Hohe Beteiligung nützt der AfD

Im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl 2014 sind deutlich mehr Wähler zur Wahlurne gegangen. Das hat zu starken Veränderungen in der Parteienlandschaft geführt. Die Regierungsbildung könnte schwierig werden, da bei einigen Themen die Ansichten auseinander gehen.

Dresden.

Bei der Landtagswahl in Sachsen hat die CDU ihr bisher schwächstes Ergebnis im Freistaat eingefahren, obwohl die Christdemokraten mehr als 50.000 Wählerinnen und Wähler mehr überzeugen konnten als 2014. Die Regierungspartei verlor minus 7,3 Prozentpunkte, weil sie nicht ausreichend frühere Nichtwähler für sich mobilisieren konnte. Das gelang der AfD besser, weshalb sie das stärkste Plus einer Partei bei Landtagswahlen in Ostdeutschland erzielen konnte. Sie legte um 17,7 Prozentpunkte auf 27,5 Prozent zu.

Von den etwas mehr als 600.000 früheren Nichtwählern gaben nach Erhebungen der Wahlforscher von Infratest dimap diesmal 246.000 ihre Stimme der AfD. Für die CDU entschieden sich dagegen nur 162.000 frühere Nichtwähler. Zudem verloren die Christdemokraten viele Wähler an andere Parteien. Nur rund 390.000 der 645.000 Wähler, die sich 2014 für die Union entschieden hatten, blieben bei der Stange. Allein 84.000 wechselten zur AfD, während die CDU nur rund 3000 aus deren Wählerreservoir gewinnen konnte. Auch der demografische Wandel traf die CDU überproportional. 61.000 frühere CDU-Wähler waren in der Zwischenzeit verstorben.

Infratest dimap berechnet diese Daten auf Grundlage eigener Befragungen, des vorläufigen Endergebnisses sowie weiterer amtlicher Statistiken. Die Werte sind eine grobe Schätzung dafür, wie viele Wähler eine Partei im Vergleich zur vorherigen Wahl halten konnte und wie viele zu und von anderen Parteien ab- oder zugewandert sind.

Dass die Christdemokraten trotz der Verluste den ersten Platz behaupten konnten, lag den Erhebungen zufolge nicht zuletzt an Stimmen auch aus dem linken Lager. Offenbar gab es in anderen Parteien Wähler, die unbedingt verhindern wollten, dass die AfD in Sachsen stärkste Partei wird.

So machten 34.000 Wählerinnen und Wähler, die zuvor für die Sozialdemokraten gestimmt hatten, diesmal das Kreuzchen bei der CDU. Auch die Linkspartei verlor rund 30.000 Stimmen an die Christdemokraten, was aber nur zum Teil ihren kräftigen Einbruch erklärt. Die Linken verloren auch 27.000 Stimmen an die AfD und weitere 19.000 an die SPD. Auch die Überalterung des Wählerpotenzials machte sich bemerkbar. Mehr als 10 Prozent der rund 309.000 Linken-Wähler von 2014 sind verstorben und konnten nicht mehr zur Wahlurne schreiten.

Ziemlich unorthodox haben sich bei dieser Landtagswahl die 170.000 Neuwähler verhalten, die erstmals ihre Stimme bei einer Landtagswahl abgeben konnten. Bei ihnen siegten mit 24.000 Stimmen die sonstigen Parteien, gefolgt von den Grünen mit 20.000 und der AfD mit 17.000 Stimmen. Nur 12.000 junge Menschen konnte die CDU für sich gewinnen. Für die CDU sind das für künftige Wahlen keine guten Aussichten, denn sie ziehen relativ wenig Erstwähler an, verlieren aber mit Abstand die meisten Wählerinnen und Wähler durch Wegzug und Tod.

Hinzu kommt, dass Sachsens Christdemokraten ihr stabilstes Wählerpotenzial in den höchsten Altersgruppen haben. So haben in der Gruppe 70 Jahre und älter 45 Prozent ihr Kreuz bei der CDU gemacht - nur 2 Prozentpunkte weniger als 2014. Auch die 60-bis 69-Jährigen sind mit 37 Prozent CDU-Wählern stark vertreten. Bei den Unter-45-Jährigen liegt der Anteil deutlich unter 30 Prozent. Die AfD hat ihren höchsten Stimmenanteil mit 32 Prozent in der Gruppe von 45 bis 59 Jahren und schneidet auch bei jüngeren Jahrgängen besser ab.

Trotz des Wahlerfolgs hat die AfD in Sachsen nach den Erhebungen der Forschungsgruppe Wahlen ein klares Negativimage. Allerdings begegnen die Sachsen der AfD mit merklich weniger Distanz als die Wahlberechtigten in anderen Bundesländern. Gewählt wird die AfD von 28 Prozent als "Denkzettel" und von 70 Prozent "wegen ihrer politischen Forderungen". In Brandenburg erbrachten die Befragungen der Forschungsgruppe durchaus andere Ergebnisse. So gab die Mehrheit der AfD-Wähler in Brandenburg (53 Prozent) als Motiv für ihre Wahlentscheidung an, den anderen Parteien einen Denkzettel verpassen zu wollen und nur 43 Prozent die Partei wegen ihrer Inhalte zu wählen. Bei der Landtagswahl in Bayern im Oktober vorigen Jahres erreichte die AfD nur 10,2 Prozent. Dort gaben 78 Prozent der befragten Wähler an, dass sie in dieser Partei rechtsextremes Gedankengut als weit verbreitet sehen. Dem stimmen in Sachsen immerhin 62 Prozent der Wähler zu. Das schlechte Image der Partei schlägt sich im Freistaat Sachsen aber viel weniger im Wahlverhalten nieder.

Zur Wahlpräsentation: Alle Daten aus den Gemeinden und Wahlkreisen

Bildstrecke: Das sind die Mitglieder des neuen Landtags

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    2
    gelöschter Nutzer
    02.09.2019

    Na selbstverständlich. Jetzt hat man ja auch eine Alternative!



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