IWH: Fördergelder verzögern Angleichung von Ost und West

Frankfurt/Halle (dpa) - Fehler in der Verteilung staatlicher Fördergelder sind nach Ansicht des Ökonomen Reint E. Gropp mitverantwortlich dafür, dass Ostdeutschland auch 30 Jahre nach der Einheit wirtschaftlich nicht das West-Niveau erreicht. «Mit Subventionen wollte der Staat in Ostdeutschland den Strukturwandel von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft schaffen. Langfristig haben diese Fördergelder aber dazu geführt, dass die wirtschaftliche Annäherung zwischen Ost und West länger dauert», analysiert der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt am Main.

«Die Politik wollte vor 30 Jahren im Osten ein Westdeutschland schaffen, das aussieht wie Westdeutschland 1989. Dabei wurde ignoriert, dass Westdeutschland sich bereits in einem Strukturwandel hin zur Dienstleistungsbranche befand», sagt Gropp.

In einer Studie im März 2019 war das IWH zu dem Ergebnis gekommen, die Politik habe im Osten Deutschlands mit milliardenschweren Fördermitteln über die Jahre auch Schaden angerichtet. Die Subventionen hätten Unternehmen verleitet, nicht benötigte Arbeitsplätze zu erhalten. Deshalb seien Firmen im Osten noch immer weniger produktiv als im Westen.

«Dieses Bestehen auf gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland hat in die Irre geführt», befand Gropp seinerzeit und empfahl mit Blick auf ländliche Regionen: «Wir sollten aufhören, dort auf Teufel komm raus Arbeitsplätze zu erhalten.»

Von den damaligen Ergebnissen sei nichts zurückzunehmen, bekräftigte der Wissenschaftler nun - im Gegenteil: «Es wäre sinnvoller, Infrastruktur für kreative Köpfe in den Städten zu schaffen, anstatt eine Fabrik auf der grünen Wiese mit hohen staatlichen Fördergeldern zu bauen», sagte Gropp der Deutschen Presse-Agentur.

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