Hebammen suchen und finden

Seit Herbst 2017 finanziert der Freistaat in Dresden eine Koordinierungsstelle für Hebammen. Die zuständige Ministerin sichert weitere Hilfe zu - auch wenn es nicht nur positive Nachrichten gibt.

Dresden.

Es ist noch nicht so lange her, da klangen die Zahlen ziemlich alarmierend. Weil sich die Beiträge zur Berufshaftpflicht innerhalb von 15 Jahren verzehnfacht hatten, schien es durchaus naheliegend zu sein, dass viele freiberufliche Hebammen ihren Beruf aufgeben - zumal nicht mal klar war, wie viele es überhaupt noch gibt. Selbst der Hebammenverband war zwischenzeitlich davon ausgegangen, dass in Sachsen nur noch 70 Freiberuflerinnen aktiv seien - also viel zu wenig, um ganz Sachsen abzudecken.

Inzwischen spricht Verbandschefin Stephanie Hahn-Schaffarczyk von etwa 550 bis 600 Hebammen, die in Sachsen freiberuflich tätig sind. Beruhigend wirkt auch etwas anderes - die seit Monaten zu beobachtende Eintracht von Regierung, Opposition und Hebammen. Entscheidend dazu beigetragen hat ein von der Grünen-Landtagsfraktion initiierter Runder Tisch, dem sich auch Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) - die nach eigenen Angaben früher selbst Hebamme werden wollte - nicht verschloss. "Uns eint das Ziel, in Sachsen eine gute Hebammenversorgung zu erreichen", sagte sie der "Freien Presse" und lobte das "konstruktive Miteinander", über das sie sich auch als Familienministerin freue.

Grünen-Sozialpolitiker Volkmar Zschocke zog nach dem dritten Treffen des Runden Tisches im Juni ebenfalls ein positives Fazit: Er sprach von "eineinhalb Jahren intensiver Arbeit", die auch Wirkung entfaltet habe. Tatsächlich waren auf Antrag der Grünen im Doppelhaushalt 2017/18 jährlich jeweils 175.000 Euro für ein neues "Programm zur Sicherung der Hebammenversorgung" eingestellt worden. Mit dem Geld wurde im Herbst 2017 eine Koordinierungsstelle in Dresden geschaffen - auf deren Internetseite sich schon jetzt werdende Eltern nach verfügbaren Hebammen erkundigen und umgekehrt. Flächendeckend ist die virtuelle Vernetzung noch nicht, was allein die noch beschränkte Auswahl an örtlichen Alternativen zeigt - aber knapp 40 Hebammen mit Kontaktdaten sind zumindest ein Anfang.

Wie es im Land mit der flächendeckenden Versorgung durch Hebammen aussieht, soll eine im Auftrag von Klepschs Ministerium angefertigte Studie aufzeigen, die zwar schon am Runden Tisch präsentiert wurde, aber bislang noch nicht veröffentlicht ist. Klepsch zufolge wird sich daraus ableiten lassen, "welche Maßnahmen in den Regionen Sachsens für eine ausreichende Hebammenversorgung notwendig sind".

Bereits seit 1. Juni ist eine Förderrichtlinie in Kraft, auf deren Basis Hebammen, die erstmals oder wieder freiberuflich in Sachsen tätig sein wollen und sich zur Erweiterung ihres Leistungsspektrums an Kassenleistungen für mindestens 36 Monate verpflichten, einen Gründungszuschuss von 5000 Euro erhalten können. Ebenfalls geregelt ist darin eine Aufwandsentschädigung für Hebammen, die werdenden Kolleginnen die in der Ausbildung verlangten Praktika ("Externate") anbieten.

Für eine solche Unterstützung der praktischen Ausbildung hatte sich auch der Hebammenverband immer wieder starkgemacht - dessen Vorsitzende Hahn-Schaffarczyk nun auf eine "langfristige Unterstützung durch den Freistaat" hofft. Diese mahnt ebenso der Grüne Zschocke an, der neben der vom Runden Tisch befürworteten Fortsetzung des Landesprogramms durch entsprechende Finanzierung im nächsten Doppelhaushalt und erhöhten Ausbildungskapazitäten auch eine Überprüfung des Bettenbedarfs in den Geburtskliniken verlangt.

Ministeriumssprecher Jörg Förster versichert zwar, dass "die flächendeckende Versorgung mit insgesamt 40 Geburtsstationen im Freistaat Sachsen nach wie vor sichergestellt" sei. Er räumt aber zugleich ein, dass seit 2015 immerhin fünf Geburtsstationen geschlossen wurden: in Sebnitz, Oschatz, Stollberg, Hartmannsdorf und Bischofswerda. Zu den Gründen habe neben dem Rückgang von Geburtenzahlen oder der nicht mehr möglichen Absicherung der Neugeborenen-Versorgung durch einen Kinderarzt auch etwas anderes gehört - "die schwieriger gewordene Absicherung mit einer ausreichenden Anzahl von Hebammen".

www.hebammen-sachsen.de

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