Kretschmer: Demonstranten «nicht ernst nehmen wäre falsch»

Berlin (dpa) - Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer will Demonstranten gegen die Corona-Beschränkungen ernst nehmen. «Ich möchte verstehen, was die Menschen umtreibt. Das ist eine zwingende Voraussetzung dafür, dass dieses Land sich nicht weiter spaltet», sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. «Diese Leute nicht ernst nehmen wäre falsch.» Dem Politiker zufolge könnte die Zahl der Demonstranten zunehmen, wenn Menschen mit kritischen Positionen «sofort in eine Ecke gedrängt und als Gesprächspartner ausgeschlossen» würden.

Kretschmer hatte am Samstag in Dresden eine Stunde lang Gespräche mit Demonstranten bei Protesten gegen die Corona-Maßnahmen geführt und dafür viel Kritik geerntet. Auch weil er dabei keinen Mundschutz trug. Er hatte die Gespräche bereits Anfang der Woche verteidigt. In dem Funke-Interview räumte er aber ein, dass es angesichts der vielen Menschen besser gewesen wäre, eine Maske aufzusetzen.

Der CDU-Politiker gibt auch den sozialen Netzwerken eine Mitschuld an einer Spaltung der Gesellschaft. «Das Internet befördert einseitige, radikale Positionen», sagte er. In einem Interview des Magazins «Focus» (Donnerstag) verlangte er ein schärferes Vorgehen gegen Falschnachrichten und Verschwörungstheorien. «Die Politik darf nicht tatenlos zusehen, wie ungefiltert Falschmeldungen verbreitet werden. Wir müssen da auf Bundesebene zügig nachsteuern», so Kretschmer. Er plädierte dafür, auch die Anbieter der sozialen Netzwerke in die Pflicht zu nehmen und diejenigen, die Fake News verbreiten, härter zu bestrafen.

7Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    klapa
    22.05.2020

    Sterntaler, ich teile Ihre Meinung uneingeschränkt. Es sollte für den User nicht so wichtig sein, wie ein Portal von bestimmten Interessen kategorisiert wird, man kann hier auch ein anderes Partizip verwenden, sondern was ein Journalist zu einer bestimmten Thematik zu sagen hat und mit Hilfe welcher Wortwahl und in welchem Stil er sich äußert. Mündige Bürger sind, um hier nur ein Beispiel zu nennen, keine Kinder, die man erziehen muss. Es bleibt für mich dabei - Glaube nichts, hinterfrage alles, denke selbst.

  • 4
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    Sterntaler
    22.05.2020

    @klapa, es gibt zwar Kreise, die TE als "rechts" einstufen, ich sehe das allerdings nicht so, auch wenn man auch dort, wie in vielen Medien, nicht in jedem Beitrag allen Aussagen vollkommen unkritisch zustimmen kann. TE gehört nach herkömmlicher Sichtweise schon eher zur Mitte. Aber ich hab Ihre Ironie schon verstanden. Die Einstufung des politischen Spektrums liegt wohl sehr im Auge des Betrachters und ist abhängig von dessen Position.

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    klapa
    21.05.2020

    Sorry Sterntaler, hätte ich fast vergessen. Volle Zustimmung zu dem, was Sie zu Kretschmers Handel schreiben.

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    klapa
    21.05.2020

    Aber Sterntaler, sie trauen sich, TE zu zitieren und Mops, Sie finden das gut? Wissen Sie nicht, dass dieses Portal wie andere auch, generell rechts eingestuft wird. Sie gehören zwar im Gegensatz zu vielen anderen Medien zu denen, die beschreiben, was ist und greifen Themen auf , die für andere tabu sind. Aber trotzdem, also nein.

    Sie werden es bemerkt haben, der Protest ist überhaupt nicht ernst gemeint. Der Leser ist generell gezwungen, sich dort zu orientieren, wo er Anwort auf seine Fragen findet und wo auch ausgezeichnete Journnalisten am Werke sind. Und das ist nicht nur der Mainstream. Um singemäß bei Herrn Novotny zu bleiben - Journalismus muss kritisch ein, ansonsten ist er belanglos.

  • 4
    4
    mops0106
    21.05.2020

    @Sterntaler: Danke für den Hinweis auf den neuen Artikel von Alexander Wendt. Der bringt es auf den Punkt.

  • 6
    8
    Interessierte
    21.05.2020

    Wenn die Demos nicht stattgefunden hätten , wären denn dann die Lockerungen auch erfolgt oder würden wir dann immer noch eingesperrt ?

  • 7
    3
    Sterntaler
    21.05.2020

    Michael Kretschmer macht es in diesem Fall absolut richtig mit den Kritikern der Maßnahmen, die mit Sicherheit nicht wie von DPA dargestellt durchweg "Anhänger von Verschwörungstheorien" sind, zu sprechen, im Gegensatz z.B. zu seinem Kollegen Markus Söder. Er versucht auch gegen Widerstände in den eigenen Reihen "Die schalltote Kammer" zu öffnen und die Diskursverweigerung der offiziellen Seite zu durchbrechen. Hierzu ist heute übrigens auf TE ein lesenswerter Beitrag erschienen: https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/die-schalltote-kammer/#wpcomm