Erstmals seit Jahren wieder mehr leere Wohnungen in Sachsen

Obwohl gerade in den Großstädten in guten Lagen bezahlbare Wohnungen oft Mangelware sind, warnt die Wohnungswirtschaft vor Panikmache und zuviel Druck bei Neubau.

Dresden/Chemnitz.

In Sachsen stehen erstmals wieder etwas mehr Wohnungen leer. Nach Angaben des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vdw) blieben im vergangenen Jahr im Schnitt 10,3 Prozent der Mietwohnungen ungenutzt, 2017 waren es noch 9,9 Prozent. Selbst in Städten wie Dresden, Leipzig und Chemnitz sei die Quote von 4,4 auf 4,8 Prozent gestiegen, sagte vdw-Direktor Rainer Seifert am Dienstag in Dresden. Auf dem Land seien sogar 14,5 Prozent der Wohnungen ohne Mieter. Demnach betrug der Leerstand bei den Verbandsunternehmen in den drei sächsischen Großstädten insgesamt 6100 Wohnungen, in den ländlichen Regionen 24.700. Der Verband vertritt rund 130 Unternehmen mit mehr als 300.000 Mietwohnungen. Das ist etwa ein Viertel des Gesamtbestandes in Sachsen.

Seifert warnte angesichts dieser Zahlen vor Panikmache vor einer drohenden Wohnungsnot und Aktionismus gerade in den Metropolen. Zwar begrüße die Wohnungswirtschaft in den Städten "Neubau mit Augenmaß". "Jetzt aber innerhalb weniger Monate Tausende neue Wohnungen in Leipzig, Dresden und Chemnitz aus dem Boden stampfen zu wollen, überhitzt den Markt und treibt die Grundstücks- und Baupreise unnötig in noch höhere Dimensionen", so Seifert. Seit 2010 sind die Baupreise in Deutschland laut Statistischem Bundesamt um fast 25 Prozent gestiegen.

Nach Einschätzung des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG), der Anfang März eine Analyse vorgestellt hatte und der in Sachsen über rund 275.000 Wohnungen verfügt, hat jeder fünfte Haushalt in Sachsen wegen zu geringer Einkommen Probleme bei der Wohnungssuche. Die Betroffenen könnten entweder die gewünschte Wohnung gar nicht erst anmieten oder blieben auf bestimmte Regionen und Quartiere beschränkt, hieß es.

In den drei sächsischen Großstädten liegt die durchschnittliche Kaltmiete bei den im vdw organisierten Unternehmen bei 5,53 Euro pro Quadratmeter. Das sind 13 Cent mehr als 2017. Sachsenweit sind es 5,12 Euro, acht Cent mehr als im Jahr zuvor. "Die Mieten bleiben auf einem stabilen und sehr günstigen Niveau", betonte Seifert mit Blick auf die Mietentwicklung in westdeutschen urbanen Zentren. Einem Vergleich der Mietspiegel von 350deutschen Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern zufolge lag der durchschnittliche Mietpreis für die Beispielwohnung von 65 Quadratmetern in Deutschland im Vorjahr bei 6,92 Euro pro Quadratmeter.

Die vdw-Unternehmen investierten 2018 rund 384 Millionen Euro in Neubau, Instandhaltung und Modernisierung. In diesem Jahr sind Investitionen von 486 Millionen Euro geplant. Die Mittel fließen demnach sowohl in die Metropolen als auch in den ländlichen Raum. In diesem Zusammenhang tritt Seifert mit Nachdruck der Empfehlung einer aktuellen Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle entgegen, vor allem die großen Städte zu stärken. "Wer den ländlichen Raum vernachlässigt, der verschärft die Probleme in den Metropolen und akzeptiert, dass viele Landstriche aufgegeben werden." Dabei bezieht er sich auch auf die Ergebnisse einer selbst beauftragten repräsentativen Umfrage. Demnach sehen in Sachsen doppelt so viele Menschen den Staat eher für die Strukturförderung auf dem Land in der Pflicht, als sich um stabile Mieten in den Metropolen zu kümmern. (mit dpa)

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