Kreative Köpfe zeigen: So geht sächsisch

Gut 200 Vorschläge sind bei einem Ideenwettbewerb für den Tourismus in Sachsen eingegangen. Ein Treffen der Finalisten beweist, wie viel frisches Denken und Lebenslust im Erzgebirge zu Hause sind.

Lauter-Bernsbach.

Von der urigen Tenne hinterm Hotel Danelchristelgut schaut man weit in die sattgrüne Landschaft des Erzgebirges, drinnen herrscht an diesem Mittwoch kreative Emsigkeit: Sachsen geht neue Wege bei der Ideensuche für den Tourismus. Erstmals hatte die Staatskanzlei innerhalb der Imagekampagne "So geht sächsisch" einen Wettbewerb ausgelobt. "Deine Idee für Deine Region" lautete das Motto - insgesamt 224 Vorschläge gingen dafür ein. Die besten 30 werden nun in Ideenwerkstätten zusammen mit Designern, Kommunikationsprofis und Künstlern weiterentwickelt.

Nach dem Auftakt in Lohmen in der Sächsischen Schweiz trafen sich diese Woche zehn Finalisten-Teams in Lauter-Bernsbach, wo vor allem Projekte für das Erzgebirge und das Vogtland vorgestellt wurden (darunter die nebenstehenden). "So bringen wir wirklich mal andere Blickwinkel in den sächsischen Tourismus", sagte Andrea Kis vom Landestourismusverband Sachsen. In dem Ideenwettbewerb arbeitet der Verband erstmals mit dem 2017 gegründeten Sächsischen Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft (Kreatives Sachsen) zusammen, das sich für die Förderung von Kulturschaffenden und Kreativen einsetzt. "In der Region herrscht gerade eine riesige Aufbruchstimmung", sagt Josephine Hage von Kreatives Sachsen. Und das betreffe nicht nur Leipzig und Dresden. Auch im ländlichen Raum gebe es viel frisches Denken.

Nach einer dritten Ideenwerkstatt in Grimma wird eine Jury sieben Sieger ermitteln, die am 12. Juni in Dresden mit Preisgeldern von insgesamt 50.000 Euro ausgezeichnet werden. Alle prämierten und umgesetzten Ideen werden 2021 auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) präsentiert. Sachsen ist 2021 Partnerland der ITB.

Andreas Hösel (l.) und Matthias Vorberg aus Zwönitz importieren Holzhäuser und bauen sie für Kunden in der Region auf, die können auch selbst mit anpacken. Doch wie lebt es sich darin? Als Werbeplattform für ihre Firma Erzholzhaus haben sie sich ein Tourismus-Projekt ausgedacht, bei dem man das Wohngefühl testen kann. Die beiden jungen Männer wollen eine kleine Siedlung von Minihäusern "von modern bis Alpinhüttenstil" bauen, die alle ein, zwei Jahre umzieht. Diese Tiny Houses kann man einfach auf Anhänger verladen und an einen anderen Ort bringen. "So können wir den Leuten die schönsten Orte im Erzgebirge zeigen", sagt Andreas Hösel.

Thomas Löwinger aus Dresden geht gern Eisklettern. "Doch durch den Klimawandel wird das immer problematischer - und die Alpen sind weit weg", sagt er. So kam er auf die Idee einer künstlichen Kulisse fürs Eisklettern im Erzgebirge. An der Bobbahn in Altenberg gibt es schließlich die entsprechende Kühltechnik. "Da muss es doch gelingen, einen Turm zu vereisen, der 20, 30 Meter hoch ist", sagt Löwinger. Auch Eiskletter-Weltcups könnten dort stattfinden. Selbst im Sommer soll der "Yeti-Park" nutzbar sein - mit Rutsche. Er habe schon mit dem Betreiber der Bobbahn und dem Bürgermeister Kontakt aufgenommen: "Die waren begeistert."

Juliane Zönnchen aus Dresden (vorn) hat einen siebenjährigen Sohn, der sie oft mit Fragen löchert. Besonders genau möchte er wissen, was an dem Ort geboten wird, den die Familie für den Wochenendausflug ausgesucht hat. Doch die schönen Schlossfotos im Internet und die Erläuterungen in Erwachsenensprache überzeugen ihn nicht. Die Lösung: "Sachsendingsda" - ein Tourismusportal von Kindern für Kinder, das Juliane Zönnchen mit Marika Brückner (Mitte), der Pädagogin Wiebke Bickhardt und einem Testkind weiterentwickelte. Und was empfiehlt das Portal? Zum Beispiel den Wasserspielplatz, den ein Team aus dem Vogtland als Idee einbrachte.

Markus Weber, Thekla Nowak, Franziska Heinze und Lars Dahlitz (von links) Absolventen der Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg. Nach dem Studium blieben sie in Schneeberg hängen. "Man hat das Kleinstädtische lieben gelernt, wohnt hier billig und kann von dem Geld leben, das man verdient", sagt Franziska Heinze. Sie mögen auch das Siebenschlehener Pochwerk, finden es aber schade, dass das Technische Museum im Ort nicht noch mehr genutzt wird. Sie möchten dort ein Festival etablieren, auf dem alte Handwerkskunst aus dem Erzgebirge gezeigt wird - vom Handschuhmachen über Klöppeln, Drechseln und Schnitzen bis zum Zinngießen.

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 3 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...