Megaprojekt im Seenland startet

Von der unsinkbaren Motorjacht bis Probetauchen reicht das Angebot auf der Messe "Beach & Boat" in Leipzig. Unweit entfernt beginnt gerade die neue Wassersportsaison.

Leipzig.

Hätte sich das Traumwetter der vergangenen Tage über das Wochenende gehalten, hätten die Schleusenwärter am Cospudener See schon einiges zu tun gehabt. 7900 Kanus und Kajaks passierten 2017 die ab März täglich ab 10 Uhr geöffnete Schleuse. An der nächsten in Connewitz waren es 20.000 Paddelbootsbesatzungen. Die Zahlen für 2018 dürften höher sein, liegen aber noch nicht vor. Über die Schleusen gelangt man vom Cospudener See im Leipziger Süden über den Waldsee, Floßgraben und die Pleiße bis in die Innenstadt. 65 Kilometer Wasserwanderkurse stehen in Leipzig mittlerweile zur Verfügung. Selbst für das Passieren des Floßgrabens, in dem der streng geschützte Eisvogel brütet, gibt es mittlerweile einen Kompromiss: Er darf begrenzt von 11 bis 13, 15 bis 18 und 20 bis 22 Uhr zwischen März und Oktober befahren werden - per Muskelkraft.

Der Cospudener See - mit 436 Hektar Wasserfläche so groß wie die Vogtlandtalsperre Pöhl - war einer der ersten von 28 Bergbaufolgeseen rund um Leipzig, die heute weitgehend geflutet sind und stetig touristisch erschlossen werden. Größter unter den Seen im Süden ist der Zwenkauer See mit 963 Hektar Fläche. Bürgermeister Holger Schulz (CDU) kennt noch den gewaltigen Braunkohletagebau, der bis 1990 hier klaffte. Heute gibt es quasi vor seiner Tür einen Hafen mit 320Bootsliegeplätzen, die bis auf einige Gastplätze an Dauernutzer vergeben sind. Neben Segelbooten machen hier auch Motorjachten fest. "Die Nutzung ist für alle Bootstypen möglich", wirbt Schulz für den größten Hafen im Neuseenland.

Die eigentliche Attraktion steht aber noch aus: der Harthkanal - eine 750 Meter lange Verbindung zum Cospudener See, der längst fertig sein sollte und ein 15 Quadratkilometer großes Segelrevier erschließt. 2014 begannen vorbereitende Arbeiten, ein Jahr vor Eröffnung des Hafens Zwenkau. Nun ist laut dem Bergbausanierer LMBV 2022 als Fertigstellungstermin angepeilt. Die Landesdirektion Sachsen hatte vergangenen August den vorzeitigen Baubeginn gestattet, um die Finanzmittel aus dem Verwaltungsabkommen Braunkohlesanierung noch einsetzen zu können. 80 Millionen Euro sind für den Kanal eingeplant. Er wird unter der A 38 hindurchführen - lichte Höhe 8,32 Meter. Nördlich der Autobahn wird er aufgeweitet, weil hier eine Schleuse entsteht, über die der Ausgleich zum 3,50 Meter tieferen Cospudener See erreicht wird. Der Uferrundweg um den Cospudener See wird wiederum über eine Klappbrücke über den Kanal geführt. Die eigentliche Planungsgenehmigung steht aber noch aus.

Laut LMBV wird sie Ende dieses Jahres erwartet, sagte Sprecherin Maria Lange. "Das Verfahren gestaltet sich komplizierter und langwieriger als zunächst eingeschätzt", vor allem wegen naturschutzrechtlicher Belange und des komplizierten Baugrundes, der ähnlich wie beim Bau der A 72 nahe Leipzig per Rüttelstopftechnologie zusätzlich verdichtet werden musste.

Zwenkaus Bürgermeister Schulz versichert, dass bis 2022 dann auch der teils noch provisorische Radweg um "seinen See" endgültig fertig sein soll. Am Nordufer seien dann zudem ein zweiter Strand sowie ein Campingplatz geplant.

Zu wenig Campingmöglichkeiten beklagen viele Nutzer des Leipziger Seenlands, weiß Daniel Strobel, Hauptamtsleiter von Großpösna. Zu dieser Gemeinde gehört der 733Hektar große Störmthaler See mit einem 23 Kilometer langen Uferradrundweg und einem Kanal zum Markkleeberger See. Das am "Störmi" bislang einzige Ferienressort Lagovida bietet 50 Stellplätze für Wohnmobilisten an. Eine Erweiterung sei nicht geplant, sagt Hotelmanagerin Nicole Brief. Das Ressort selbst mit inzwischen 254 Betten hatte erst vergangenen Sommer fünf neue Hafenappartements und 14 weitere Ferienwohnungen eröffnet. Die Auslastung über das ganze Jahr liege bei rund 60 Prozent, das Gros der Gäste käme aus dem Chemnitzer Raum und dem Erzgebirge. Alle 120 Plätze am Bootshafen seien vermietet, berichtet Nicole Brief.

Nicht weit vom Lagovida entfernt, auf der Magdeborner Halbinsel, öffnet jetzt ein zweiter Hafen mit 30 Plätzen für Segelboote und eine begrenzte Zahl von Motorbooten. An diesem Hafenpoint nahe dem Vineta-Bistro, wo am 30. März auch das erste Hybridboot für 120 Passagiere zu Rundfahrten startet, gibt es einen Bootsverleih, an dem man sich neuerdings ein Elektroboot zum Übernachten mieten kann. Zudem will der Verleiher einen ersten Schlafstrandkorb testen. Daniel Strobel, auch Geschäftsführer der Dorf- und Seen-Entwicklungsgesellschaft Großpösna, verrät, dass es Pläne für einen Campingplatz gegenüber dem Lagovida gebe: für unterschiedliche Zielgruppen, vor allem aber für Zeltler, und mit Arbeitsplätzen für Behinderte. An drei der fünf Badestrände am Störmthaler See seien moderne Trockentoiletten in Form eines aufgestellten Bootes errichtet worden. "Man kann nicht das zweite Jahr in Folge bei einer Online-Umfrage beliebtester Badesee in Sachsen werden und nicht mal Lösungen für die menschlichsten Bedürfnisse anbieten", so Strobel.

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