Kirchgemeinden in Sachsen verlieren tausende Mitglieder

Die evangelische Kirche reagiert mit der Zusammenlegung von Gemeinden. Eine Gruppe von Gläubigen, so erklärt sie, habe man vernachlässigt.

Dresden/Chemnitz.

6470 Menschen sind im vergangenen Jahr aus der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens ausgetreten, fast 300 mehr als im Vorjahr. Hinzu kommt ein Ungleichgewicht von Taufen und Sterbefällen. Damit hat Sachsens größte christliche Kirche 2018 insgesamt 12.794 Mitglieder verloren. Das entspricht einem Minus von 1,85 Prozent. Diese Zahlen gab das Landeskirchenamt am Freitag in Dresden auf Anfrage bekannt.

Demnach gehörten Ende 2018 noch 677.064 Menschen der evangelischen Landeskirche an, deren Gebiet nahezu den gesamten Freistaat Sachsen (ohne Görlitz, Torgau und Delitzsch) sowie einen kleinen Teil Thüringens umfasst. Die rückläufige Entwicklung folgt einem langjährigen Trend, der sich wohl weiter fortsetzen wird. So hatte die Landeskirche bereits vor drei Jahren eine Prognose veröffentlicht, nach der die Anzahl der Gemeindemitglieder bis 2040 auf 420.000 zurückgehen wird. Die Konsequenzen: Von 550 Pfarrstellen sollen langfristig 230 abgebaut werden. Die Zusammenlegung von Kirchgemeinden und Kirchenbezirken hat bereits begonnen.

So wurde etwa zum 1. Juli der Kirchenbezirk Glauchau-Rochlitz aufgelöst und die dortigen Kirchgemeinden den Nachbarbezirken zugeschlagen. Anfang 2020 wird dann auch der Kirchenbezirk Auerbach mit Plauen zum Kirchenbezirk Vogtland vereinigt. Im Raum Freiberg wird die Anzahl der eigenständigen Kirchgemeinden zum Jahreswechsel von 15 auf 6 sinken.

"Dass unsere Landeskirche jedes Jahr Mitglieder verliert, ist leider eine Tatsache und beschäftigt uns nun schon seit vielen Jahren", sagte der evangelische Landesbischof Carsten Rentzing. Es mache ihn traurig, dass die Botschaft von Jesus Christus viele Menschen nicht mehr erreiche. Zugleich fühle er sich herausgefordert, umso leidenschaftlicher für das Evangelium einzutreten.

Rentzings Sprecher Matthias Oelke sprach von einer gesunkenen Bindungsfähigkeit der Kirchen in einer individualisierten, aber auch politisch gespaltenen Gesellschaft. Man versuche mit Glaubenskursen, Taufsonntagen und offenen Kirchen gegenzusteuern, aber auch mit christlichen Kitas und Schulen. Oelke sagte, besonders viele Menschen träten am Anfang ihres Berufslebens im Alter zwischen 25 und 35 Jahren aus der Kirche aus - auch weil sie durch Studium und Arbeit aus ländlichen Gebieten in Großstädte abwanderten und dort den Kontakt zur Kirche verlören. "Da haben wir ein Defizit", sagte der Sprecher des Landeskirchenamtes.

Auch die in Sachsen kleinere katholische Kirche verlor Mitglieder. Im Bistum Dresden-Meißen gab es Ende 2018 noch 141.717 Katholiken - 623 oder 0,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Seit 2010 hatte es mehrere Jahre ein leichtes Wachstum gegeben. Bischof Heinrich Timmerevers sprach von einem schweren Fahrwasser, in dem sein Kirchenschiff unterwegs sei. "Fast 1700 Gläubige haben in unserem Bistum im letzten Jahr ihrer Kirche den Rücken gekehrt. Eine Zahl, die wehtut, die betroffen und nachdenklich macht." Als Folge bleibe viel zu tun. Der Bischof kündigte an: "Beim Thema sexueller Missbrauch wollen wir mit Blick auf Aufarbeitung, Konsequenzen und starke Präventionsarbeit weiter vorankommen."

Bewertung des Artikels: Ø 3.3 Sterne bei 4 Bewertungen
10Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    OlafF
    22.07.2019

    Vulven malen und "schöner kommen" mag ja für einige sehr interessant sein, es beantwortet jedoch wohl nicht die meisten Fragen unserer Zeit. Die Gläubigen suchen Antworten auf Fragen, wie reagiert man als Christ auf wechselnde Wertevorstellungen, andere Lebensentwürfe und wie weit darf Toleranz in unserer Gesellschaft gehen ? Darf der Glaube und/oder der Humanismus dazu führen, sich selbst aufzugeben?

  • 3
    3
    Interessierte
    21.07.2019

    Die Zeiten ändern sich für alle , warum dann nicht auch für Kirche …
    Und :
    …. auch weil sie durch Studium und Arbeit aus ( ländlichen ) Gebieten in Großstädte abwanderten und dort den Kontakt zur Kirche verlören …
    ( da sieht man mal , was die Freiheit so alles mit sich gebracht hat und man wohl auch nicht mehr die nötige Ruhe zum Beten hat …..

  • 6
    3
    Lesemuffel
    20.07.2019

    Wenn die Kichenoberen den Mut und die Zivilcourage wie in Zeiten bis 1989 hätten, könnte man ja wieder eintreten und hätte somit eine Heimat im politisch orientierungslosen Land.

  • 8
    1
    Maresch
    20.07.2019

    Gott braucht auch keine Kirche :-)

  • 7
    0
    Jemand
    20.07.2019

    CPärchen: "... demographischer Wandel in Verbindung mit neuen Prioritäten reduziert den Bedarf an Religion nunmal."

    Dass der Bedarf reduziert ist, würde ich gar nicht mal unterstreichen. Vielmehr ist es so, dass die "christliche Botschaft" (also dass wer glaubt Jesus ist der Sohn Gottes in den Himmel kommt und alle andern in die Hölle - um es mal stark zu verallgemeinern) vielen Menschen nicht mehr glaubhaft erscheint. Sie werden aber nicht zu Atheisten, sondern wandern ab in die Esoterik-Szene und suchen dort ihr Heil (für den Esoterikmarkt ein Bombengeschäft).

    Schlimm ist, dass die beiden Kirchenkonzerne trotz schwindender Mitglieder immer mehr Geld aus der öffentlichen Hand bekommen.

  • 14
    0
    2PLUTO6
    20.07.2019

    Ich bin selbst getauft und konfirmiert. Bin aber aus verschiedenen Gründen aus der Kirche ausgetreten. Die Kirche wird ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht. Ich habe viel Heuchelei und Unerlichkeit erfahren.

  • 10
    1
    franzudo2013
    19.07.2019

    Ein Bedford-Strohm ist einfach zum davonlaufen. Genau so wie ein Marx.

  • 4
    1
    CPärchen
    19.07.2019

    Einen schönen Artilel gehört, wo es darum ging, dass Bistümer zusammen gelegt werden, nicht aber der Wasserkopf reduziert.

    Naja... demographischer Wandel in Verbindung mit neuen Prioritäten reduziert den Bedarf an Religion nunmal.

  • 10
    2
    Lesemuffel
    19.07.2019

    Diese Amtskirche ist voll auf den linksgrünen Merkel Kurs eingeschwenkt und ist fern jeder Kritik und fern der aufrechten Positionen im Interesse der
    Menschen von 1989. Man kann auch gläubig sein und bleiben ohne diese Apeaser.

  • 13
    5
    ralf66
    19.07.2019

    Wenn man demokratisch zu Kirchentagen unliebsame Schäfchen als nicht Willkommen betrachtet, wenn man denkt, man muss in das politisch Korrekte Horn mit hineinblasen oder in irgendeiner Richtung politisieren, dann wird das halt so, da bleiben die Menschen weg.



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