer am Werk. Mit jeder Generation vergrößern sich die Schäden um den Faktor 20. Heißt: Von einem Baum, der anfangs befallen wird, werden durch den Nachwuchs 20 weitere zerstört. Wenn sich die Schädlinge ungehindert ausbreiten, würden in der dritten Generation 400 Bäume daraus, sagt Coordes. Das entspreche einem Hektar Wald.

Unter der Trockenheit und Krankheiten sowie dem Schädlingsbefall leiden den Angaben zufolge auch zunehmend Laubbäume. Der Buchenborkenkäfer breite sich bei den Buchen aus. Vor allem im Leipziger Raum gebe es zudem bereits Schäden beim Ahorn durch die Rußrindenkrankheit, für die ein einst aus Amerika eingeschleppter Pilz verantwortlich ist. Befallene Bäume würden absterben. Beim Menschen könne der Kontakt mit dem Material zu Hautreizungen führen oder Allergien auslösen, so Coordes.

Die deutschen Waldbesitzer sprechen angesichts der Borkenkäfer-Plage von einer "Jahrhundertkatas-trophe". Allerdings: Noch größer sind im Freistaat die Schäden, die mehrere Stürme hinterlassen haben. Seit 2017 sind laut Sachsenforst rund 3,2 Millionen Kubikmeter Holz vernichtet worden. Weil viele Waldbesitzer mit dem Aufräumen nicht nachkamen und die Dürre für wenig Harzbildung sorgte, hatte der Borkenkäfer leichtes Spiel, sich schnell auszubreiten.

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    saxon1965
    27.08.2019

    Etwas Kritik muss ich noch los werden.
    Jeder Forstwirt weiß, dass wenn Schadholz (Schnee- u. Windbruch) im Wald verbleibt, es zum Anstieg von Baumschädlingen kommen wird. Hat man dann noch trockenes Wetter wird die Verbreitung des Borkenkäfers (Synonym für alle Arten dieser Baumschädlinge) noch befeuert.
    Da braucht dann die Politik bis zur vierten! Brut, um zu reagieren?! Wann hat denn Herr Schmidt bei der Bundeswehr um Hilfe ersucht?
    Wir sind jedes Jahr der Landwirtschaft zu Hilfe geeilt als Angehöriger der NVA und es waren nicht die schlechtesten Einsätze, besser als Kriegsspiele!
    Und als Tipp: Sollten die Soldaten/innen nicht reichen, es wären da noch welche auf der ganzen Welt verstreut...

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    saxon1965
    27.08.2019

    @Interessierte: So viel ich weiß, sind die Borkenkäfer unter der Rinde noch im Larvenstadium und sterben ab, wenn die Bäume geschält werden. Sicher erledigen die Vögel des Waldes den Rest. Erst als Käfer fliegt der Baumschädling zum nächsten Baum und legt da seine Brut unter der Rinde ab.

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    Interessierte
    27.08.2019

    "Befallenes Holz soll ´mit ihrer Hilfe` schneller entrindet und aus dem Forst gebracht werden, damit sich der Borkenkäfer nicht noch weiter ausbreiten kann.

    Und was wird mit den Massen an abgeschabten Rindenhaufen , worin die Käfer versteckt sind und nun weiter grabbeln und fortfliegen können ???
    Und wohin , wo - werden die denn nun verbrannt oder anderweitig entsorgt ?

    Und warum macht man sich denn bei den Eichenprossessionspinnern so viel Arbeit , warum fällt man denn nicht auch dort die Bäume , oder braucht man kein Eichenholz ?

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    Hinterfragt
    27.08.2019

    @Blackadder; wo bleibt Ihr "Lagebericht" von Ihrem Beitrag im Wald?

    Wie schrieben Sie doch an anderer Stelle?
    "@hinterfragt: Welchen ganz konkreten Beitrag leisten denn Soldaten derzeit zu unserer Gesellschaft? Mal vom Moorabbrennen abgesehen?"



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