Lehrerverband: Kollegen mit Lernplattform frustriert

Radebeul (dpa/sn) - Der Sächsische Lehrerverband (SLV) hat technische Pannen beim digitalen Unterricht in der Corona-Pandemie moniert. «Systemabstürze und Serverüberlastungen führen aber immer häufiger zu Frust und einem zusätzlichen Arbeitsaufwand für Lehrkraft und Schüler», erklärte der Verband am Donnerstag. Der Freistaat sei in der Pflicht, für einen reibungslosen Ablauf der digitalen Dienste zu sorgen und entsprechende technische Lösungen bereitzustellen: «Dafür muss in die Erhöhung der Serverkapazitäten und die Behebung von Sicherheitslücken investiert werden. Der technische Support kann grundsätzlich nicht Aufgabe der Lehrkräfte sein.»

«Der Distanzunterricht in der derzeitigen Ausnahmesituation ist bereits eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Wenn LernSax dann zusätzlich nicht ordnungsgemäß funktioniert, behindert das nicht nur die Aufgabenverteilung sondern auch die Kommunikation zwischen Schüler und Lehrkraft», betonte Jens Nelle, stellvertretender Landeschef des Lehrerverbandes. Unterrichtsabläufe würden gestört, was zu weiteren Lücken in der Wissensvermittlung führe.

Das Kultusministerium wies diese Darstellung zurück. «Nach anfänglichen Störungen durch Cyberattacken und technischen Problemen im Rechenzentrum läuft LernSax seit Ende vergangener Woche völlig reibungslos», sagte Ministeriumssprecher Dirk Reelfs. Täglich seien tausende Nutzer auf der Plattform, ohne dass es Probleme gibt. Serverkapazitäten seien mehr als ausreichend und der neue Sicherheitsschirm funktioniere: «Probleme im Netz oder der unzureichende Datenübertragungen privater Haushalte können wir nicht beeinflussen.»

Fragen des Datenschutzes und des Urheberrechts sind bei der Nutzung über den Schul-Login nach Angaben des Kultusministeriums geklärt, hieß es weiter. Bedenklich sei für einige Lehrkräfte aber weiterhin die Frage, wer bei Rechtsverletzungen durch Schüler oder Eltern haftet. Hier fordere der SLV vom Kultusministerium Klarheit und Sicherheit für den Beschäftigten.

Die Plattform LernSax sei zu kompliziert; zu viele Untermenüs machten die regelmäßige Nutzung sperrig. Die schlechte Handhabung wirkt sich frustrierend auf die Lehrkräfte und Schüler aus: «Abhilfe könnten entsprechende Schulungsangebote schaffen. Lehrkräfte müssen insgesamt die Möglichkeit erhalten, ihre digitalen Kompetenzen regelmäßig weiter fortzubilden», betonte der Verband. Das Kultusministerium verwies darauf, dass es Schulungsangebote gibt. Diese müssten von den Lehrkräften aber auch in Anspruch genommen werden.

Nach Ansicht des Lehrerverbandes sind die technische Infrastruktur der Schulen und der vorhandene Breitbandausbau den Anforderungen des digitalen Unterrichtens nicht oder nur bedingt gewachsen. Auch der CDU-Wirtschaftsrat Sachsen zeigte sich am Donnerstag in diesem Punkt verärgert. Als Grund für den Zustand wurde Kompetenzgerangel zwischen Land und Kommunen vermutet. Landesvorsitzender Dirk Schröter warnte vor den Folgen: «Mit Bildungspolitik werden Wahlen gewonnen oder auch verloren. Das sollte insbesondere Politikern klar sein.»

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