Corona-Neuinfektionen weiter gering: Land will mehr testen

Die Corona-Krise wird gern mit einem Marathonlauf verglichen. Statt kurzer Sprints brauche man eher einen langen Atem, heißt es immer wieder. In Sachsen haben Ärzte jetzt ein positive Zwischenbilanz gezogen.

Dresden (dpa/sn) - Sachsen hat nach Ansicht von Ärzten die medizinische Seite der Corona-Krise bislang gut bewältigt. Vertreter der Universitätskliniken in Dresden und Leipzig und des Klinikums Chemnitz stellten dem Krisenmanagement in Sachsen am Freitag gute Noten aus. Christoph Josten, Medizinischer Vorstand des Uniklinikum Leipzig, verglich die Situation mit der Lage in der Lombardei - einem Hotspot der Coronainfektionen in Italien. Dort habe man auf dem Höchststand der Krise für etwa 10 Millionen Einwohner 1300 Intensivbetten nutzen können. In Sachsen seien es für vier Millionen Bürger mehr als 1100 gewesen: «Wir wären selbst in einer Situation wie in der Lombardei nicht an unsere Grenzen gekommen.»

Josten zufolge beträgt die Immunität in Sachsen vermutlich nur ein Prozent, in Bergamo seien es 60 Prozent. Das zeige den Spagat, in dem man sich bewege. Stefan Hammerschmidt, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin IV des Städtischen Klinikums Chemnitz, verglich die Krise mit einem Radrennen. Die erste Etappe sei keine richtige Bergetappe gewesen, sondern habe eher dem «Warmfahren» gedient: «Wir sind bei guter Kondition.» Man könne optimistisch in die Zukunft schauen.

Prof. Uwe G. Liebert, Direktor des Instituts für Virologie am Uniklinikum Leipzig, benutzte dagegen als sprachliches Bild den Marathonlauf. «Ohne die vielen Helfer am Rande der Strecke wäre uns das nicht gelungen», sagt er mit Blick auf das Personal in Krankenhäusern. Man befinde sich in einer glücklichen Situation, dürfe sie aber jetzt durch ein Nachlassen nicht verspielen. Die Gefahr, dass eine zweite Welle der Infektion komme, sei nicht gebannt.

Unterdessen ist die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen in Sachsen am Freitag weiter auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau gestiegen. Nach Angaben von Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) haben sich bisher 5082 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, das sind 36 mehr als am Vortag. 196 Betroffene sind im Zusammenhang mit ihm gestorben, zwei mehr als am Donnerstag.

Die Mortalitätsrate - also der Anteil der Gestorbenen an der Gesamtzahl der laborbestätigten Infektionsfälle - liegt bei 3,9 Prozent. Die Anzahl der Infizierten, die inzwischen wieder genesen sind, wird auf 4450 geschätzt. Im Landkreis Zwickau, dem bisherigen Hotspot bei den Infektionen, wurde in den vergangenen 24 Stunden keine Neuinfektion gemeldet. Köpping kündigte eine Ausweitung der Tests an.

Köpping kündigte auch ein neues Testkonzept an, dass vom Kabinett allerdings noch beschlossen werden muss. Derzeit würden pro Tag im Schnitt 3000 Menschen getestet. Die Kapazität liege aber bei 9500 Test und könnte bei Bedarf auf bis zu 15 000 hochgefahren werden. Dann wäre pro Woche 105 000 Test möglich. Das Robert-Koch-Institut habe aber Richtlinien vorgegeben.

Nach dem neuen Konzept soll in Hotspots vermehrt getestet werden - wenn 35 Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner auftreten. Personal in Krankenhäusern und Rettungskräfte sind dann zum Test verpflichtet. Für Bewohner und Personal in Pflegeheimen, für Mitarbeiter der Jugendhilfe, Schulsozialarbeiter oder Tagesmütter sollen die Tests auf freiwilliger Basis geschehen. Wenn die Schwelle von 50 Neuerkrankungen erreicht wird, sind die Tests für alle diese Berufsgruppen verbindlich. Zu den Kosten will sich Köpping erst nach der Befassung des Kabinetts äußern.

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    3
    Interessierte
    16.05.2020

    Man muß die Menschen ja` schließlich registrieren ..

  • 6
    2
    Hinterfragt
    16.05.2020

    Wie ich schon mal geschrieben habe:
    Keine Tests = keine Infektionen,
    wenige Tests = wenige Infektionen,
    viele Tests = viele Infektionen.

    Die die Neuinfektionen derzeit in den Keller gehen, braucht man natürlich Futter für die "teils" unlogischen Einschränkungen ...

  • 9
    4
    Sterntaler
    16.05.2020

    @Echo1: Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Ich frage mich, was man mit mehr Tests will. Sind die Zahlen die man offiziell verkünden kann nicht hoch genug? Ein Schelm der ....

  • 10
    4
    Echo1
    15.05.2020

    Nur freiwillig. In Altenheimen, in Krankenhäusern, wer mit häuslicher Pflege
    zu tun hat. Gesunde bitte in Ruhe lassen.
    Nicht die Gesunden weiter verrückt machen, psychisch krank machen.
    Wer wirklich Symptome hat bleibt zu Hause, geht nicht arbeiten und dann der Test. Spahns Immunitätsausweis in die Ablage!!!!!!!! Sofort! Und nicht mehr rauslassen.