Ein langes Wochenende für die AfD

Auf ihrem Parteitag im Vogtland soll die Liste für die Landtagswahl aufgestellt werden. Am Freitag dauert es aber Stunden, bis Platz eins gewählt wird.

Markneukirchen.

16 Uhr soll der AfD-Parteitag in Markneukirchen eigentlich losgehen - aber um Viertel nach Vier gibt es in den Sitzreihen viele leere Plätze. Vielleicht gut 250 Mitglieder haben bisher den Weg ins Vogtland gefunden. Diejenigen, die gekommen sind, halten ein Pläuschen oder trinken Kaffee. Die Bühne, auf der das Parteitagspräsidium sitzen wird, ist noch leer. Der Start verzögere sich wegen eines Unfalls auf der Autobahn, wird schließlich durchgesagt. Viele stünden im Stau. 

Noch vor Tagen wurde dem Parteitag, auf dem die AfD ihre Landesliste für die Landtagswahl aufstellen möchte, regelrecht entgegengefiebert. 88 Mitglieder haben bereits vor dem Zusammentreffen ihre Kandidatur für einen der 61 Plätze angemeldet. 

Der Parteitag hat aber einiges von seiner Dramatik verloren, weil der interne Machtkampf zwischen AfD-Parteichef Jörg Urban und dem AfD-Bundestagsabgeordneten Tino Chrupalla vertagt wurde. Lange hatte es sich Chrupalla offengehalten, ob er mit Urban um Listenplatz eins konkurriert. Seit Dezember gab es im Hintergrund intensive Gespräche dazu. Am Rande des Riesaer AfD-Europaparteitags Anfang Januar sah es bereits so aus, als ob man eine Lösung für den internen Zwist gefunden hätte. Aber erst Anfang dieser Woche war klar, dass Urban die formale Spitzenkandidatur sicher hat. Er musste gleichwohl, um den Frieden in der Partei abzusichern, zugestehen, dass mit Listenplatz eins nicht der Anspruch verbunden wird, auch der natürliche Ministerpräsidenten-Kandidat zu sein. Die Entscheidung, wen die AfD dazu ausruft, soll erst im Sommer fallen. 

Die Granden der Bundespartei sollen dieses Vorgehen favorisieren. Chrupalla gilt als ihr Favorit. Selbst wenn beispielsweise Bundesparteichef Alexander Gauland im Dezember öffentlich gesagt hat, dass sowohl Urban als auch Chrupalla dafür geeignet seien.

Mit einem offenen Schlagabtausch wird in Markneukirchen erst ab Listenplatz drei gerechnet. Der zweite Platz ist dem Vernehmen nach für Generalsekretär Jan Zwerg reserviert. Er hat sich in der Partei einen Ruf als "Ausputzer" erarbeitet. Von internen Konflikten dringt seit seinem Amtsantritt im Februar kaum noch etwas nach außen. Er wolle die nächste "Fraktion zusammenhalten, genau wie ich mich für den Zusammenhalt des Landesverbandes stark mache", teilt er in seiner schriftlichen Bewerbung mit. Öffentlich tritt Zwerg dagegen kaum als Generalsekretär in Erscheinung - und falls doch, dann mit dezidiert markigen Tönen. Als im Sommer vergangenen Jahres 600 Flüchtlinge die Grenzzäune der spanischen Exklave Ceuta in Marokko überwanden, verlangte er Konsequenzen für Deutschland: "Grenzen dicht und in letzter Konsequenz auch von der Schusswaffe Gebrauch machen."

Um 17 Uhr übernimmt die Parteitagsregie, da der Saal deutlich voller geworden ist. Der Parteivorsitzende Jörg Urban begrüßt die nun rund 350 Mitglieder und ermahnt sie gleichzeitig: "Liebe Freunde, lasst uns dieses Wochenende in guter Stimmung, aber auch mit Geschlossenheit und mit Verantwortungsbewusstsein gestalten." Der sächsische Wähler setze große Hoffnungen in die AfD. "Wählen wir also unsere Besten, unsere Kompetentesten und unsere Bodenständigsten."

Danach gilt es, Organisatorisches zu klären. Unter anderem wird die Zählkommission bestimmt. Gegen 20 Uhr drängt die Zeit, die Halle ist nur bis 21 Uhr reserviert. Und der Parteitag hat bestimmt, dass über alle Plätze in Einzelwahl abgestimmt werden muss. Jeder Kandidat erhält sieben Minuten Redezeit, dazu kommt Zeit für bis zu drei Nachfragen. Der Antrag, den Parteitag aus Zeitgründen gleich auf Samstag zu vertagen, scheitert aber. 

Jörg Urban hält gegen 20.15 Uhr seine Bewerbungsrede um Platz eins. "Geben wir Sachsen eine blaue Zukunft", sagt er. Der Parteitag jubelt. Kurz nach 21 Uhr wird verkündet: Er ist mit 85,4 Prozent gewählt. Der AfD steht dagegen noch ein langes Wochenende bevor.

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